Ein Lebenslauf kann grammatikalisch fehlerfrei übersetzt werden und dennoch an Aussagekraft verlieren. Die Namen der Unternehmen bleiben korrekt, die Positionen sind verständlich, die Daten stimmen überein. Doch das Dokument liest sich dann wie eine bloße Auflistung des beruflichen Werdegangs und nicht wie ein Plädoyer für den Bewerber.
Genau hier versagt oft die wörtliche Übersetzung. Der ukrainische Text überträgt nicht nur Wörter ins Englische, sondern auch die gewohnte Logik: wo man gearbeitet hat, wofür man verantwortlich war, welche Aufgaben man erfüllt hat. Dem Personalverantwortlichen reicht das nicht aus. Er muss schnell erkennen können, ob die Erfahrung zu einer bestimmten Stelle passt und welchen Nutzen die Person bereits in ähnlichen Situationen gebracht hat.
Ein Lebenslauf wird nicht wie eine Autobiografie gelesen. Er wird mit der Stellenausschreibung verglichen.
Zunächst geht es nicht um die englische Sprache, sondern um die Positionierung
Vor der Übersetzung sollte man eine einfache Frage beantworten: Auf welche Stelle bewirbt sich der Kandidat?
Ein universeller Lebenslauf enthält in der Regel von allem etwas. Er umfasst Berufserfahrung, Fähigkeiten, Fortbildungen und einige Absätze über persönliche Eigenschaften. Das Problem ist, dass er für zehn verschiedene Stellenangebote gleichermaßen ungenau passt.
Ein überzeugendes Dokument filtert Informationen speziell auf eine bestimmte Rolle heraus. Für einen Projektmanager können Budget, Team, Fristen und die Zusammenarbeit mit dem Kunden wichtig sein. Für einen Analysten sind die verwendeten Tools, der Datenumfang und die auf der Grundlage der Analyse getroffenen Entscheidungen entscheidend. Für einen Vertriebsmitarbeiter sind Zahlen, Märkte, der Geschäftszyklus und die Planerfüllung von Bedeutung.
Dieselbe Erfahrung lässt sich auf unterschiedliche Weise beschreiben, und das ist keine Manipulation. Der Bewerber hebt einfach das hervor, was für die Stelle am relevantesten ist.
Aufgaben beschreiben den Rahmen, Ergebnisse geben den Inhalt vor
Der Satz „Was responsible for sales“ gibt lediglich den Verantwortungsbereich an. Er zeigt weder den Umfang der Arbeit noch erklärt er, ob der Bewerber dabei erfolgreich war.
Konkrete Angaben klingen überzeugender:
„Increased annual sales by 18% across three regional accounts.“
Oder:
„Built a pipeline of 40 qualified leads within six months.“
Zahlen sind nützlich, sollten aber nicht nur zur dekorativen Überzeugungskraft dienen. Wenn sich ein Ergebnis nicht in Prozent oder Geld messen lässt, kann man eine andere Art von Veränderung aufzeigen: die Verkürzung einer Frist, die Einführung eines Prozesses, die Anzahl der Beteiligten, den Umfang der Verantwortung, die Behebung eines Fehlers oder eine Qualitätsverbesserung.
Zum Beispiel:
Ein wöchentlicher Berichtsprozess für ein Team von 12 Mitarbeitern wurde eingeführt.
Die durchschnittliche Reaktionszeit wurde von zwei Tagen auf sechs Stunden verkürzt.
Die Einführung eines neuen Dienstes in zwei Märkten wurde koordiniert.
Ein starkes Verb am Anfang hilft, reicht aber allein nicht aus. „Managed“, „developed“ oder „implemented“ klingen nur dann professionell, wenn danach klar wird, was genau geschehen ist.
Nicht jede ukrainische Berufsbezeichnung sollte wörtlich übersetzt werden
Die Bezeichnungen für Positionen stimmen selbst innerhalb einer Sprache nicht in allen Unternehmen überein. Ein „Manager“ kann ein Team leiten, für einen Geschäftsbereich verantwortlich sein oder einfach nur Teil der Berufsbezeichnung sein. Die ukrainische Bezeichnung „Entwicklungsmanager“ kann ebenfalls Vertrieb, Partnerschaften, operative Tätigkeiten oder die Einführung neuer Produkte bedeuten.
Daher sorgt eine wörtliche Übersetzung manchmal nur für Verwirrung.
Es ist besser, die Bezeichnung mit den tatsächlichen Aufgaben und Begriffen abzugleichen, die in Stellenanzeigen des jeweiligen Marktes verwendet werden. Bei Bedarf kann man die offizielle Bezeichnung beibehalten und daneben in Klammern eine verständliche Entsprechung angeben.
Man sollte seine Position durch eine Übersetzung nicht aufbauschen. Wenn eine Person keine Funktion oder kein Team geleitet hat, kann das Wort „Head“ falsche Erwartungen wecken. Im Vorstellungsgespräch muss man diesen sprachlichen Karrieresprung dann ohne Hilfe eines Wörterbuchs erklären.
Wörtliche Übersetzungen fallen nicht deshalb auf, weil der Personalverantwortliche nach Fehlern sucht
Wörtliche Konstruktionen sind oft grammatikalisch möglich, für Lebensläufe jedoch untypisch. Sie zwingen den Leser dazu, innezuhalten und den Sinn neu zu erschließen.
