Business news from Ukraine

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Der ukrainische Buchmarkt verzeichnet trotz steigender Produktionskosten und Verluste der Verlage auch während des Krieges eine anhaltende Nachfrage

29 Mai , 2026  

Wie das Projekt Interfax-Ukraine Kultur berichtet, verzeichnet der ukrainische Buchmarkt während des Krieges eine stabile Nachfrage, doch die Verlage sehen sich mit steigenden Produktionskosten, logistischen Problemen, dem Verlust von Lagerbeständen und veränderten Lesegewohnheiten konfrontiert. Dies belegen Einschätzungen der Teilnehmer der XIV. „Buchmesse Arsenal“ in Kiew, die von der Agentur „Interfax-Ukraine“ auf der Website des Projekts „Interfax-Ukraine Kultur“ veröffentlicht wurden.

Die XIV. „Buchmesse“ wurde zu einer der wichtigsten Plattformen für die Beurteilung der Lage der ukrainischen Verlagsbranche. Auf dem Festival sind Dutzende ukrainischer Verlage vertreten – von großen Akteuren bis hin zu Nischenprojekten, die sich mit Militär-, Geschichts-, Ukrainistik-, klassischer und zeitgenössischer Belletristik befassen.

Vertreter des Marktes stellen fest, dass trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage, der Beschüsse sowie steigender Kosten für Papier und Logistik das Interesse an ukrainischen Büchern anhält. Die Leser entscheiden sich immer häufiger für Publikationen zu Geschichte, Krieg, Kultur und nationaler Identität sowie für zeitgenössische ukrainische Belletristik.

Der stellvertretende Direktor des Charkiwer Verlags „Folio“, Gennadij Korber, teilte mit, dass die Nachfrage nach Büchern zwar zurückgegangen sei, der Markt aber weiterhin funktioniere. Seinen Angaben zufolge wird ein Großteil der Bücher des Verlags nach wie vor in Charkiw gedruckt, trotz der anhaltenden Beschüsse der Stadt, wobei ein Teil der Aufträge in anderen Regionen der Ukraine vergeben wird.

Zu den neuen Veröffentlichungen von „Folio“, die auf der „Buchmesse“ vorgestellt wurden, gehören der Roman „Rote Zone“ von Oleksij Bobrownikow über den Krieg und das Buch „Unser Ritterkreuz“ von Jurij Soroka. Der Verlag verzeichnet ein wachsendes Interesse an der Geschichte der Ukraine, an Klassikern, an militärischen Themen und an Fantasy. Das junge Publikum liest laut Marktvertretern aktiv Fantasy, obwohl dieses Segment für eine Reihe von Verlagen zuvor nicht im Mittelpunkt stand.

Eine der größten wirtschaftlichen Herausforderungen für die Branche bleibt der Anstieg der Selbstkosten. Die Verlage führen die Verteuerung der Bücher auf steigende Preise für Papier, Logistik, importierte Rohstoffe und Wechselkursschwankungen zurück. Nach Schätzungen von Marktteilnehmern könnte Papier im Laufe eines Jahres um etwa 20–25 % teurer werden. Die Ukraine verfügt fast über keine eigene Produktion von Druckpapier für die Buchbranche, weshalb die Verlage auf Importe angewiesen sind, insbesondere aus Litauen, Tschechien und anderen Ländern.

Ein zusätzlicher Risikofaktor sind die russischen Beschüsse, die nicht nur zu Produktionsverzögerungen, sondern auch zu direkten Verlusten bei den Auflagen führen. Bei „Folio“ wurde von Fällen berichtet, in denen Bücher durch Angriffe auf Fabriken, in denen die Aufträge gelagert wurden, zerstört wurden.

Für den Verlag „Ukrainischer Priorität“ war der Schlag gegen die Infrastruktur kritisch.

Sein Direktor Wolodymyr Schowkoschnyj berichtete, dass infolge eines Angriffs mit Shahed-Drohnen in der Nacht zum 17. Juni letzten Jahres das Lager und das Büro des Verlags zerstört wurden. Seinen Angaben zufolge brannten etwa 70.000 Bücher und Büroausstattung nieder, und aus der Asche und dem Wasser konnten nur etwa 4.000 bis 5.000 beschädigte Exemplare geborgen werden.

