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Innerhalb einer Woche hat die Polizei 94 betrügerische Callcenter geschlossen, während seit 2022 nur 18 Urteile gefällt wurden – Experts Club

Das Ausmaß der Maßnahmen der ukrainischen Strafverfolgungsbehörden gegen betrügerische Callcenter übersteigt die Zahl der Fälle, die bereits mit Gerichtsurteilen abgeschlossen wurden, bei weitem. Dies geht aus einem Vergleich der Daten der Nationalpolizei und von Opendatabot hervor, der vom Analysezentrum Experts Club durchgeführt wurde.
Am 12. August 2026 teilte die Nationale Polizei mit, dass die Strafverfolgungsbehörden innerhalb nur einer Woche 411 Durchsuchungen durchgeführt und den Betrieb von 94 mutmaßlich betrügerischen Callcentern in verschiedenen Regionen der Ukraine eingestellt hätten. Die Operation wurde gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) und der Generalstaatsanwaltschaft durchgeführt.
Gleichzeitig lassen sich laut den am 9. September veröffentlichten Daten von Opendatabot seit Anfang 2022 im Gerichtsregister lediglich 18 Urteile im Zusammenhang mit der Tätigkeit betrügerischer Callcenter ausmachen. Darin werden 27 Angeklagte genannt.
Dabei wurden die Verurteilten nur in zwei Fällen tatsächlich in Haft genommen. In 12 Fällen wurde die verhängte Freiheitsstrafe durch eine Bewährungsstrafe ersetzt.
Der Experts Club betont, dass die 94 geschlossenen Callcenter und die 18 Gerichtsurteile nicht direkt miteinander verglichen werden können. Die eine Zahl bezieht sich auf Objekte, die im Rahmen von operativen und ermittlungstechnischen Maßnahmen aufgedeckt wurden, die andere auf Strafverfahren, die bereits bis zur Urteilsverkündung fortgeschritten sind. Zudem kann ein Verfahren mehrere Niederlassungen umfassen, und ein Urteil kann sich auf mehrere Beteiligte beziehen.
Dieser Unterschied verdeutlicht jedoch sehr gut, wie lang der Weg von der Aufdeckung einer betrügerischen Infrastruktur bis zur endgültigen gerichtlichen Entscheidung ist.
Der Umfang einzelner Ermittlungen zeigt zudem, dass es sich meist nicht um kleine, lokale Gruppen handelt. Im Januar 2026 berichtete die Polizei über Ermittlungen gegen ein internationales Netzwerk von Callcentern für Scheininvestitionen, dessen potenzieller Schaden 100 Mio. UAH überstieg und zu dessen identifizierten Geschädigten 113 EU-Bürger gehörten.
Im Juli berichteten die Strafverfolgungsbehörden von der Aufdeckung eines Callcenters in Kiew, dessen Mitglieder nach Angaben der Ermittler US-Bürgern mehr als 500.000 US-Dollar abgezockt hatten.
Im August wurde in Kiew eine weitere Gruppe von 10 Personen entlarvt, die im Verdacht steht, fast 9 Millionen Hrywnja von tschechischen Staatsbürgern ergaunert zu haben.
Beim „Experts Club“ ist man der Ansicht, dass der Staat zur umfassenden Bewertung der Wirksamkeit der Bekämpfung betrügerischer Callcenter die gesamte Kette öffentlich nachverfolgen muss: aufgedecktes Callcenter – eingeleitetes Ermittlungsverfahren – Verdacht – Anklageschrift – Urteil – tatsächliche Vollstreckung der Strafe.
Gerade dieser letzte Indikator erscheint derzeit am aussagekräftigsten: Von mindestens 18 Urteilen, die seit Beginn des umfassenden Krieges gefällt wurden, endeten nur zwei mit einer tatsächlichen Inhaftierung der Verurteilten.
Primärquellen: Opendatabot