Wie Serbian Economist berichtet, könnte das Wirtschaftswachstum Serbiens im Jahr 2026 bei etwa 2,75 % liegen, doch hängt ein solches Szenario weitgehend von der weiteren Entwicklung der Krise im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf die Ölpreise sowie die allgemeine Inflationsdynamik ab.
Der Energiefaktor ist für Serbien in den letzten Tagen besonders sensibel geworden. Vor dem Hintergrund des Konflikts um den Iran stieg der Brent-Preis über 100 Dollar pro Barrel, und Versorgungsengpässe haben internationale Organisationen und Zentralbanken bereits dazu gezwungen, ihre Inflations- und Wirtschaftsprognosen zu revidieren. Der IWF warnte, dass ein anhaltender Anstieg der Energiepreise die Inflation beschleunigen und das globale Wachstum verlangsamen könnte, und die EZB hat bereits ihre Inflationsprognose für 2026 angehoben und ihre Einschätzung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone gesenkt.
Für Serbien bedeutet dies ein doppeltes Risiko – aufgrund der importierten Inflation und aufgrund der Verschlechterung der Bedingungen für die Auslandsnachfrage auf den europäischen Märkten. Die serbische Nationalbank hält ihre eigene Prognose für das BIP-Wachstum im Jahr 2026 vorerst bei 3,5 %, doch der externe Schock durch Öl und Gas macht diese Einschätzung weniger stabil, insbesondere wenn die hohen Preise länger als einige Wochen anhalten.
Zusätzlicher Druck geht vom heimischen Kraftstoffmarkt aus. Am 19. März verlängerten die serbischen Behörden das Exportverbot für Öl und Ölprodukte bis zum 2. April, ordneten die Freigabe von 40.000 Tonnen Dieselkraftstoff aus den Reserven an und senkten die Verbrauchsteuern auf Kraftstoffe um 20 %, um Engpässe und Preissprünge zu verhindern. Am nächsten Tag verlängerten auch die USA die Sanktionsaussetzung für NIS bis zum 17. April, wodurch die Ölimporte für den serbischen Markt aufrechterhalten werden konnten.
Somit bleibt das Basisszenario für die serbische Wirtschaft für 2026 vorerst positiv, hängt jedoch zunehmend nicht nur von der Binnennachfrage und den Investitionen, sondern auch von der Geopolitik ab. Sollte sich die Lage im Nahen Osten stabilisieren, könnte das Wachstum näher an den offiziellen Prognosen bleiben. Sollte sich die Energiekrise jedoch hinziehen, könnte der Druck auf Inflation, Konsum und Industrie stärker ausfallen als noch zu Jahresbeginn erwartet.