Die ungarische Regierung hat eine Untersuchung der Kontakte des ehemaligen Außenministers Péter Szijjártó zu den russischen Behörden eingeleitet, wie Ministerpräsident Péter Magyar am 16. Juli mitteilte.
Seinen Angaben zufolge enthalten die Akten geheime Dokumente des Außenministeriums und anderer Behörden. Bislang ist jedoch nicht bekannt, welche Behörde die Untersuchung durchführt, ob ein Strafverfahren eingeleitet wurde und ob Szijjártó als Verdächtiger gilt.
Auslöser waren Veröffentlichungen, wonach der ehemalige Minister den russischen Außenminister Sergej Lawrow über den Verlauf der Verhandlungen innerhalb der EU informiert haben könnte. Szijjártó wies die Vorwürfe zurück und erklärte, er habe keine geheimen Informationen an Moskau weitergegeben.
Die Untersuchung fiel mit seinem Rückzug aus der Politik zusammen. Am 15. Juli gab Szijjártó bekannt, dass er sein Abgeordnetenmandat niederlegen und eine Führungsposition bei dem chinesischen Unternehmen BYD übernehmen werde. Der Ministerpräsident bezeichnete dies als Interessenkonflikt, da Szijjártó während seiner Amtszeit als Minister an der Gewährung staatlicher Unterstützung für das Unternehmen beteiligt gewesen sei.
Nach den Ergebnissen der Parlamentswahlen vom 12. April erhält die Partei Tisza unter der Führung von Péter Magyar 138 Sitze im 199 Sitze zählenden ungarischen Parlament, was ihr eine verfassungsmäßige Mehrheit sichert, wie internationale Medien und regionale Quellen berichten.
Die bisher regierende Koalition aus Fidesz und KDNP erhält 55 Sitze, Mi Hazánk wird mit 6 Mandaten zur drittstärksten Kraft. Somit sind in der neuen Legislaturperiode faktisch drei Fraktionen vertreten, während eine Reihe kleinerer Parteien die Sperrklausel nicht überwunden hat.
Eine verfassungsmäßige Mehrheit bedeutet in Ungarn traditionell die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, die 2–3 Stimmen der Abgeordneten erfordern, einschließlich Änderungen der Grundgesetze. In dieser Konstellation benötigt Tisza formal keine Koalitionspartner zur Regierungsbildung.
Mátyás‘ Wahlkampf drehte sich um die Themen Veränderung des politischen Modells, Korruptionsbekämpfung und Wiederherstellung der Beziehungen zur EU. In öffentlichen Reden verwendete er Formulierungen wie „Ennek a rendszernek vége van“ („Dieses System ist am Ende“) und sprach auch von einem „Regimewechsel“ sowie der Rückkehr des Landes auf einen pro-europäischen Kurs. In den Berichten von Reuters werden unter den erklärten Prioritäten die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung genannt, einschließlich der Ausrichtung auf europäische Standards und des Versuchs, eingefrorene EU-Gelder freizugeben.
In der ungarischen politischen Symbolik hat sich zudem der Name TISZA etabliert, der als „Respect“ und „Freedom“ (Tisztelet und Szabadság) interpretiert wird.