Ausgabe Nr. 2 – Mai 2026
Analyse der aktuellen Lage auf dem Devisenmarkt der Ukraine
Im Laufe des Monats Mai bewegte sich der Hrywnja-Kurs langsam auf einem Abwertungskurs, doch verlor die Hrywnja so allmählich an Wert, dass sich auf dem Markt faktisch ein relativ stabiles Gleichgewicht bildete. Die Nachfrage stieg nicht merklich an, und auf dem Interbankenmarkt fungiert die NBU nach wie vor als zentraler Market Maker, der durch Interventionen Devisen anbietet.
Trotz fehlender Panikstimmung und einer nicht übermäßigen Nachfrage nach Devisen erreicht die Griwna neue Höchststände – der Kurs hat die Schwelle von 44,2 UAH/USD überschritten. Es gibt Anzeichen dafür, dass in nächster Zeit nicht mit einer Erholung zu rechnen ist. Um den Staatshaushalt zu decken, muss die Regierung die von Partnern und Gebern erhaltene Finanzhilfe sowie Kredittranchen von Euro und Dollar in Hrywnja umtauschen, was automatisch zur Schwächung der Hrywnja beiträgt. Gegen die Hrywnja wirkte sich auch die Aufwertung des Dollars auf dem globalen Markt aus: Investoren suchen nach Möglichkeiten, gerade in Dollar-Anlagen zu investieren, insbesondere in US-Staatsanleihen, was das Vertrauen in die amerikanische Währung stärkt, deren Kurs sich trotz negativer außenpolitischer Ereignisse im Zusammenhang mit dem Ausbleiben eines Friedensabkommens zwischen Washington und Teheran festigt. Die weitere Kursentwicklung der Griwna hängt von der Nachfrage nach der Währung im Inland, dem Stand der internationalen Reserven der NBU, dem Bedarf des Finanzministeriums an neuen Emissionen von Staatsanleihen sowie von den Kursschwankungen des Dollars gegenüber dem Euro auf dem globalen Markt und der weltweiten Ölpreisentwicklung ab.
Globaler Kontext
Die US-Notenbank, die bei ihrer Sitzung im April beschlossen hatte, den Leitzins unverändert zu lassen, steht derzeit vor dem Dilemma, den Inflationsschub einzudämmen. Laut Neil Kashkari, Präsident der Federal Reserve Bank von Minneapolis, bleibt die Senkung der Inflation in den USA weiterhin oberste Priorität, da die Inflation über dem Zielwert der Federal Reserve von 2 % liegt. Er betonte jedoch, dass die US-Notenbank weiterhin einen „ausgewogenen Ansatz“ bei ihrem doppelten Mandat der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verfolgen werde. Tatsächlich bedeutet dies eine mögliche Entscheidung der Fed über eine Zinserhöhung bereits bei der Sitzung des FOMC im Juni.
Der Krieg im Iran bleibt der wichtigste Einflussfaktor auf die US-Wirtschaft. Zu konkreten Verhandlungen sind die Parteien nicht gekommen. Ende Mai führten die USA neue Angriffe im Iran durch. Als Reaktion darauf griff der Iran einen US-Luftwaffenstützpunkt in Kuwait an. US-Präsident Donald Trump erklärte, dass das Land einen Angriff auf Oman durchführen könnte, da dieser zusammen mit dem Iran versuche, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu erlangen. Trump fordert uneingeschränkte Freiheit der Schifffahrt durch die Meerenge und droht mit einem groß angelegten Angriff auf Oman.
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten spiegeln sich in den Schwankungen der Ölpreise wider. Ende Mai stieg der Preis für Brent-Öl um mehr als 2 % auf etwa 95 Dollar pro Barrel, und der Preis für WTI-Öl stieg ebenfalls um mehr als 2 % auf 91 Dollar pro Barrel. Der Preisanstieg erfolgte, nachdem die USA neue Angriffe auf den Iran durchgeführt hatten, die sich gegen eine militärische Anlage in Bandar Abbas, einer strategisch wichtigen Hafenstadt, richteten.
Unterdessen festigt sich der US-Dollar im Mai gegenüber dem Euro deutlich. Während der Dollar zu Monatsbeginn bei 1,1779 USD/EUR notierte, lag er Ende Mai bei 1,1636 USD/EUR. Ende Mai zeigte der DXY-Index einen Anstieg des US-Dollar-Kurses um 0,72 % im letzten Monat an. Unterstützung erhält der Dollar durch die nach wie vor recht hohen Zinssätze für US-Staatsanleihen sowie durch die Hoffnungen der Anleger auf eine Beilegung des Konflikts im Nahen Osten.