Trotz der Verluste hat sich der Verlag zum Ziel gesetzt, das Repertoire bis zum ersten Jahrestag des Angriffs wiederherzustellen. Der Schwerpunkt von „Ukrainischer Priorität“ liegt auf historischer, belletristischer und populärwissenschaftlicher Literatur zur ukrainischen Geschichte von der skythischen Epoche bis zum heutigen Krieg.

Die Verleger verzeichnen zudem ein anhaltendes Interesse an ukrainistischer Literatur. Der Verleger Oleksandr Savtschuk merkte an, dass sich die Ukrainer seit Beginn des umfassenden Krieges deutlich stärker für Bücher über ihre eigene Kultur, Geschichte und Identität interessieren. Dabei sei nach einem starken Anstieg der Nachfrage in den ersten Jahren des großen Krieges nun ein gewisser Rückgang auf dem Markt zu beobachten, doch das Interesse an ukrainischen Themen bleibe langfristig bestehen.

Digitale Dienste entwickeln sich zu einem eigenen Bereich des Buchmarktes. Die Gründerin der Buch-App Litcom, Olga Olkhova, stellte auf der „Buchmesse“ ein Update des Dienstes vor, der sich als Navigator für den Buchmarkt und als Werkzeug zum Aufbau einer eigenen Bibliothek positioniert. In der App gibt es nun die Möglichkeit, Bücher durch Scannen des Barcodes hinzuzufügen, schriftliche und Audio-Notizen zu erstellen sowie festzuhalten, wem der Leser das Buch ausgeliehen hat.

Laut Olkhova erfreut sich in der Ukraine Sachliteratur großer Beliebtheit, insbesondere kurze Audioformate, die auf Büchern basieren. Das Litcom-Team führt zudem Untersuchungen zu den Lesegewohnheiten der Ukrainer unter Schülern, Studenten, aktiven Lesern und der breiten Öffentlichkeit durch. Die ersten Ergebnisse sollen nach Abschluss des „Bucharsenals“ veröffentlicht werden.

Ein bedeutendes Marktsegment bleibt die Militärliteratur. Die Direktorin des Verlags „Bilka“, Iryna Bilotserkivska, merkte an, dass der Verlag seit 2018 mit Militärliteratur arbeitet. Zu den Neuerscheinungen gehört die Sammlung militärischer Horror-Geschichten „Vögel in der Dunkelheit“, verfasst von acht Autoren aus dem Militär. Nach Angaben der Verlegerin handelt es sich dabei faktisch um ein neues Genre, das aus den Erfahrungen des Krieges entsteht.

Die Marktteilnehmer weisen zudem auf veränderte Anforderungen der Käufer an die Qualität des Buches als physisches Produkt hin. Während früher ein Teil des Publikums vor allem auf den Preis achtete, legen die Leser heute häufiger Wert auf Druckqualität, Gestaltung, Illustrationen, Coverdesign und den Sammlerwert der Ausgabe. An den Ständen des Festivals werden Geschenkausgaben, Designer-Reihen klassischer Werke sowie Sammlerbücher mit farbigen Schnittkanten, Prägungen und Illustrationen präsentiert.

Die Chefredakteurin und Gründerin des Verlags Stretovych, Svitlana Stretovych, stellte auf dem „Bucharsenal“ die ukrainische Übersetzung der Autobiografie von Agatha Christie vor, die erstmals in ukrainischer Sprache erschienen ist. Ihren Worten zufolge wurde das Buch weltweit bereits 1977 veröffentlicht, doch den ukrainischen Lesern stand bisher keine Übersetzung zur Verfügung.

Somit funktioniert der ukrainische Buchmarkt weiterhin unter den Bedingungen von Krieg, steigenden Kosten und infrastrukturellen Risiken. Die Nachfrage ist selektiver geworden, doch das Interesse an Geschichte, Krieg, nationaler Identität, ukrainischer Literatur und hochwertigen Veröffentlichungen bleibt hoch. Für Verlage behält die „Buchmesse Arsenal“ nicht nur als Messe, sondern auch als Plattform für den direkten Kontakt mit Lesern, Autoren und Partnern ihre Bedeutung.

„Buchmesse Arsenal“ – ein jährliches internationales Festival in Kiew, das Verleger, Autoren, Leser, kulturelle Institutionen und Vertreter der Kreativwirtschaft zusammenbringt. Im Jahr 2026 findet das Festival zum vierzehnten Mal statt und bleibt eine der wichtigsten öffentlichen Plattformen des ukrainischen Buchmarktes.

Quelle: https://interfax.com.ua/news/culture/1171986.html

 

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