Im Lebenslauf steht B2. Der Test ist bestanden. Briefe auf Englisch lassen sich ohne große Mühe lesen, die Unterlagen sind verständlich, das schriftliche Screening macht keine Angst. Doch dann kommt das erste Telefonat mit einem Kunden, und alles ändert sich: Man spricht kürzer als geplant, verpasst den richtigen Moment für eine Antwort oder stimmt zu, wo man eigentlich nachfragen oder widersprechen wollte.
Das bedeutet nicht unbedingt, dass das Englischniveau zu hoch eingeschätzt wurde. Häufiger spiegelt die Einstufung B2 einfach nicht das gesamte Sprachprofil einer Person wider.
Der CEFR beschreibt das Niveau nicht anhand einer einzigen Fähigkeit, sondern anhand einer ganzen Reihe von Kompetenzen: Lesen, Hören, Schreiben, Sprechen und Interaktion mit anderen Menschen. Diese können unterschiedlich ausgeprägt sein. Eine Person ist vielleicht in der Lage, Fachtexte sicher zu lesen und Briefe zu verfassen, reagiert aber in einem lebhaften Gespräch langsamer.
Gleichzeitig sollte B2 nicht als rein akademisches oder „Lehrbuch“-Niveau betrachtet werden. Es beinhaltet die Teilnahme an Diskussionen, Argumentation, Präzisierung, Präsentationen und spontane Interaktion. Das Problem liegt woanders: Der Eintrag im Lebenslauf zeigt nicht, inwieweit diese Fähigkeiten gerade in Arbeitssituationen automatisiert und trainiert sind.
Im Arbeitsalltag kommt Englisch fast nie unter den sterilen Bedingungen eines Tests vor. Es taucht vielmehr in Form eines kurzen Berichts bei einer Besprechung, einer Produktvorführung, der Erörterung von Fristen, einer komplexen Kundenanfrage oder der Notwendigkeit auf, höflich zu widersprechen.
Beispielsweise kann der Satz „We may need to revisit the timeline“ wörtlich verstanden werden. In einem echten Gespräch muss man jedoch zusätzlich die Absicht des Gesprächspartners erkennen, dessen Standpunkt schnell klären und den nächsten Schritt vorschlagen. Dafür bleiben nur wenige Sekunden Zeit.
Eine besondere Herausforderung stellt das Tempo des Gesprächs dar. Im schriftlichen Verkehr kann man nach dem richtigen Wort suchen, einen Satz überprüfen und eine zu schroffe Formulierung umschreiben. Bei einem Telefonat gibt es solche Pausen nicht. Vor allem, wenn mehrere Personen am Gespräch beteiligt sind, sich die Gesprächspartner gegenseitig ins Wort fallen, mit unterschiedlicher Geschwindigkeit sprechen oder eine ungewohnte Aussprache haben.
Daher kann es vorkommen, dass ein Fachmann den Inhalt des Gesprächs zwar gut versteht und eine starke fachliche Position vertritt, es aber nicht schafft, sich in die Diskussion einzubringen. Von außen wirkt das manchmal wie Unsicherheit oder Passivität, obwohl der eigentliche Grund in mangelnder Übung in der mündlichen Kommunikation liegt.
Es gibt noch eine weitere Ebene der Komplexität: Die Kommunikation am Arbeitsplatz besteht nicht nur aus Wörtern und Grammatik. Man muss verstehen, wie direkt man widersprechen darf, wie man eine Ablehnung abmildert, wann es angebracht ist, den Gesprächspartner zu unterbrechen, und wie man überprüft, ob alle die Entscheidung gleichermaßen verstanden haben.
Genau deshalb sollte sich der Kurs für Business-Englisch nicht um Listen mit Fachbegriffen drehen, sondern um reale Szenarien: Telefonate mit Kunden, Präsentationen, die Besprechung von Fristen, Einwände, Verhandlungen und schwierige Neuigkeiten, die korrekt übermittelt werden müssen.
Es ist sinnvoll, nicht nur die richtige Antwort, sondern auch die Reaktionsgeschwindigkeit zu trainieren.
Kann man um eine Erklärung bitten, ohne dabei seinen selbstbewussten Tonfall zu verlieren? Kann man höflich widersprechen? Ist man in der Lage, sich in ein Gespräch mit mehreren Teilnehmern einzubringen? Kann man am Ende die Entscheidung und die nächsten Schritte kurz zusammenfassen?
Für einen Fachmann ist der Unterschied durchaus praktisch. Ein B2-Niveau im Lebenslauf kann helfen, die Vorauswahl zu bestehen. Ein B2-Niveau, das im Telefonat zum Tragen kommt, ermöglicht es, vollwertig an Entscheidungen teilzunehmen, mit Kunden zu kommunizieren und komplexere berufliche Rollen zu übernehmen.
Die Kluft zwischen diesen beiden Niveaustufen wird nicht durch einen neuen Eintrag im Lebenslauf überbrückt, sondern durch Übung in den richtigen Situationen. Dort, wo Englisch kein Schulfach mehr ist, sondern zu einem Arbeitsinstrument wird.