Innerer ukrainischer Kontext
Im Mai war auf dem ukrainischen Devisenmarkt ein moderater Rückgang der Nachfrage nach Fremdwährungen zu verzeichnen. Der durchschnittliche wöchentliche Devisenverkauf am Interbankenmarkt belief sich im April auf 817 Mio. USD, in den ersten drei Maiwochen auf 745 Mio. USD. Im April verkaufte die NBU im Rahmen von Interventionen 4,08 Mrd. USD, in den ersten drei Maiwochen 2,23 Mrd. USD. Der Kurs der Griwna bewegte sich seit Anfang Mai sanft in Richtung einer Abwertung; während sich der Kurs in der ersten Maihälfte bei 43,96 UAH pro Dollar stabilisierte, tendierte er in der letzten Mai-Dekade eher nach unten, und zum 29. Mai lag der offizielle Kurs der NBU bei 44,26 UAH/USD. Der Bargeldmarkt in der Ukraine stand im Mai ebenfalls unter dem Einfluss einer nachlassenden Nachfrage; offizielle Daten zu Verkaufs- und Kaufvolumina sowie zum Saldo auf dem Bargeldmarkt sollen Anfang Juni veröffentlicht werden, doch vorläufig sind dort keine Überraschungen zu erwarten – wahrscheinlich handelt es sich um einen Trend zu steigenden Devisenverkäufen und nicht zu Käufen.
Im Mai wurde die Griwna durch positive Erwartungen hinsichtlich künftiger Mittelzuflüsse von Partnern gestützt, und auch der Rückgang der Ölpreise auf dem internationalen Markt wirkte sich positiv aus. Die Europäische Kommission teilte kürzlich mit, dass die EU plant, der Ukraine im Juni 9,1 Mrd. Euro an Finanzhilfen zu überweisen.
Davon sind 5,9 Mrd. Euro für die Verteidigungsausgaben der Ukraine und 3,2 Mrd. Euro für die Haushaltsunterstützung vorgesehen. Es handelt sich um die erste Tranche im Rahmen des Kreditprogramms der Europäischen Union mit einem Gesamtvolumen von 90 Mrd. Euro. Im Juni ist eine weitere Mittelzufuhr in Höhe von 2,8 Mrd. Euro im Rahmen der Ukraine Facility geplant. Was hingegen das Kreditprogramm mit dem IWF und die Mittelzuflüsse im Juni aus dem Fonds betrifft, bestehen bislang noch Zweifel.
Am 27. Mai nahm in Kiew eine Mission des Internationalen Währungsfonds ihre Arbeit auf. Sie soll die Erfüllung der Auflagen durch die Ukraine für die Freigabe der nächsten Tranche bewerten. Zuvor wurde berichtet, dass der Schwerpunkt bei der Abstimmung der Programmvorgaben auf der Steuerpolitik liege, insbesondere auf der Besteuerung elektronischer Plattformen. Der Steuergesetzentwurf Nr. 12360 wurde dem Parlament vorgelegt und kam sogar zur Abstimmung. Am 26. Mai lehnte die Werchowna Rada jedoch wesentliche Änderungen am Gesetzentwurf ab, die die Abschaffung von Steuervergünstigungen für internationale Sendungen bis zu 150 Euro vorsahen. Die Nichteinhaltung dieses zentralen steuerlichen Meilensteins des Programms stellt die rasche Auszahlung der Tranchen durch den IWF an die Ukraine in Frage.
US-Dollar-Kurs: Entwicklung und Analyse
Die kontrollierte Abwertung auf dem heimischen Devisenmarkt verlief im Mai reibungslos und ohne Überraschungen. Der offizielle Kurs lag zu Monatsbeginn bei 43,96 UAH/USD und am 29. Mai bei 44,26 UAH/USD. Auf dem Interbankenmarkt lag der Kurs Anfang Mai bei 43,9–43,95 UAH pro Dollar, und am Monatsende verschob sich der Interbankenkurs auf 44,28–44,31 UAH/USD. Die Nationalbank bleibt der Hauptverkäufer von Devisen, die sie über Devisenmarktinterventionen verkauft; eine Paniknachfrage war im Mai nicht zu beobachten.
