Business news from Ukraine

Business news from Ukraine

Die Türkei beabsichtigt, sich dem Energiekorridor „Kaspisches Meer – Schwarzes Meer – Europa“ anzuschließen

11 September , 2026  

Die Türkei beabsichtigt, sich an dem Projekt zur Schaffung des Energiekorridors „Kaspisches Meer – Schwarzes Meer – Europa“ (Black Sea Energy) zu beteiligen, der die Versorgung des EU-Marktes mit „grünem“ Strom aus dem Südkaukasus sicherstellen soll, erklärte der türkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen, Alparslan Bayraktar.
Seinen Worten zufolge sieht das Projekt die Zusammenführung der Stromnetze Aserbaidschans und Georgiens vor, mit anschließender Stromübertragung über ein Unterwasserkabel durch das Schwarze Meer nach Rumänien und weiter nach Ungarn. Auf Einladung der aserbaidschanischen Seite hat die Türkei ihre Absicht bekundet, sich der Initiative anzuschließen, und deren Umsetzung unterstützt.
Das Interesse Ankaras an dem Projekt wird auch durch vorangegangene Gespräche mit Baku bestätigt. Am 1. August teilte der aserbaidschanische Energieminister Parviz Shahbazov nach einem Treffen mit Bayraktar in Istanbul mit, dass die Seiten eine mögliche Zusammenarbeit der Türkei im Rahmen des Energiekorridors „Kaspisches Meer – Schwarzes Meer – Europa“ erörtert und vereinbart hätten, die Umsetzung weiterer gemeinsamer Energieprojekte zu beschleunigen.
Laut Bayraktar entwickelt sich die Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Aserbaidschan im Bereich der Elektrizitätswirtschaft derzeit in gleich drei Richtungen.
Der erste sieht die Integration des Stromnetzes von Nachitschewan mit dem der Türkei sowie die Organisation des Stromaustauschs vor. Perspektivisch könnte diese Trasse über den Zangezur-Korridor mit dem Kernland Aserbaidschans verbunden werden.
Der zweite Schwerpunkt ist der „grüne“ Energiekorridor Aserbaidschan – Georgien – Türkei – Bulgarien. Er soll den Export von in Aserbaidschan erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien über Georgien und die Türkei nach Bulgarien und weiter in die EU-Märkte gewährleisten. Im August 2026 einigten sich Baku und Ankara separat darauf, die Umsetzung dieses Projekts zu beschleunigen.
Die dritte Achse ist das Projekt „Black Sea Energy“ selbst. Die Hauptakteure des Projekts sind weiterhin Aserbaidschan, Georgien, Rumänien und Ungarn. Am 17. Dezember 2022 unterzeichneten die vier Länder in Bukarest ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft im Bereich der Entwicklung und Übertragung von „grüner“ Energie. Die Europäische Union unterstützt das Projekt und betrachtet es als neue Versorgungsroute für erneuerbaren Strom aus dem Südkaukasus in die EU.
Im Juli 2026 trat das Projekt nach Abschluss und Genehmigung der technisch-wirtschaftlichen Studien in die nächste Umsetzungsphase ein. Der Projektbetreiber Green Energy Corridor Power Company hat mit der Ausarbeitung des Konzeptentwurfs, der technischen Lösungen und der Beschaffungsstrategie begonnen.
Nach jüngsten Aussagen der aserbaidschanischen Seite ist geplant, ab 2032 schrittweise bis zu 3,9–4 GW grünen Strom über den Korridor zu exportieren. Das Projekt wurde zudem in das TYNDP-2026-Portfolio des Europäischen Netzes der Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) aufgenommen.
Ein zentrales Infrastrukturelement wird das Hochspannungs-Gleichstrom-Seekabel zwischen Georgien und Rumänien sein. Die vorläufigen Baukosten werden auf etwa 3,5 Mrd. Euro geschätzt, die Bauzeit auf drei bis vier Jahre. Zuvor war von der Möglichkeit berichtet worden, bis zu 2,3 Mrd. Euro an europäischen Fördermitteln zu erhalten. Da in den aktuellen Unterlagen zu „Global Gateway“ ebenfalls 2,3 Mrd. Euro als vorläufiger Investitionsumfang für den strategischen Schwarzmeer-Stromverbund genannt werden, wird die endgültige Finanzierungsstruktur des Projekts noch präzisiert werden.
Die Europäische Kommission betrachtet „Black Sea Energy“ als eines der Instrumente zur Diversifizierung der Energieversorgung der EU und zur Integration erneuerbarer Energieerzeugung aus dem Südkaukasus. Das Projekt soll die Kaspische Region über Georgien und Rumänien mit dem europäischen Stromnetz verbinden und gleichzeitig die Energiesicherheit der teilnehmenden Länder stärken.
Im Falle eines Beitritts der Türkei würde das Projekt zusätzlich an Bedeutung gewinnen, da Ankara dann an mehreren parallelen Transportwegen für „grünen“ Strom aus Aserbaidschan nach Europa teilnehmen könnte – über das Schwarze Meer und über den Landkorridor Türkei–Bulgarien.

, , , ,