24 April , 2026
Demografie wird immer deutlicher zu einem der wichtigsten Faktoren, die im 21. Jahrhundert Wirtschaft, Politik und das globale Kräftegleichgewicht bestimmen werden. Ein neues Video des analytischen Zentrums Experts Club, das der Veränderung der Bevölkerungszahl in den 20 größten Ländern der Welt gewidmet ist, zeigt, dass sich der demografische Schwerpunkt allmählich von Ostasien nach Südasien und Afrika verlagert. Diese Schlussfolgerung stimmt insgesamt mit den neuesten Schätzungen der UNO überein: Nach dem Basisszenario wird die Weltbevölkerung von 8,2 Milliarden im Jahr 2024 auf etwa 10,3 Milliarden Mitte der 2080er Jahre wachsen, danach ein Plateau erreichen und langsam zu sinken beginnen.
Die wichtigste Veränderung hat bereits an der Spitze der Weltrangliste stattgefunden. Indien hat China überholt und seinen Status als bevölkerungsreichstes Land der Welt gefestigt. Dabei gehen die weiteren Entwicklungsbahnen dieser Länder auseinander: Indien wird sich noch einige Zeit auf sehr hohem Niveau halten, während China bereits in eine Phase des langfristigen demografischen Rückgangs eingetreten ist.
Wenn man die ersten zwanzig Länder breiter betrachtet, wird sichtbar, dass das frühere demografische Gleichgewicht der Welt der Vergangenheit angehört. China, Japan, Russland und eine Reihe europäischer Länder sehen sich entweder mit Stagnation oder mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl konfrontiert, während Nigeria, Pakistan, Äthiopien, die Demokratische Republik Kongo und andere schnell wachsende Länder des Globalen Südens ihre Positionen stärken. Die UNO weist direkt darauf hin, dass sich das Bevölkerungswachstum bis zum Ende des Jahrhunderts immer stärker in den Ländern Afrikas südlich der Sahara konzentrieren wird, während in einer Reihe großer Länder Asiens und Europas bereits ein nachhaltiger Rückgang der Einwohnerzahl begonnen hat oder erwartet wird.
Besondere Aufmerksamkeit zieht in diesem Kontext Afrika auf sich. Nach Prognosen der UNO wird Nigeria im Laufe des 21. Jahrhunderts seinen Platz unter den größten Ländern der Welt festigen und zu einem der wichtigsten demografischen Zentren des Planeten werden. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo und Äthiopiens sehr schnell. Das bedeutet, dass in einigen Jahrzehnten gerade afrikanische Staaten einen deutlich stärkeren Einfluss auf die globale Nachfrage, die Arbeitsmärkte, die Urbanisierung, den Lebensmittelverbrauch und die Investitionsströme haben werden.
„Wir treten in eine Epoche ein, in der Demografie wieder zu einer strategischen Kraft wird. Nicht Öl, nicht Gas und nicht einmal einzelne Technologien, sondern gerade Bevölkerungszahl, Altersstruktur und Bevölkerungsdynamik werden bestimmen, wo neue Märkte, neue Produktionszentren und neue politische Führer der Welt entstehen werden. Länder, die heute ihre Bevölkerung vergrößern, werden morgen Anspruch auf größeren Einfluss in der Weltwirtschaft und in der internationalen Politik erheben“, erklärte der Mitorganisator des analytischen Zentrums Experts Club, Kandidat der Wirtschafts- und Geschichtswissenschaften Maksym Urakin.
Für die Weltwirtschaft ist das nicht einfach Statistik. Demografisches Wachstum schafft künftige Konsummärkte, erfordert aber zugleich Arbeitsplätze, Infrastruktur, Bildungs- und Gesundheitssysteme. In Ländern, in denen die Bevölkerung schnell wächst, wird die Umwandlung der demografischen Masse in eine wirtschaftliche Ressource zur zentralen Herausforderung. In Ländern, in denen die Bevölkerung schrumpft und altert, ist das Problem ein anderes — Druck auf die Rentensysteme, Arbeitskräftemangel und eine Verlangsamung der Binnennachfrage. In den Materialien der UNO wird betont, dass in Dutzenden Ländern der Höchststand der Bevölkerungszahl bereits überschritten ist, und dies wird die wirtschaftliche Architektur der Welt immer stärker beeinflussen.