Auch auf dem Bargeldmarkt gab es im Mai keine Hektik; die Bürger kaufen und verkaufen ruhig Dollar und Euro in Wechselstuben und Banken, ein Devisenmangel besteht nicht. Anfang Mai lag der Ankaufskurs für Bargeld-Dollar bei 43,55–43,8 UAH/USD und der Verkaufskurs bei 44,10–44,25 UAH/USD. Am Monatsende lag der Ankaufskurs bei 43,95–44,15 UAH/USD und der Verkaufskurs bei 44,35–44,6 UAH/USD. Die Spreads stiegen Ende Mai auf 0,5–0,7 UAH/USD.
Wichtige Einflussfaktoren:
· Geringe Kursschwankungen und ruhige Nachfrage nach Devisen im Mai. Die Griwna wertet ab, aber es gibt keine Paniknachfrage; die NBU erfüllt die Anträge der Importeure.
· B Bargeldmarkt – kein Devisenmangel. B In Wechselstuben und Banken sind ausreichend Dollar vorhanden, und die Bevölkerung zeigt eine verhaltene Nachfrage nach Devisen.
· Internationale Faktoren: Die erneute Eskalation im Nahen Osten wirkt sich auf die Investitionspläne aus, doch die jüngsten Trends deuten auf ein wachsendes Vertrauen in den Dollar und in auf US-Dollar lautende Vermögenswerte hin, und auf dem internationalen Markt festigt sich der Dollar zügig.
· Verhaltensbezogene Markterwartungen: Während auf dem internationalen Markt alle Augen auf den neuen Fed-Vorsitzenden und die Juni-Sitzung des FOMC gerichtet sind, bei der die Höhe der Leitzinsen erörtert wird, ruhen in der Ukraine die größten Hoffnungen darauf, dass es in nächster Zeit zu keinen wesentlichen Schäden an der Infrastruktur kommt, was den Bedarf an Fremdwährung für den Import von Ausrüstung senken würde. Ebenfalls Einfluss auf den Wechselkurs haben die Situation bezüglich der Finanzhilfen und der Stand der internationalen Reserven.
Prognose
Euro-Kurs: Entwicklung und Analyse
Der Euro bewegte sich im Mai in einem Abwärtstrend gegenüber dem Dollar, und dieser Trend spiegelte sich voll und ganz auf dem ukrainischen Devisenmarkt wider. Während der Mai mit einem Kurs von 51,46 UAH/Euro begann, erreichte der Kurs Ende Mai die Marke von 51,43 UAH/Euro.
Der Bargeldmarkt hat sich trotz der allmählichen Aufwertung der Griwna gegenüber dem Euro nicht wesentlich verändert. Während der Ankaufskurs Anfang Mai bei 50,95–51,4 UAH/Euro lag und der Verkaufskurs im Bereich von 51,75–52,10 UAH/EUR lag, so betrug der Ankaufskurs Ende Mai 50,85–51,3 UAH/EUR und der Verkaufskurs 51,75–51,90 UAH/EUR. Was die Spreads betrifft, so liegen diese bei den meisten Marktteilnehmern bei 0,4–0,6 UAH/EUR, nur bei einigen sind die Spreads auf 0,9–1 UAH/EUR gestiegen.
Wichtige Einflussfaktoren:
· Auf dem internationalen Markt hat sich der Trend eines starken Euro durch eine Aufwertung des Dollars gewendet. Im Mai hat der Dollar dank des Optimismus der Anleger und der attraktiven Renditen von US-Staatsanleihen an Boden gewonnen, doch der Krieg im Nahen Osten beeinflusst weiterhin die Kursverläufe der wichtigsten Währungen.
· Die Inflation in der EU steigt, doch die EZB wartet ab und lässt die Zinsen unverändert. Es wird erwartet, dass die EZB im Juni die Zinsen anheben könnte, selbst wenn der Krieg im Nahen Osten beendet sein sollte. Experten sind überzeugt, dass die EU-Zentralbank die Kosten für Kredite um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird, da die steigenden Energiepreise die Inflation in Europa deutlich antreiben.
· Die Nachfrage nach Euro in der Ukraine hat sich stabilisiert. Der Bargeldmarkt wird durch das Währungsangebot der Bevölkerung beeinflusst, ein Mangel an Euro-Bargeld ist nicht zu beobachten.
Prognose:
· Kurzfristig (2–4 Wochen): Auf dem ukrainischen Markt dürfte der Euro in der Spanne von 51,45–51,85 UAH/€ bleiben.
