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In Istanbul werden jedes Jahr 10.000 Gebäude aufgrund der Erdbebengefahr abgerissen und neu gebaut

21 August , 2026  

In Istanbul werden jedes Jahr etwa 10.000 potenziell gefährliche Gebäude im Rahmen eines groß angelegten Programms zur Erneuerung des Wohnungsbestands abgerissen und neu errichtet, das von den Behörden aufgrund des hohen Risikos eines starken Erdbebens in der Region des Marmarameers vorangetrieben wird.

Wie die türkische Zeitung „Hürriyet Daily News“ unter Berufung auf offizielle Daten und Einschätzungen von Stadtplanungsexperten berichtete, entfällt etwa die Hälfte aller Projekte zum Abriss und Wiederaufbau baufälliger Gebäude in der Türkei auf Istanbul. Landesweit werden jährlich etwa 20.000 solcher Objekte abgerissen.

Ein besonders umfangreiches Programm läuft in Istanbul selbst, wo über 15 Millionen Menschen leben. Nach Schätzungen der türkischen Behörden gehören etwa 1,5 Millionen eigenständige Wohn- und Gewerbeobjekte in der Stadt zur Risikogruppe, wobei etwa 600.000 eine dringende Sanierung benötigen.

Das Tempo der Stadterneuerung hat deutlich zugenommen. Nach Angaben der Anadolu Agency vom 25. Juli 2026 wurden in Istanbul seit der Verabschiedung des Gesetzes zur städtischen Transformation in der Türkei im Jahr 2012 mehr als 1,274 Millionen eigenständige Immobilienobjekte in das Sanierungsprogramm aufgenommen. Der Bau von 998.000 davon ist bereits abgeschlossen, weitere über 276.000 Objekte werden derzeit in allen 39 Stadtbezirken saniert.

Eines der wichtigsten Instrumente zur Beschleunigung der Sanierung ist das staatliche Programm „Yarısı Bizden“ – „Die Hälfte geht auf unsere Kosten“. Eigentümern von Wohnungen in als baufällig eingestuften Gebäuden gewährt der Staat einen Zuschuss in Höhe von 875.000 türkischen Lira, ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von 875.000 Lira sowie eine Umzugshilfe von 125.000 Lira. Das gesamte Förderpaket für eine Wohnimmobilie kann somit bis zu 1,875 Millionen Lira betragen.

Das Programm läuft bis zum 31. Dezember 2026. Im Februar haben die Behörden die Bedingungen zusätzlich gelockert: Alle Eigentümer von Wohn- und Gewerbeimmobilien in Istanbul, deren Gebäude bis zu diesem Datum offiziell als risikobehaftet eingestuft werden, können die staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen. Somit gilt das Programm insbesondere auch für Objekte, die diesen Status in den Jahren 2025–2026 erhalten haben.

Vor diesem Hintergrund beschleunigen die Eigentümer die Einreichung ihrer Anträge, und in fast allen Stadtteilen der Metropole laufen Bau- und Abrissarbeiten. Alte fünf- bis achtstöckige Häuser werden nach und nach durch neue Gebäude ersetzt, die gemäß den modernen Anforderungen an die Erdbebensicherheit entworfen wurden. Dabei warnen Vertreter der Baubranche, dass die Beschleunigung des Abrisses nicht auf Kosten der Sicherheit der Bewohner und der Umweltanforderungen erfolgen darf.

Das Erdbebenrisiko für Istanbul bleibt einer der entscheidenden Faktoren der Stadtpolitik.

Im offiziellen Szenario der Stadtverwaltung von Istanbul für den Fall eines Erdbebens der Stärke 7,5 wird davon ausgegangen, dass etwa 48.000 Gebäude schwere oder sehr schwere Schäden erleiden könnten, während die Zahl der Gebäude mit mittleren und schwereren Schäden bis zu 194.000 erreichen könnte.

Somit hängt der derzeitige Bauboom in Istanbul nicht nur mit der Entwicklung des Immobilienmarktes zusammen, sondern vor allem mit dem Versuch der Behörden, den Ersatz des am stärksten gefährdeten Wohnungsbestands noch vor einem möglichen schweren Erdbeben zu beschleunigen.

 

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