Wie Fixygen berichtet, wird der Kryptowährungsmarkt in der zweiten Septemberhälfte vor allem von den Entscheidungen der größten Zentralbanken, den US-Statistiken zur Verbrauchernachfrage und zur Inflation sowie dem umfangreichen vierteljährlichen Verfall von Optionen auf Bitcoin und Ethereum beeinflusst werden.
Das wichtigste Ereignis wird die Sitzung der US-Notenbank (Federal Reserve) am 15. und 16. September sein. Die Entscheidung über den Leitzins wird am 16. September bekannt gegeben. Diese Sitzung ist besonders wichtig, da die Fed zusammen mit ihrer Entscheidung aktualisierte Wirtschaftsprognosen und den sogenannten „Dot Plot“ veröffentlichen wird – die Erwartungen der Mitglieder der Notenbank hinsichtlich des künftigen Zinsverlaufs.
Die Spannung rund um die Sitzung hat sich nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten für August deutlich verstärkt. Die Verbraucherpreise in den USA stiegen um 0,4 % im Monatsvergleich und um 3,4 % im Jahresvergleich, die Kerninflation lag bei 0,3 % im Monatsvergleich und 2,4 % im Jahresvergleich. Am Tag zuvor hatte der Erzeugerpreisindex (PPI) einen Anstieg um 0,4 % im Monatsvergleich und gleich um 5,4 % im Jahresvergleich verzeichnet.
Vor diesem Hintergrund schraubte der Markt seine Erwartungen hinsichtlich einer Zinserhöhung der Fed um 25 Basispunkte deutlich nach oben. Im Laufe des 11. September schätzten die Terminkontrakte die Wahrscheinlichkeit einer solchen Entscheidung auf etwa 82–87 %, während die Konsensprognose der Reuters-Ökonomen noch wenige Tage vor der Veröffentlichung des Verbraucherpreisindexes davon ausging, dass der Leitzins auf dem Niveau von 3,50–3,75 % beibehalten würde.
Für Kryptowährungen ist eine Zinserhöhung traditionell ein ungünstiger Faktor: Sie erhöht die Rendite von Dollar-Anlagen, verteuert das Fremdkapital und verringert die Risikobereitschaft der Anleger. Die Reaktion von Bitcoin wird jedoch nicht nur von der Entscheidung selbst abhängen, sondern auch von den Kommentaren der Fed. Sollte die Zentralbank zu verstehen geben, dass die Anhebung im September eine einmalige Maßnahme ist, könnte der Markt dies deutlich gelassener aufnehmen als das Signal für den Beginn eines neuen Zyklus der Geldverknappung.
Besondere Bedeutung vor der Sitzung werden die Daten zu den US-Einzelhandelsumsätzen im August erhalten, die ebenfalls am 16. September veröffentlicht werden. Im Juli war dieser Indikator zum ersten Mal seit neun Monaten gesunken. Eine starke Erholung des Konsums könnte die Argumente für hohe Zinsen untermauern, während schwache Umsätze die Befürchtungen der Anleger hinsichtlich einer weiteren Straffung der Geldpolitik etwas dämpfen könnten. Das Veröffentlichungsdatum wird vom US-Volkszählungsamt bestätigt. (
Am selben Tag wird das BLS die Import- und Exportpreisindizes für August veröffentlichen. Normalerweise hat dieser Indikator einen deutlich geringeren Einfluss auf den Markt als der Verbraucherpreisindex (CPI), doch in der aktuellen Situation werden die Anleger aufmerksam auf Anzeichen dafür achten, ob sich die hohen Preise für Energieträger und Importgüter auf die US-Inflation auswirken.
Ein weiterer wichtiger Faktor wird die Bank of Japan sein. Ihre Sitzung findet am 17. und 18. September statt. Laut einer Reuters-Umfrage wird die Zentralbank den Leitzins voraussichtlich um 25 Basispunkte auf 1,25 % anheben – den höchsten Stand seit 31 Jahren.
Für Bitcoin ist die Entscheidung der japanischen Zentralbank aufgrund des Carry-Trade-Mechanismus von Bedeutung. Seit vielen Jahren nehmen Investoren günstige Yen auf und investieren diese in renditestärkere und risikoreichere Anlagen. Steigende Zinsen in Japan und eine Festigung des Yen machen solche Strategien weniger attraktiv und könnten zu einer Reduzierung der mit Fremdkapital finanzierten Positionen auf den globalen Märkten führen, einschließlich der Kryptowährungen. Befürchtungen hinsichtlich einer Abwicklung des Yen-Carry-Trade waren bereits mehrfach Ursache für erhöhte Volatilität bei risikoreichen Anlagen.
