Wie das Projekt Interfax-Ukraine Kultur berichtet, kann künstliche Intelligenz ein nützlicher Helfer für Autoren, Studenten und Forscher sein, ist jedoch nicht in der Lage, einen Schriftsteller zu ersetzen, da ihm eigene Lebenserfahrung fehlt, meint Rostyslaw Semkiv, Direktor des Verlags „Smoloskyp“. Dies teilte er in einem Interview mit der Agentur „Interfax-Ukraine“ mit.
„Ich stehe der künstlichen Intelligenz in etwa genauso gegenüber wie der Kernenergie. Man kann sie zum Guten nutzen, aber auch zum Schlechten. Es hängt alles davon ab, wie der Mensch dieses Instrument einsetzt“, sagte Semkiv.
Seinen Worten zufolge kann KI dabei helfen, Quellen zu finden, Informationen zu strukturieren, Literatur auszuwählen und die Logik von Texten zu verbessern – so wie es früher Dozenten, Lektoren oder wissenschaftliche Betreuer taten.
Gleichzeitig warnte er davor, kreative und intellektuelle Arbeit vollständig auf Algorithmen zu verlagern.
„Als Hilfsmittel ist es ein wunderbares Werkzeug. Als Ersatz für das eigene Denken ist es eine schlechte Idee“, betonte Semkiv.
Er wies zudem darauf hin, dass künstliche Intelligenz nach wie vor häufig Fehler macht, insbesondere wenn es um ukrainische Literatur oder hochspezialisierte Themen geht, und manchmal sogar Fakten erfindet, die es gar nicht gibt.
In seinem Kommentar zum Erscheinen von Büchern, die mit Hilfe von KI verfasst wurden, merkte Semkiv an, dass es immer schwieriger werde, solche Texte allein anhand formaler Merkmale zu unterscheiden. Der Hauptunterschied liege seiner Meinung nach jedoch woanders.
„Literatur ist in erster Linie die Vermittlung von Erfahrungen. Der Mensch schreibt auf der Grundlage seines eigenen Lebens, seiner Beobachtungen und Erfahrungen. Künstliche Intelligenz verfügt nicht über solche Erfahrungen“, sagte er.
Laut Semkiv überträgt ein Schriftsteller stets seinen eigenen Lebenskontext, seine Emotionen und Beobachtungen in den Text, während künstliche Intelligenz lediglich eine riesige Menge bereits vorhandener Texte verallgemeinert.
„Echte Literatur ist immer der Versuch, sich selbst, sein Umfeld, seinen Kontext und die eigene Geschichte zum Ausdruck zu bringen. Und genau darin hat künstliche Intelligenz sehr gravierende Einschränkungen“, fasste Semkiv zusammen.
Wie bereits berichtet, ist Rostyslaw Semkiv, Direktor des Verlags „Smoloskyp“, der Ansicht, dass sich ukrainische Bibliotheken zu modernen Kulturzentren der Gemeinden wandeln sollten, dass die Welt sich durch die Literatur zunehmend für die Ukraine interessiert und dass der umfassende Krieg bereits eine neue Generation ukrainischer Schriftsteller hervorgebracht hat. Außerdem erklärte er, dass der ukrainische Buchmarkt trotz des Krieges weiter wächst und Hörbücher zu einem der Treiber seiner Entwicklung werden könnten. Darüber hinaus wurde im Juni aufgrund eines Unfalls im Fernwärmenetz das Gebäude des Verlags „Smoloskyp“ in Kiew überflutet, wodurch etwa 30 % des Buchbestands beschädigt wurden.