Wie der Serbische Ökonom berichtet, hat die Ukraine die Verhandlungen mit Serbien über die Schaffung einer Freihandelszone wieder aufgenommen, da das derzeitige Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern vergleichsweise gering ist. Dies erklärte der ukrainische Botschafter in Serbien, Alexander Litvinenko, in einem Interview mit der Agentur „Interfax-Ukraine“. Seinen Worten zufolge könnte die Freihandelszone die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen beleben und sich gleichzeitig organisch in die europäische Integration beider Länder einfügen. Als vielversprechende Bereiche nannte der Diplomat den Maschinenbau, vor allem die Landtechnik.
Für den „Serbischen Ökonomen“ ist in dieser Geschichte nicht nur das politische Signal wichtig, sondern auch die nackte Arithmetik. Nach offiziellen Angaben des serbischen Statistikamtes beliefen sich die serbischen Exporte in die Ukraine im Jahr 2025 auf 179,6 Millionen Euro, die Importe aus der Ukraine auf 212,2 Millionen Euro, und der gesamte Warenumsatz erreichte etwa 391,8 Millionen Euro. Dabei beträgt der Anteil der Ukraine an den serbischen Exporten und Importen weiterhin nur etwa 0,5 %, was die These vom bislang noch begrenzten Handelsvolumen tatsächlich bestätigt.
Die derzeitige Handelspalette zwischen den Ländern erscheint bislang recht schmal und besteht größtenteils aus Rohstoffen. Nach Angaben der ukrainischen Botschaft in Serbien sind die wichtigsten ukrainischen Exportgüter nach Serbien Eisenerz und Eisenmetalle, Holz und Holzprodukte sowie Kunststoffe und Polymermaterialien. Detailliertere Produktstatistiken zeigen, dass zu den größten ukrainischen Lieferungen nach Serbien Eisenerz im Wert von 61,6 Mio. USD, warmgewalzte Eisenprodukte im Wert von 11,9 Mio. USD und Eisenhalbzeuge im Wert von 8,92 Mio. USD gehörten.
Von serbischer Seite werden derzeit hauptsächlich Düngemittel, Kunststoffe und Polymermaterialien, elektrische Maschinen, Eisenmetalle, Seife und Gummi in die Ukraine geliefert.
Betrachtet man die möglichen Auswirkungen der Freihandelszone bereits in der praktischen Anwendung, so erscheint eine Ausweitung des Handels in jenen Nischen am logischsten, in denen eine Seite der anderen entweder günstigere oder knappere Waren anbieten kann. Für die Ukraine könnten dies neben den bereits nach Serbien exportierten Metall- und Rohstoffprodukten landwirtschaftliche Maschinen, bestimmte Arten von Metallwaren, Holzverarbeitungsprodukte, Lebensmittel mit Mehrwert und Nischenkonsumgüter sein.
Für Serbien könnten im Falle eines Freihandelsabkommens Düngemittel, Polymere, Elektrotechnik, Pharmazeutika, Gummiprodukte, Reifen und Autokomponenten potenziell die interessantesten Waren auf dem ukrainischen Markt sein. Mit anderen Worten: Ein Freihandelsabkommen könnte theoretisch den Handel von einem engen Rohstoffaustausch hin zu einer größeren Anzahl verarbeiteter Waren auf beiden Seiten verlagern.
Ein gesondertes heikles Thema ist der Status Serbiens in der WTO. Serbien ist bis heute kein Mitglied der Welthandelsorganisation. Der jüngste Bericht der Europäischen Kommission zu Serbien stellt ausdrücklich fest, dass der Prozess vor allem aufgrund des Fehlens eines WTO-konformen Gesetzes zu GVO und aufgrund unvollendeter Verhandlungen über den Marktzugang mit einer kleinen Anzahl von WTO-Mitgliedern ins Stocken geraten ist. Belgrad hat einen Teil der bilateralen Verhandlungen im Rahmen des WTO-Beitritts nicht abgeschlossen, und in älteren serbischen Dokumenten wurden die Ukraine, Brasilien, Russland und die USA als problematische Partner genannt.
https://t.me/relocationrs/2646