Die Preise für Wohnungen in Neubauten in Italien sind zum ersten Mal seit acht Jahren gesunken, während der Sekundärmarkt weiter gewachsen ist. Dies deutet auf eine Spaltung des italienischen Immobilienmarktes hin: Die Kaufnachfrage bleibt bestehen, doch neue Objekte reagieren stärker auf Baukosten, Hypothekenkonditionen und regionale Unterschiede.
Nach Angaben des Global Property Guide unter Berufung auf Statistiken der Europäischen Zentralbank sind die Preise für neue Wohnungen in Italien im Jahresvergleich um 1,16 % gesunken, inflationsbereinigt um 2,29 %. Dies war der erste jährliche Preisrückgang bei Neubauten seit acht Jahren. Gleichzeitig stiegen die Preise für Bestandsimmobilien im Jahresvergleich um 5,15 % bzw. real um 3,95 %.
Diese Diskrepanz zeigt, dass der Markt auf unterschiedliche Faktoren reagiert. Der Markt für Bestandsimmobilien wird durch ein begrenztes Angebot, die Nachfrage in Großstädten und das Interesse der Käufer an bezugsfertigen Objekten gestützt. Neubauten hingegen hängen stärker von den Baukosten, den Fertigstellungsterminen, den Hypothekenzinsen und der Kaufkraft der Käufer ab.
Nach Angaben von idealista stieg der Durchschnittspreis für Bestandsimmobilien in Italien im April 2026 um 0,8 % im Monatsvergleich und erreichte 1.906 Euro pro Quadratmeter. Auf Jahresbasis betrug der Anstieg 5 %, im Quartalsvergleich 2,7 %. Dies bestätigt, dass der Rückgang im Segment der Neubauten nicht einen allgemeinen Einbruch des gesamten italienischen Immobilienmarktes bedeutet.
Die Situation spiegelt zudem ein strukturelles Problem des italienischen Marktes wider: Das Angebot an neuen Wohnungen bleibt begrenzt, während sich die Nachfrage auf die attraktivsten Standorte konzentriert – Mailand, Rom, Tourismusregionen und Städte mit hoher Lebensqualität.
Für Käufer könnte der Preisrückgang bei Neubauten neue Möglichkeiten eröffnen, insbesondere in Regionen, in denen Bauträger zu Zugeständnissen bereit sind. In den gefragtesten Städten Italiens bleibt die Erschwinglichkeit von Wohnraum jedoch ein Problem. The Guardian stellte fest, dass die Immobilienpreise in Mailand innerhalb von fünf Jahren um 38 % gestiegen sind und die Stadt dank steuerlicher Anreize und Lebensqualität zu einem Anziehungspunkt für wohlhabende Ausländer wird.
Für ausländische Käufer bleibt der italienische Markt dank der Kombination aus Lebensqualität, touristischem Potenzial, Steuerregelungen für neue Einwohner und einer großen Auswahl an Objekten – von Stadtwohnungen bis hin zu Häusern in Kleinstädten – attraktiv.
Das Segment der Neubauten wird jedoch heterogener: In einigen Regionen können die Preise aufgrund schwacher Nachfrage sinken, in anderen bleiben sie aufgrund des Mangels an modernen Objekten hoch.