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Antigua und Barbuda läuft Gefahr, die Visumfreiheit mit der EU aufgrund des „Golden-Pass“-Programms zu verlieren

4 Juli , 2026  

Antigua und Barbuda könnte bis Ende 2026 die visumfreie Einreise in den Schengen-Raum verlieren, da die Europäische Union Bedenken hinsichtlich des Programms zur Erlangung der Staatsbürgerschaft durch Investitionen geäußert hat, erklärte der Premierminister des Landes, Gaston Brown. Seinen Angaben zufolge habe Brüssel vor einem möglichen Entzug der Visumbefreiung gewarnt, sollten die Bedenken der EU hinsichtlich der Sicherheit des Programms nicht ausgeräumt werden.
Es handelt sich um das „Citizenship by Investment Programme“ – ein Programm, bei dem ausländische Investoren durch eine Zahlung oder Investition die Staatsbürgerschaft von Antigua und Barbuda erwerben können. Für die Käufer solcher Pässe bleibt gerade die Mobilität der entscheidende wirtschaftliche Vorteil: Der Pass des Landes ermöglicht derzeit die kurzfristige visumfreie Einreise in den Schengen-Raum.
Brown machte dabei deutlich, dass die Regierung nicht beabsichtigt, das Programm zur Erlangung der Staatsbürgerschaft durch Investitionen selbst unter dem Druck der EU einzustellen. Für Antigua und Barbuda bleibt es eine wichtige Quelle nichtsteuerlicher Einnahmen und ein Instrument zur Entwicklungsfinanzierung. Die Behörden hoffen, die europäische Seite davon überzeugen zu können, dass zusätzliche elektronische Reisekontrollen eine Alternative zu einer vollständigen Visumpflicht darstellen können.
Der Druck auf die karibischen Programme hat sich nach der Reform des EU-Visumsystems verstärkt. Das Europäische Parlament hat im Oktober 2025 eine Aktualisierung der Vorschriften befürwortet, die eine schnellere Aussetzung der Visumfreiheit für Länder ermöglichen, die Sicherheitsrisiken darstellen oder gegen die Bedingungen der Visumliberalisierung verstoßen. Zu einer eigenen Kategorie solcher Risiken gehören faktisch die „Golden-Passport“-Programme.
Die Europäische Kommission hat in ihrem achten Bericht über den Mechanismus zur Aussetzung der Visumfreiheit ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Tätigkeit von Investitionsprogrammen zur Erlangung der Staatsbürgerschaft in visumfreien Ländern ein „nicht vernachlässigbares Risiko“ für den Schengen-Raum darstellt. Obwohl die Länder der östlichen Karibik die Mindestinvestitionsschwelle bereits auf 200.000 US-Dollar angehoben und die Überprüfungen der Antragsteller verschärft haben, betrachtet Brüssel die Situation weiterhin als problematisch.
Für den Markt der Investitionsmigration ist dies ein alarmierendes Signal. Vanuatu ist bereits das erste Beispiel für ein Land, das aufgrund von „Goldenen Pässen“ den visumfreien Zugang zur EU verloren hat: Die Europäische Union hat das Abkommen über visumfreies Reisen mit diesem Pazifikstaat im Dezember 2024 endgültig gekündigt, nachdem die Regelung bereits 2022 ausgesetzt worden war.
Antigua und Barbuda sah sich bereits ähnlichem Druck seitens der USA ausgesetzt. Anfang 2026 setzte Washington die Visabearbeitung für Staatsangehörige des Landes aus und begründete dies mit der Befürchtung, dass das Programm zur Erlangung der Staatsbürgerschaft durch Investitionen von kriminellen Strukturen genutzt werden könnte, um Zugang zu den USA zu erhalten.
Sollte die EU tatsächlich eine Visumpflicht einführen, würde der Wert des Passes von Antigua und Barbuda für ausländische Investoren drastisch sinken. Für die kleinen Inselstaaten der Karibik könnte dies nicht nur einen Rückgang der Nachfrage nach CBI-Programmen bedeuten, sondern auch eine Überarbeitung des gesamten Modells der Kapitalbeschaffung durch den Verkauf von Staatsbürgerschaften.
Für Investoren wird die Schlussfolgerung immer offensichtlicher: Ein „Goldpass“ ohne dauerhaften visumfreien Zugang zur EU verwandelt sich von einem Instrument der Mobilität in einen weitaus riskanteren Vermögenswert. Die europäische Politik verschiebt sich allmählich von einer Toleranz gegenüber der Staatsbürgerschaft durch Investition hin zu einer direkten Kontrolle und einer möglichen Aufhebung der Visumvorteile.

 

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