Wie der Serbische Ökonom berichtet, geht Montenegro mit einer relativ stabilen BIP-Entwicklung in das Jahr 2026, jedoch mit deutlichen außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten und einer zunehmenden Rolle der Fiskalpolitik als wichtigstem Instrument der Makrosteuerung. Das Land verwendet den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel und verfügt faktisch nicht über die üblichen Instrumente der Geld- und Kreditpolitik, weshalb die entscheidenden Weichenstellungen für die Wirtschaft über den Haushalt, das Schuldenmanagement und Strukturreformen erfolgen.
Nach vorläufigen statistischen Daten stieg das reale BIP Montenegros im dritten Quartal 2025 um 3,1 % im Jahresvergleich. Die Schätzungen internationaler Organisationen liegen im Allgemeinen in einem Bereich von etwa 3 %: Die IWF-Mission beispielsweise gab eine Basisprognose für das Wachstum von 3,2 % im Jahr 2025 an und führte dies insbesondere auf eine verhaltene Tourismussaison zurück.
Die Preise stiegen 2025 moderat an, doch bis zum Herbst verstärkte sich der Inflationsdruck. Nach Angaben von MONSTAT lagen die Verbraucherpreise im Zeitraum Januar bis November 2025 im Durchschnitt um 3,9 % höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, und im Dezember 2025 betrug die Inflationsrate auf Jahresbasis 4,0 %.
Nach Angaben der MONSTAT-Arbeitskräfteerhebung lag die Arbeitslosenquote im dritten Quartal 2025 bei 10,1 % (bei einer Beschäftigungsquote von 56,0 %). Für eine Wirtschaft mit einem hohen Dienstleistungsanteil deutet dies auf ein Fortbestehen der strukturellen Kluft zwischen saisonaler Beschäftigung und festen Arbeitsplätzen außerhalb der touristischen Hochsaison hin.
Der IWF rechnete für 2025 mit einer Ausweitung des Defizits des öffentlichen Sektors auf 3,6 % des BIP (nach 2,9 % des BIP im Jahr 2024). Dabei schien die Schuldenentwicklung im Laufe des Jahres unter Kontrolle zu sein: Nach Angaben des Finanzministeriums belief sich die Gesamtstaatsverschuldung Ende September auf 4,76 Mrd. Euro oder 58,59 % des BIP (gegenüber 61 % des BIP zum Jahresende 2024, laut derselben Quelle).
Der Tourismus hat erneut seinen Status als wichtigster Devisenbringer bestätigt.
Die Zentralbank teilte mit, dass die Zahl der Touristenankünfte im Zeitraum Januar bis November 2025 im Jahresvergleich um 5 % auf 2,67 Millionen gestiegen sei und die Einnahmen aus dem Auslandstourismus in den neun Monaten 1,328 Milliarden Euro erreicht hätten, was leicht über dem Vorjahresniveau liege.
Doch gerade das externe Umfeld bleibt die Hauptrisikofaktor: Der IWF rechnete für 2025 mit einer Ausweitung des Leistungsbilanzdefizits auf etwa 18 % des BIP und führte dies auf den Rückgang der Stromexporte, Anzeichen einer schwächeren Tourismussaison und eine steigende Importnachfrage zurück.
Das Basisszenario für 2026 sieht ein anhaltendes moderates Wachstum vor, vorausgesetzt, die Haushaltspolitik gleicht externe Schocks aus und die Wirtschaft beginnt sich allmählich von Konsum hin zu Investitionen und Diversifizierung zu verlagern. Die Risiken konzentrieren sich auf das Außenhandelsdefizit und die Haushaltsverpflichtungen, während die Chancen in Infrastrukturprojekten, im Energiesektor und in den für die europäische Integration notwendigen Reformen liegen.
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