Ukrainische lokale und Craft-Weingüter können ihre Präsenz in den nationalen Handelsketten ausbauen, doch dafür müssen die Hersteller die Anforderungen des Einzelhandels hinsichtlich Qualität, Sicherheit, Dokumentation und Lieferstabilität erfüllen.
Dies wurde im Rahmen des nationalen Runden Tisches „Lokale Rebsorten: Erbe, Nachhaltigkeit und Entwicklung ländlicher Gebiete“ erörtert, der vom Verband „UKRSADVINPROM“ anlässlich seines 10-jährigen Bestehens organisiert wurde.
Olena Gordon, Vertreterin des Verbandes „Ukraine Food Retail Alliance“ (UFRA), dem die führenden ukrainischen Lebensmitteleinzelhandelsketten ATB-Market, Silpo, VARUS, NOVUS und KOLO angehören, wies darauf hin, dass der Zugang lokaler Erzeuger zu den Handelsketten nur möglich ist, wenn sie die Standards erfüllen und bereit sind, ihre Produktion zu skalieren.
Für ukrainische Winzer bedeutet dies, dass die Verfügbarkeit eines qualitativ hochwertigen Produkts nicht mehr die einzige Voraussetzung für Umsatzwachstum im Einzelhandel ist. Die Handelsketten erwarten von ihren Lieferanten stabile Liefermengen, ein klares Qualitätssystem, Rückverfolgbarkeit der Produktion, die erforderlichen Zertifikate, Genehmigungsunterlagen sowie die Bereitschaft zur langfristigen partnerschaftlichen Zusammenarbeit.
Die Teilnehmer der Diskussionsrunde stellten fest, dass das Interesse des Einzelhandels an Craft-Weingütern und lokalen Herstellern vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage nach ukrainischen Produkten zunimmt. Unter den Bedingungen des Krieges wird die Unterstützung einheimischer Hersteller nicht nur als Verbraucherentscheidung, sondern auch als Element der wirtschaftlichen Stabilität des Landes betrachtet.
Für die Hersteller selbst kann die Zusammenarbeit mit Handelsketten ein wichtiger Schritt zur Skalierung ihres Geschäfts sein. Die Präsenz in den Regalen des nationalen Einzelhandels steigert den Bekanntheitsgrad der Marke, erweitert den Zugang zu den Verbrauchern und trägt dazu bei, eine Kultur des Konsums von ukrainischem Wein zu etablieren.
Gleichzeitig betonten die Diskussionsteilnehmer, dass die handwerkliche Weinherstellung einen eigenen Ansatz erfordert. Kleine Produzenten können nicht immer nach den Prinzipien der industriellen Massenproduktion arbeiten; daher sind für die Entwicklung dieses Segments flexible Kooperationsmodelle, professionelle Begleitung, Unterstützung bei der Zertifizierung und klare Regeln für den Markteintritt wichtig.
Ein weiterer Vertriebskanal für ukrainischen Wein könnten der HoReCa-Bereich und der Weintourismus sein. Restaurants, Verkostungsveranstaltungen, Festivals und Weinstraßen bieten die Möglichkeit, den Verbrauchern lokale Rebsorten näherzubringen, eine emotionale Bindung zum Erzeuger aufzubauen und schrittweise eine Nachfrage zu schaffen, die später den Absatz im Einzelhandel stützen kann.
Bei der Podiumsdiskussion wurde zudem angemerkt, dass die Entwicklung lokaler Rebsorten Teil einer umfassenderen Strategie zur Förderung ukrainischen Weins werden könnte. Der Vorsitzende des Verbandes „UKRSADVINPROM“, Wolodymyr Pechko, betonte, dass die Ukraine ihre eigenen Sorten aktiver präsentieren und um diese herum eine Weinidentität aufbauen müsse. Als Vorzeigesorten der ukrainischen Züchtung wurden insbesondere „Odesskyj Schwart“ und „Sukholimanskyj“ genannt.
Für den Einzelhandel könnten lokale Rebsorten zu einer eigenständigen Wettbewerbsnische werden, da sie es ermöglichen, dem Käufer nicht einfach nur ukrainischen Wein anzubieten, sondern ein Produkt mit Herkunft, Geschichte und regionaler Identität. Ein solcher Ansatz könnte das Interesse an ukrainischen Weinen sowohl auf dem Binnenmarkt als auch perspektivisch auf den Exportmärkten stärken.
Die Teilnehmer der Veranstaltung betonten zudem die Notwendigkeit, ein Weinbauregister einzurichten und eine vollständige Bestandsaufnahme der Weinberge gemäß den EU-Vorgaben durchzuführen. Dies ist wichtig für die Transparenz der Branche, die Entwicklung geografischer Angaben, die Integration der Ukraine in das europäische System zur Förderung des Weinbaus und die künftige Inanspruchnahme von EU-Finanzinstrumenten.
Der Branchenverband „UKRSADVINPROM“ ist ein Branchenverband, der in den Bereichen Obstbau, Weinbau und Weinherstellung tätig ist. Die Organisation vereint Marktteilnehmer, beteiligt sich an Branchendiskussionen, vertritt die Interessen ukrainischer Erzeuger und fördert die Entwicklung von Produkten mit hoher Wertschöpfung. Im Jahr 2026 feierte der Verband sein 10-jähriges Bestehen.
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