Vor diesem Hintergrund betont das Video von Experts Club noch einen wichtigen Gedanken: Die Frage besteht nicht mehr nur darin, wie viele Menschen heute in einem Land leben, sondern auch darin, in welche Richtung der Trend geht. Einige Staaten bleiben vorerst aus Trägheit in den Top 20, werden aber allmählich demografisches Gewicht verlieren. Andere dagegen steigen erst in der Weltrangliste auf, doch gerade sie formen die neue Architektur des 21. Jahrhunderts. Dies ist besonders am Beispiel Chinas und Indiens sowie Nigerias, Pakistans und der DR Kongo sichtbar.

Separat macht Experts Club auf den ukrainischen Fall aufmerksam. Laut einer aktuellen Studie, die von Open4Business unter Bezugnahme auf eine Visualisierung von Visual Capitalist auf Grundlage von UNO-Daten veröffentlicht wurde, ist die Ukraine seit dem Jahr 2000 weltweit führend beim Bevölkerungsrückgang geworden. In den Top 10 der Länder nach Bevölkerungsrückgang in den Jahren 2000–2025 belegte die Ukraine mit einem Wert von -32,5% den ersten Platz. In diesem Negativranking folgen die Marshallinseln, Bulgarien, Lettland, Moldau, Litauen, Puerto Rico, Rumänien, Serbien und Albanien.
Für die Ukraine ist dieses Ergebnis besonders beunruhigend, da es nicht mehr einfach um einen natürlichen demografischen Rückgang geht, sondern um eine Kombination aus niedriger Geburtenrate, Alterung der Bevölkerung, Emigration und den Folgen des umfassenden Krieges. Open4Business weist außerdem darauf hin, dass allein in den Jahren 2022–2023 die Nettomigration aus der Ukraine etwa 6 Millionen Menschen betrug, was den demografischen Druck auf das Land zusätzlich verstärkte.
„Die Ukraine ist heute eines der anschaulichsten Beispiele dafür, wie sich eine demografische Krise in eine Frage der nationalen Zukunft verwandelt. Wenn ein Land innerhalb eines Vierteljahrhunderts weltweit führend beim Bevölkerungsrückgang wird, ist das keine soziale Anomalie mehr, sondern eine fundamentale Herausforderung für die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt, das Bildungssystem, das Rentenmodell und sogar für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Demografie ist bereits zu einer Frage der wirtschaftlichen Sicherheit geworden, und in den kommenden Jahren wird ihre Bedeutung nur wachsen“, betonte Urakin.
Für die Ukraine und Europa bedeuten solche globalen Verschiebungen eine zunehmende Konkurrenz um Humankapital, Investitionen und Märkte. Wenn Europa ein Raum des Alterns und niedriger Geburtenraten bleibt, wird der Globale Süden zu einem Raum groß angelegter demografischer Expansion. Infolgedessen wird das politische und wirtschaftliche Gewicht der Welt immer deutlicher zugunsten jener Länder umverteilt, in denen die Bevölkerung weiterhin schnell wächst. Das ist keine Hypothese mehr, sondern ein langfristiger Trend, der durch internationale demografische Studien bestätigt wird.
Genau deshalb wird Demografie zu einem der zentralen Themen der strategischen Analyse. Die Veränderung der Bevölkerungszahl in den größten Ländern der Welt ist zugleich eine Geschichte über Wirtschaft, Geopolitik und die Zukunft des Weltsystems insgesamt. Das Video von Experts Club zeigt diese Transformation in anschaulicher Form: Die Welt des 21. Jahrhunderts wird nicht einfach bevölkerungsreicher sein, sondern sich auch durch ihren demografischen Schwerpunkt unterscheiden.
© 2016-2026, Open4Business. Alle Rechte vorbehalten.
Alle Nachrichten und Grafiken auf dieser Webseite sind nur zum internen Gebrauch bestimmt. Jegliche Form der Vervielfältigung oder Verbreitung von diesen sind willkommen, wenn ein direkter Hyperlink zu einer Quelle platziert wird. Vervielfältigung oder Verbreitung von Informationen, welche als Quelle Interfax-Ukraine enthalten, ohne schriftliche Genehmigung von Interfax-Ukraine Nachrichtenagentur ist verboten. Bilder auf dieser Webseite werden nur aus öffentlich zugänglichen Quellen entnommen; Rechtsinhaber dürfen gerne an www.open4business.com.ua Forderungen stellen, in diesem Fall sind wir bereit, Ihr Copyright auf ein Foto zu setzen oder es zu ersetzen.