Der deutsche Außenminister Johann Wadeful hat eingeräumt, dass die deutschen Behörden der Ukraine dabei helfen könnten, in Deutschland lebende ukrainische Männer im wehrpflichtigen Alter anhand von Daten zu Anmeldung, Aufenthaltsgenehmigung und Sozialleistungsbezügen zu identifizieren.
Eine entsprechende Erklärung gab Wadeful in einem Interview mit dem stellvertretenden Chefredakteur der „Bild“, Paul Ronzheimer, ab, das am Abend des 8. September veröffentlicht wurde.
Wadeful schloss sich der Position des Vorsitzenden der Christlich-Sozialen Union, Markus Söder, an, wonach sich in Deutschland aufhaltende ukrainische Männer im wehrpflichtigen Alter in die Ukraine zurückkehren sollten.
„Wir wissen, wer hier lebt, wer beispielsweise Sozialleistungen bezieht, wer hier gemeldet ist und wer einen Aufenthaltsstatus hat“, sagte der deutsche Außenminister.
Laut Wadeful könnten sich die ukrainischen Behörden auf der Grundlage dieser Daten direkt an die in Deutschland aufhältigen Männer wenden und sie über die Notwendigkeit informieren, zum Militärdienst einberufen zu werden.
Dabei betonte der Minister ausdrücklich, dass die Rückkehr der Ukrainer in ihr Land „ohne Zwang“ erfolgen müsse.
Bislang wurde auch nicht darüber berichtet, dass die deutsche Bundesregierung einen entsprechenden Mechanismus beschlossen hätte, noch über eine Liste der zu übermittelnden Daten oder das rechtliche Verfahren für deren Weitergabe an die Ukraine.
Die Frage betrifft eine beträchtliche Anzahl von Menschen. Laut der offiziellen Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage hielten sich Ende Oktober 2025 328.363 männliche ukrainische Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren im Land auf. Dabei betonte die Regierung ausdrücklich, dass diese Statistik auch Ukrainer umfasst, die bereits vor Beginn des umfassenden Krieges in Deutschland lebten, und dass den deutschen Behörden keine Informationen darüber vorliegen, wie viele dieser Männer tatsächlich der ukrainischen Wehrpflicht unterliegen.
Deutschland ist nach wie vor das EU-Land mit der höchsten Zahl an Ukrainern, die vorübergehenden Schutz genießen. Nach Angaben von Eurostat hatten am 30. Juni 2026 1,286 Millionen Menschen diesen Status in der Bundesrepublik, was 29,2 % aller Personen aus der Ukraine entspricht, die in der Europäischen Union vorübergehenden Schutz erhalten.
Die Diskussion über Männer im wehrpflichtigen Alter in Deutschland hat in den letzten Monaten an Intensität zugenommen. Vertreter eines Teils der Regierungskoalition sprechen sich für die Schaffung wirtschaftlicher und administrativer Anreize für deren Rückkehr in die Ukraine aus. Die Äußerung von Wadeful ist jedoch einer der konkretesten Vorschläge eines hochrangigen deutschen Beamten hinsichtlich der Nutzung der dem Staat bereits vorliegenden Registrierungsdaten.
Primärquelle – Interview mit Johann Wadeful in der „Bild“ vom 8. September 2026. „Bild“ – Interview mit Johann Wadeful