Beispielsweise ist der Satz „I was engaged in the development of…“ in der Regel weniger geeignet als die einfachere Formulierung „Developed…“. Auch die Konstruktion „Worked on the position of…“ klingt eher nach einer Übersetzung als nach einer natürlichen Beschreibung der Berufserfahrung.
Ein Lebenslauf auf Englisch erfordert in der Regel keine vollständigen Sätze in der ersten Person. In den Abschnitten zur Berufserfahrung wird das Pronomen „I“ weggelassen, und jeder Punkt beginnt mit einer Handlung.
Bisher:
„I was responsible for communication with foreign clients.“
Besser:
„Managed communication with clients across the UK and Germany.“
Noch präziser:
„Led weekly project calls with five clients across the UK and Germany.“
Die letzte Variante verdeutlicht die Arbeitsweise und den Umfang und beschränkt sich nicht nur auf allgemeine „Kommunikation“.
Ein Lebenslauf muss nicht nur den Menschen überzeugen
Große Arbeitgeber nutzen häufig Bewerbermanagementsysteme. Diese speichern Bewerbungen, strukturieren Informationen und können Dokumente nach Begriffen durchsuchen, die mit den Anforderungen der Stellenausschreibung in Zusammenhang stehen.
Aus diesem Grund sollte der Lebenslauf an die Formulierungen der Stellenanzeige angepasst werden. Wenn der Arbeitgeber Erfahrung im Stakeholder-Management sucht und der Bewerber dieselbe Fähigkeit als „Kommunikation mit verschiedenen Abteilungen“ bezeichnet, erkennen sowohl die automatische als auch die manuelle Suche möglicherweise keine exakte Übereinstimmung.
Das bedeutet nicht, dass man die gesamte Stellenbeschreibung kopieren muss. Die Schlüsselwörter müssen der tatsächlichen Erfahrung entsprechen. Andernfalls durchläuft das Dokument zwar den ersten Filter, scheitert aber bereits bei der ersten vertiefenden Frage.
Für die maschinelle Verarbeitung ist auch die Formatierung wichtig. Komplexe Tabellen, Text in Bildern, dekorative Kompetenzskalen und ungewöhnliche Abschnittsüberschriften lassen sich möglicherweise schlechter verarbeiten als eine einfache Struktur.
Eine sichere Variante wirkt fast schon langweilig:
● Standardüberschriften;
● normaler Text;
● eindeutige Datumsangaben;
● konsequente Berufsbezeichnungen;
● aufgezählte Punkte;
● Datei in dem vom Arbeitgeber gewünschten Format.
Ein gestalterisch ansprechender Lebenslauf mag in kreativen Berufen angebracht sein, doch sollte man ein Portfolio besser nicht als Dokument tarnen, das ein technisches Auswahlverfahren durchlaufen muss.
Eine oder zwei Seiten
Es gibt keine allgemeingültige Regel für alle Länder und Berufe. Im amerikanischen Kontext bezeichnet man mit dem Begriff „résumé“ oft ein kurzes Dokument für eine bestimmte Stellenausschreibung, während ein akademischer Lebenslauf deutlich länger sein kann. In Großbritannien und vielen europäischen Ländern ist „CV“ die übliche Bezeichnung für ein Bewerbungsdokument.
Für die meisten Fachkräfte mit einigen Jahren Berufserfahrung reichen eine oder zwei Seiten aus. Es lohnt sich jedoch nicht, wichtige und relevante Erfahrungen nur um der magischen Ein-Seiten-Grenze willen zu kürzen.
Die entscheidende Frage lautet nicht „Wie viele Seiten sind erlaubt?“, sondern „Ist jeder Abschnitt für diese Stelle relevant?“.
Fünfzehn Jahre Berufserfahrung müssen nicht auf wenige Zeilen komprimiert werden. Gleichzeitig verdient die erste Anstellung, die bereits nichts mehr mit dem aktuellen Fachgebiet zu tun hat, nicht denselben Umfang wie das letzte große Projekt.
Was der Personalverantwortliche herausfinden möchte
Beim ersten Durchsehen sucht er weder nach literarischer Qualität noch nach einem vollständigen Bild der Persönlichkeit. Er muss schnell Antworten auf einige praktische Fragen finden:
● Verfügt der Bewerber über die erforderliche Erfahrung?
● Ist der Umfang seiner Arbeit nachvollziehbar?
● Gibt es Belege für die erzielten Ergebnisse?
● Entsprechen die Fähigkeiten den Anforderungen der Stelle?
● Gibt es keine Unstimmigkeiten bei Daten und Bezeichnungen?
● Lohnt es sich, ein Vorstellungsgespräch zu vereinbaren?
Genau deshalb sollte eine praktische Anleitung zur Erstellung eines Lebenslaufs auf Englisch nicht mit der Übersetzung jedes einzelnen Satzes beginnen. Zunächst muss das Ziel festgelegt, die relevante Erfahrung ausgewählt und erst dann in natürlichem, professionellem Englisch formuliert werden.
Ein guter Lebenslauf erzählt nicht alles über eine Person. Er liefert dem Personalverantwortlichen genügend Gründe, sie zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Den Rest darf man glücklicherweise noch mündlich erläutern.