Eine weitere potenzielle Quelle für starke Schwankungen wird der 25. September sein, an dem auf Deribit ein großer vierteljährlicher Verfallstag für Kryptowährungsoptionen stattfindet. Nach Berechnungen auf Basis des offenen Interesses an der Börse zum Stand vom 9. September entfielen auf dieses Datum etwa 14,4 Mrd. US-Dollar an Bitcoin-Optionen und weitere rund 1,8 Mrd. US-Dollar an Ethereum-Optionen. Etwa 41,5 % des gesamten Open Interest an Bitcoin-Optionen konzentrierten sich speziell auf den Verfall im September.
Der Verfallstag an sich bestimmt zwar nicht die Richtung des Marktes, doch ein derart großes Volumen an Kontrakten kann die kurzfristige Volatilität erhöhen. Eine in der Septemberausgabe von „Finance Research Letters“ veröffentlichte Studie weist zudem auf statistisch signifikante intraday-Trendwenden bei Bitcoin während der Optionsverfallstage hin, insbesondere bei Vorhandensein großer Positionen von Market-Makern.
Am 29. September wird der JOLTS-Bericht für August zur Zahl der offenen Stellen in den USA veröffentlicht. Nach dem starken Beschäftigungsbericht vom August, wonach die US-Wirtschaft 162.000 Arbeitsplätze geschaffen hat und die Arbeitslosenquote bei 4,1 % lag, wurde die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu einem weiteren Argument für Befürworter einer strafferen Politik der Fed. Ein unerwartet hohes Angebot an offenen Stellen könnte durch steigende Renditen amerikanischer Anleihen erneut Druck auf Bitcoin ausüben.
Die wichtigste Statistik nach der Sitzung der Fed wird jedoch am 30. September veröffentlicht. Das US-Amt für Wirtschaftsanalyse wird gleichzeitig die dritte Schätzung des BIP für das zweite Quartal sowie Daten zu den persönlichen Einkommen und Ausgaben der Amerikaner im August veröffentlichen. Genau dieser Bericht enthält den PCE-Preisindex – den wichtigsten Inflationsindikator, an dem sich die Fed orientiert.
Sollte der PCE nach dem CPI und dem PPI einen Anstieg des Inflationsdrucks anzeigen, könnten sich die Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen bis zum Jahresende verstärken. Für Bitcoin würde ein solches Szenario bedeuten, dass der Druck durch hohe Anleiherenditen und einen starken Dollar anhält. Ein schwächerer PCE hingegen könnte die Erwartungen hinsichtlich eines Endes der straffen Geldpolitik wieder auf den Markt bringen.
Erschwert wird die Situation durch den Anstieg des Ölpreises. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen näherte sich am 11. September der 5-Prozent-Marke – dem höchsten Stand seit 2023 –, da der teure Ölpreis die Befürchtungen vor einer neuen Inflationswelle verstärkte.
Zudem hat die Europäische Zentralbank am 10. September bereits die Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben: Der Einlagensatz wird ab dem 16. September bei 2,50 % liegen. Die EZB hat diese Entscheidung ausdrücklich mit dem anhaltenden Inflationsdruck in Verbindung gebracht, insbesondere aufgrund des Konflikts im Nahen Osten und der steigenden Energiepreise.
Somit stellt die zweite Septemberhälfte für den Kryptomarkt eine Phase erhöhten makroökonomischen Risikos dar. Innerhalb von zwei Wochen werden die Anleger nacheinander die Entscheidung der Fed, eine mögliche Zinserhöhung durch die Bank of Japan, eine große vierteljährliche Fälligkeit von Krypto-Optionen, Daten zum US-Arbeitsmarkt sowie den wichtigen PCE-Inflationsindex zu verdauen haben.
Im Basisszenario bleibt der Preis der globalen Liquidität der wichtigste Faktor für Bitcoin. Sollten die Fed und die Bank of Japan gleichzeitig ihre Geldpolitik straffen und die Inflation in den USA hoch bleiben, könnte der Druck auf risikoreiche Anlagen anhalten. Sollte die Fed hingegen signalisieren, dass sich der Zinserhöhungszyklus dem Ende nähert, und der PCE eine Verlangsamung des Preisanstiegs zeigen, könnte der Markt Ende September Anlass zu einer Erholung erhalten.
Ein entscheidender Anhaltspunkt nach jeder Datenveröffentlichung wird nicht nur der Indikator selbst sein, sondern auch die Reaktion der Renditen amerikanischer Staatsanleihen und des Dollars: Sollten diese weiter steigen, wird es für Kryptowährungen schwieriger, ihre Positionen wieder zu festigen, während sinkende Renditen und ein schwächerer Dollar Kapital zurück in Bitcoin, Ethereum und andere risikoreiche Anlagen lenken könnten.