Die Ukraine hat etwa 15 % der Reformen aus dem 10-Punkte-Plan umgesetzt, der im Rahmen der Vorbereitungen für die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union vereinbart wurde, berichtet The Guardian unter Berufung auf eine Einschätzung von EU-Beamten.
Nach Angaben der Zeitung wurde der Plan im Dezember zwischen der EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten der Ukraine, Taras Kachka, vereinbart. Er umfasst vorrangige Maßnahmen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung, Justiz und Staatsanwaltschaft.
Insbesondere sieht das Programm Maßnahmen zur Stärkung der Unabhängigkeit des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine (NABU) und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) vor, sowie die Verabschiedung einer Antikorruptionsstrategie und Reformen der Verfahren zur Ernennung von Richtern und Staatsanwälten.
The Guardian merkt an, dass europäische Beamte die Reformbemühungen der Ukraine und Moldawiens unter schwierigen Umständen anerkennen, im Falle der Ukraine geht diese Bewertung jedoch mit Enttäuschung einher, da die vereinbarten Prioritäten nicht schnell genug umgesetzt werden.
Die Veröffentlichung erschien vor dem Hintergrund des Beginns der ersten Verhandlungsphase der Ukraine und Moldawiens über den EU-Beitritt. Diese Phase betrifft den sogenannten ersten Verhandlungskluster – Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der Demokratie, der Funktionsweise der Institutionen und grundlegender Reformen.
Für die Ukraine sind diese Bereiche von zentraler Bedeutung, da ohne Fortschritte in den Bereichen Korruptionsbekämpfung und Justiz ein weiteres Vorankommen in den Verhandlungskluster erschwert wird. Die EU betrachtet traditionell die Unabhängigkeit der Antikorruptionsbehörden sowie die Qualität der Staatsanwaltschaft und des Justizsystems als Grundlage für alle weiteren Reformen.
Die Ukraine reichte im Februar 2022 nach Beginn der umfassenden russischen Invasion einen Antrag auf EU-Beitritt ein. Im Juni 2022 erhielt das Land den Kandidatenstatus, und 2024 nahm die EU die Beitrittsverhandlungen offiziell auf. Der praktische Fortschritt bei den Verhandlungen hängt jedoch von der Umsetzung der Reformen und der einstimmigen Unterstützung aller EU-Mitgliedstaaten ab.
The Guardian schreibt, dass der EU-Beitritt von einem Beitrittskandidaten die Übernahme tausender europäischer Gesetze und Beschlüsse sowie die Zustimmung aller derzeitigen EU-Mitglieder erfordert. Daher kann der Integrationsprozess selbst bei politischer Unterstützung der Ukraine Jahre dauern.
Originalquelle: The Guardian – „Ukraine and Moldova to enter first phase of EU membership negotiations“.