Wie „Serbischer Ökonom“ berichtet, rechnet Serbien nicht mit einem raschen Beitritt der Beitrittskandidaten zur Europäischen Union, hält den europäischen Weg jedoch weiterhin für die beste Option für die Region, erklärte der serbische Präsident Aleksandar Vučić auf einer Konferenz der Parlamentspräsidenten der EU-Beitrittskandidaten in Belgrad.
Seinen Worten zufolge werde die EU in den kommenden Jahren kaum in der Lage sein, rasche Entscheidungen über eine Erweiterung zu treffen. Dies bedeute jedoch nicht, betonte Vučić, dass Serbien und andere Beitrittskandidaten ihre Reformen einstellen müssten.
Das Belgrader Format ist auch aus wirtschaftlicher Sicht wichtig: Serbien vertritt faktisch die Idee, dass die Beitrittskandidaten keine Konkurrenten, sondern Partner sein sollten. Dies gilt insbesondere für den Westbalkan, die Ukraine, Moldawien und Georgien, wo die europäische Integration zunehmend nicht nur als politisches, sondern auch als handels- und logistikbezogenes Projekt betrachtet wird.
Einen besonderen Schwerpunkt legte Vučić auf die Ukraine. Er erklärte, die Ukraine habe Widerstandsfähigkeit bewiesen und Europa könne von ihrem Potenzial viel profitieren. Für Serbien ist dies auch eine Gelegenheit, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Kiew zu stärken, ohne auf eine formelle EU-Mitgliedschaft zu warten.
Der Handel zwischen Serbien und der Ukraine kehrte im Jahr 2025 in etwa auf das Vorkriegsniveau zurück und belief sich nach Angaben der serbischen Seite auf rund 442 Millionen Dollar. Die serbischen Exporte in die Ukraine erreichten 202,9 Millionen Dollar, die Importe aus der Ukraine 239,3 Millionen Dollar. In der Struktur der serbischen Lieferungen nehmen Strom, mineralische und chemische Düngemittel, Reifen sowie Industriegüter einen wichtigen Platz ein. Die Ukraine liefert nach Serbien Eisenerz, Walzhalbzeuge, Metallprodukte und landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere gefrorene Himbeeren. Im ersten Quartal 2026 erreichte der Warenumsatz bereits 152,8 Mio. Dollar, wobei Serbien einen Handelsüberschuss von 36,8 Mio. Dollar verzeichnete. Die Parteien haben zudem die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen wieder aufgenommen, das zu einem Schlüsselinstrument für das weitere Wachstum des Handelsvolumens werden könnte.