Business news from Ukraine

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Fluggesellschaften stehen vor einem Treibstoffschock: Europa kann zwar eine Kerosinverknappung vermeiden, bereitet sich jedoch auf steigende Flugpreise vor

Wie Experts.new berichtet, sieht sich die weltweite Luftfahrt im Jahr 2026 mit einer neuen Treibstoffkrise konfrontiert: Der starke Anstieg der Preise für Flugkerosin, Lieferengpässe aufgrund des Konflikts um den Iran und logistische Risiken im Nahen Osten zwingen die Fluggesellschaften dazu, ihre Flugpläne zu überarbeiten, unrentable Flüge zu streichen und sich auf Preiserhöhungen vorzubereiten.

Auslöser für eine neue Diskussionswelle war ein Bericht des deutschen „Spiegel“, wonach die Lufthansa angeblich vorhabe, den Betrieb von bis zu 40 Flugzeugen wegen Treibstoffmangels auszusetzen. Später zog das Magazin den Bericht jedoch zurück, und die Lufthansa erklärte gegenüber Reuters, die Informationen seien unrichtig und beruhten wahrscheinlich auf einer veralteten Aufzeichnung einer internen Veranstaltung. Laut Reuters räumte der „Spiegel“ ein, veraltete Informationen verwendet zu haben.

Das Problem des Drucks auf den Luftverkehrsmarkt durch die Treibstoffpreise bleibt jedoch weiterhin aktuell. Bereits im Frühjahr hatte die Lufthansa tatsächlich Krisenszenarien geprüft, darunter eine Reduzierung der Kapazität um 2,5–5 % sowie die mögliche vorübergehende Stilllegung von 20–40 weniger effizienten Flugzeugen. Dabei handelte es sich nicht um eine sofortige Entscheidung, sondern um ein Maßnahmenpaket für den Fall einer Verschlechterung der Situation hinsichtlich der Preise und der Verfügbarkeit von Kerosin.

Der größte Schlag für die Branche betraf die Treibstoffkosten. Der Internationale Luftverkehrsverband IATA senkte im Juni seine Gewinnprognose für die weltweite Luftfahrtbranche für das Jahr 2026 fast um die Hälfte – auf 23 Mrd. US-Dollar. Nach Schätzungen der IATA könnten die Treibstoffkosten der Fluggesellschaften in diesem Jahr auf 350 Mrd. US-Dollar steigen, und der Anteil des Treibstoffs an den Betriebskosten könnte auf 31,4 % steigen, gegenüber 25,4 % im Vorjahr.

Für die Luftfahrt ist dies kritisch: Treibstoff ist traditionell einer der größten Kostenfaktoren, und ein starker Preisanstieg lässt einen Teil der Strecken schnell unrentabel werden. Besonders anfällig sind kurze europäische Flüge, Regionalverbindungen, ältere Flugzeuge mit hohem Treibstoffverbrauch sowie Fluggesellschaften mit begrenzten Absicherungsmöglichkeiten.

Die Europäische Kommission erklärte Anfang Juni, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Anzeichen für eine Knappheit an Flugkraftstoff in Europa gebe. Dabei räumte man in Brüssel ein, dass regionale Flughäfen am anfälligsten sein könnten und das Hauptrisiko für die Passagiere nicht in einem physischen Mangel an Kerosin liege, sondern in steigenden Ticketpreisen.

Große Fluggesellschaften reagieren bereits auf die Situation. Europäische Fluggesellschaften warnen davor, dass sich der Anstieg der Kerosinkosten stärker auf die Flugpreise auswirken wird, sobald die alten Kraftstoff-Hedges auslaufen. Einige Unternehmen reduzieren ihre Flüge, überarbeiten ihre Flugpläne, streichen weniger rentable Strecken und beschleunigen die Ausmusterung alter Flugzeuge.

Lufthansa kündigte im Frühjahr eine Reduzierung eines Teils ihres Kurzstreckenprogramms an, und auch andere europäische Fluggesellschaften warnten vor dem Risiko von Flugpreiserhöhungen. In den USA stiegen die Treibstoffkosten der großen Fluggesellschaften nach Angaben des Verkehrsministeriums im März drastisch an: Innerhalb eines Monats erhöhten sie sich um 1,8 Mrd. US-Dollar bzw. um 56 %.

Auf globaler Ebene wird die Situation durch mehrere Faktoren gleichzeitig verschärft. Der Konflikt um den Iran hat die Risiken für Lieferungen über den Nahen Osten erhöht, die Schließung oder Einschränkung von Luftkorridoren hat die Streckenlängen und den Treibstoffverbrauch erhöht, und Störungen in der Seelogistik entlang strategischer Routen haben die Kosten für die Lieferung von Öl und Ölprodukten in die Höhe getrieben.

Ein weiterer Faktor für Europa sind die Auseinandersetzungen um die künftigen EU-Vorschriften zu Methanemissionen beim Import von Öl und Gas. Deutschland, Italien, die Niederlande, Tschechien und eine Reihe weiterer Länder sprechen sich für eine Verschiebung eines Teils der Anforderungen aus und warnen davor, dass die neuen Vorschriften ab 2027 nicht nur den Import von Gas, sondern auch von Erdölprodukten, insbesondere von Flugkerosin, erschweren könnten.

Somit gibt es auf dem europäischen Markt bislang zwar keinen nachgewiesenen systemischen Kerosinmangel, doch lassen sich drei beständige Trends beobachten: Flugkraftstoff ist deutlich teurer geworden, Fluggesellschaften streichen unrentable Strecken und bereiten sich darauf vor, einen Teil der Kosten auf die Passagiere abzuwälzen.

Für die Passagiere bedeutet dies, dass Flugtickets auf bestimmten Strecken teurer werden könnten, insbesondere auf Langstreckenflügen und Strecken mit geringer Auslastung. Für die Fluggesellschaften bedeutet dies, dass die Effizienz der Flotte wieder zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird. Ältere Flugzeuge, die bei niedrigen Treibstoffpreisen noch rentabel waren, werden angesichts teurer Kerosinpreise schnell unwirtschaftlich.

Im Jahr 2026 durchläuft der Luftverkehrsmarkt im Grunde einen neuen Stresstest nach der Pandemie: Die Nachfrage nach Flügen bleibt bestehen, doch die Rentabilität der Strecken verschlechtert sich. Daher ist der wichtigste Trend der kommenden Monate nicht der Stillstand der Luftfahrt, sondern ein teureres und selektiveres Streckennetz, in dem die Fluggesellschaften nur jene Strecken beibehalten werden, die dem Druck durch Treibstoffkosten, Nachfrage und Betriebskosten standhalten.

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