· Mittelfristig (2–4 Monate): Sollte die EZB die Zinsen anheben, besteht die Chance auf eine Aufwertung des Eurokurses auf dem internationalen Markt; in der Ukraine könnten Schwankungen im Bereich von 51,80–52,50 UAH/€ auftreten.
· Langfristig (6+ Monate): Der Eurokurs könnte sich im Bereich von 52,20–53,80 UAH/€ bewegen. Die wichtigsten Einflussfaktoren sind der Krieg im Nahen Osten, die Notierungen auf dem Ölmarkt, die Inflationsrate in der Eurozone und die Entscheidungen der EZB bezüglich der Leitzinsen.
Empfehlungen für Unternehmen und Investoren
Der Dollar festigt sich auf dem internationalen Markt. Das Vertrauen in die US-Währung wächst trotz der anhaltenden Eskalation im Nahen Osten. Die Stärkung des Dollars bedeutet eine mögliche Beschleunigung des Abwertungstrends der Hrywnja.
Der Krieg im Iran ist einer der Faktoren, die den Wechselkurs beeinflussen, aber nicht mehr der entscheidende. Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sind noch nicht in die Zielgerade eingetreten, doch Investoren kaufen wieder aktiv US-Staatsanleihen. Dies ist ein Signal für die Fortsetzung von Investitionen in Dollar-Anlagen und in der Ukraine für den Kauf von Dollar als sichere Währung zum Aufbau von Ersparnissen.
Die Fed bereitet sich auf eine Änderung der Leitzinsen vor. Mögliche Zinsänderungen bereits im Juni könnten den Trend eines starken Dollars auf dem globalen Markt vorübergehend ins Wanken bringen, doch wenn das Portfolio mehrere liquide Währungen enthält, lassen sich die Risiken dadurch minimieren.
Die dominante Stellung der amerikanischen Währung auf dem globalen Markt lässt keinen Zweifel: Investitionen in den Dollar sind eine zuverlässige Gewinnquelle. Trotz der beschleunigten Inflation wächst die US-Wirtschaft, und der Dollar bleibt eine liquide Währung, weshalb Anleger mindestens 50 % ihres Vermögens in Dollar halten sollten.
Sichere Investitionen – eine Garantie für den Kapitalerhalt. In allen finanziellen Szenarien sollten Anleger stabile Gewinnquellen einplanen und sich von der Zuverlässigkeit der Anlage ihrer Vermögenswerte überzeugen.
Geopolitische Spannungen als Einflussfaktor auf Investitionspläne. Der Beginn erfolgreicher Verhandlungen zwischen Washington und Teheran würde weitere positive Aussichten für die Kursentwicklung des Dollars bedeuten.
Ölpreise – ein wichtiger Indikator für Veränderungen am Devisenmarkt. Steigende Ölpreise könnten die Abhängigkeit der EU von hohen Energiekosten verstärken, was die Position des Euro schwächen und im Gegenzug die Position des Dollars stärken würde.
Der Fokus liegt auf liquiden Währungen. Trotz geopolitischer Risiken und Inflationsschüben sowohl in der EU als auch in den USA bleiben der Dollar und der Euro die Basiswährungen für Investoren und sollten sowohl in der kurzfristigen als auch in der langfristigen Währungsstrategie vertreten sein.
Diversifizierung – eine Garantie für sichere Anlagen. Anleger sollten Währungsportfolios in verschiedenen Währungen aufbauen, und obwohl Dollar und Euro die Basis bilden, kann man gelegentlich auch in andere zuverlässige europäische Währungen investieren – britische Pfund Sterling und Schweizer Franken.
Die Griwna – für kurzfristige Spekulationen. Die Landeswährung befindet sich auf einem Abwertungskurs, daher ist es am besten, langfristige Ersparnisse in Fremdwährungen anzulegen und die Griwna genau in der Menge zu halten, die für schnelle Investitionen in der Landeswährung benötigt wird.
Was ist im Nachrichtenbereich wichtig? Man muss alles im Auge behalten, was mit dem Krieg im Iran sowie mit der Entwicklung der Ölpreise zu tun hat. Im Juni sind Nachrichten aus den USA zum Leitzins der Fed sowie die Entscheidung der EZB zum Leitzins unbedingt zu beobachten. In der Ukraine werden die Lage an der Front, Informationen zum Zustand des Energiesektors, Nachrichten vom IWF und Meldungen über den Zufluss neuer Kredittranchen und internationaler Finanzhilfen die wichtigsten Indikatoren für die Situation auf dem Devisenmarkt sein.
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