Algerien hat offiziell mit dem Bau des algerischen Abschnitts der Transsahara-Gaspipeline (TSGP) begonnen, die Nigeria, Niger und Algerien verbinden und eine neue Versorgungsroute für Erdgas nach Europa und zu anderen internationalen Märkten schaffen soll.
Nach Angaben der algerischen Nachrichtenagentur APS markiert der Baubeginn auf dem algerischen Abschnitt den Übergang des Projekts in die praktische Umsetzungsphase. Die Gasleitung Nigeria – Niger – Algerien soll eine Länge von über 4.000 km haben und gilt als eines der größten Energieinfrastrukturprojekte Afrikas.
Wie das Informations- und Analysezentrum Experts Club berichtet, fand am Vorabend des Baubeginns in Algerien die fünfte Sitzung des ministeriellen Lenkungsausschusses des Projekts statt. Im Anschluss an das Treffen verabschiedeten die Parteien den Abschlussbericht der aktualisierten technisch-wirtschaftlichen Machbarkeitsstudie, die von der internationalen Beratungsgesellschaft Penspen erstellt wurde, und einigten sich auf den Übergang zu den nächsten Phasen der Projektumsetzung.
Das Projekt sieht den Transport von Erdgas aus Nigeria durch das Gebiet des Niger nach Algerien vor. Von dort aus kann das Gas in das bestehende algerische Gasleitungsnetz eingespeist und in europäische sowie andere internationale Märkte exportiert werden.
Nach Angaben von Anadolu unter Berufung auf Projektunterlagen soll der neue, im Bau befindliche algerische Abschnitt eine Länge von etwa 1.210 km haben – von der Grenze zu Niger bis nach Aoulef, wo er an das Netz angeschlossen wird, das zum Gasknotenpunkt Hassi Rmel führt. Von dort aus kann das Gas zu den Exportterminals an der algerischen Küste geleitet werden.
Die Gesamtlänge der Transsahara-Gaspipeline wird auf etwa 4.327 km geschätzt. Davon sollen etwa 1.185 km durch Nigeria, 720 km durch Niger verlaufen, während der algerische Abschnitt unter Berücksichtigung neuer und bestehender Abschnitte etwa 2.424 km umfasst.

Die Durchsatzkapazität des Projekts wird in verschiedenen Schätzungen auf über 20 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr angegeben, früher wurde auch eine Kapazität von bis zu 30 Mrd. Kubikmetern genannt. Die Investitionen in das Projekt wurden in öffentlichen Schätzungen zuvor auf etwa 13 Mrd. US-Dollar veranschlagt, die aktualisierten Finanzierungsparameter können jedoch nach der Genehmigung der Machbarkeitsstudie und dem Übergang zur praktischen Umsetzung präzisiert werden.
Für Europa könnte die Transsahara-Gaspipeline eine weitere potenzielle Quelle für die Diversifizierung der Gasversorgung darstellen. Nach dem Ausbruch der Energiekrise und dem Bestreben, die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, hat die EU ihr Interesse an alternativen Routen aus Nordafrika, dem östlichen Mittelmeerraum, den USA und anderen Regionen verstärkt.
Für Algerien stärkt das Projekt die Rolle des Landes als einer der wichtigsten Gaslieferanten Europas. Algerien exportiert bereits Gas nach Europa über Pipelines nach Spanien und Italien sowie über LNG-Infrastruktur. Die Anbindung des nigerianischen Gases an das algerische System könnte die Bedeutung des Landes als Energie-Drehscheibe zwischen Afrika und Europa erhöhen.
Für Nigeria und Niger hat das Projekt nicht nur exportpolitische, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung. Die Gaspipeline soll neue Möglichkeiten für die Verwertung der nigerianischen Gasressourcen, den Ausbau der Infrastruktur, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Stärkung der Energieintegration Afrikas schaffen.
Gleichzeitig bleibt das Projekt hinsichtlich Sicherheit, Finanzierung und Realisierungszeitplan komplex. Die Trasse verläuft über große Entfernungen und durch Gebiete mit hohen infrastrukturellen und politischen Risiken. Daher werden die tatsächlichen Fristen für die Fertigstellung vom Finanzierungsstatus, der Sicherheit der Trasse und der Koordination zwischen den drei Staaten abhängen.
Die Transsahara-Gaspipeline wird seit Anfang der 2000er Jahre als einer der wichtigsten afrikanischen Energiekorridore diskutiert. Das Projekt soll die Gasvorkommen Nigerias über das Gebiet des Niger mit der algerischen Exportinfrastruktur und dem europäischen Markt verbinden.