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Wissenschaftler haben herausgefunden, dass das Gehirn von Zweisprachigen einen gemeinsamen grammatikalischen Mechanismus für verschiedene Sprachen nutzt

23 Juni , 2026  

US-amerikanische Forscher der New York University sind zu dem Schluss gekommen, dass das Gehirn von Zweisprachigen ein gemeinsames neuronales System für grammatikalische Transformationen in verschiedenen Sprachen nutzt und nicht für jede Sprache einen eigenen Regelkatalog erstellt.
Die Studie „A Shared Neural Mechanism for Abstract Grammatical Computations Across Languages in Bilinguals“ wurde in der Fachzeitschrift JNeurosci veröffentlicht.
An der Studie nahmen hochqualifizierte Zweisprachige teil, die sowohl Spanisch als auch Englisch beherrschen. Die Wissenschaftler verfolgten die Gehirnaktivität mithilfe der Magnetoenzephalographie, mit der sich die Dynamik der neuronalen Aktivität mit hoher zeitlicher Genauigkeit erfassen lässt.
Die Teilnehmer wurden gebeten, Wörter in grammatikalisch korrekte Formen umzuwandeln, beispielsweise Substantive vom Singular in den Plural zu setzen – analog zum englischen „boat“ – „boats“ oder zum spanischen „barco“ – „barcos“.
Die Forscher stellten fest, dass solche grammatikalischen Operationen das linksseitige frontotemporale Netzwerk des Gehirns aktivieren. Dabei waren die neuronalen Muster für beide Sprachen gleich, ungeachtet der Unterschiede in Aussprache, Schreibweise und grammatikalischen Formen der Wörter.
Ein wichtiges Ergebnis der Studie besteht darin, dass derselbe Mechanismus auch bei Pseudowörtern funktionierte – also bei künstlich geschaffenen Wörtern, die den Teilnehmern zuvor unbekannt waren. Das bedeutet, dass das Gehirn grammatikalische Regeln nicht nur auf bereits bekannte Wörter, sondern auch auf neue Spracheinheiten anwenden kann.
Die Autoren der Studie sind der Ansicht, dass die Ergebnisse die Hypothese über die Existenz eines allgemeinen „grammatischen Motors“ im Gehirn bestätigen. Mit anderen Worten: Das Gehirn eines Zweisprachigen speichert nicht für jede Sprache vollständig separate grammatische Systeme, sondern nutzt einen universelleren Mechanismus zur Verarbeitung grammatischer Transformationen.
Für das Erlernen und Studieren von Sprachen kann dies von praktischer Bedeutung sein. Wenn grammatikalische Operationen tatsächlich auf einem gemeinsamen neuronalen Mechanismus beruhen, kann die Kenntnis einer Sprache beim Erlernen einer anderen helfen, insbesondere wenn die Person bereits in der Lage ist, abstrakte grammatikalische Regeln schnell anzuwenden.
Gleichzeitig bedeutet die Studie nicht, dass alle Sprachen vom Gehirn auf allen Ebenen gleich verarbeitet werden. Unterschiede im Wortschatz, in der Aussprache, im Schriftbild, im Sprachniveau und im Alter beim Erlernen der Sprache bleiben wichtige Faktoren. Es geht hier speziell um grammatikalische Wortumwandlungen, die nach Angaben der Autoren auf einer gemeinsamen neuronalen Grundlage beruhen könnten.
Für die Ukraine ist dieses Thema auch aufgrund der weit verbreiteten Mehrsprachigkeit, der Migration, des Schulbesuchs von Kindern im Ausland sowie der Verbreitung von ukrainisch-russischen, ukrainisch-polnischen, ukrainisch-englischen und anderen Sprachkombinationen von Bedeutung.
Neue Daten zeigen, dass Zweisprachigkeit nicht als Belastung für das Gehirn betrachtet werden sollte, sondern als komplexes und flexibles System, in dem verschiedene Sprachen gemeinsame kognitive Ressourcen nutzen können.
Die Studie wurde durch Fördermittel des National Science Foundation der USA und der National Institutes of Health der USA unterstützt.