Über 500 ausländische Investoren, die ein portugiesisches Golden Visa erhalten haben, bereiten eine Sammelklage gegen den Staat vor, da das neue Staatsbürgerschaftsgesetz die Wartezeit für die Beantragung eines portugiesischen Passes verlängert.
Es handelt sich um Inhaber von ARI-Investitionsaufenthaltsgenehmigungen, die als „Golden Visas“ bekannt sind. Laut The Portugal News sind die Investoren der Ansicht, dass die Änderung der Vorschriften ihre berechtigten Erwartungen verletzt, da viele dem Programm beigetreten sind, in der Erwartung, nach fünf Jahren Aufenthalt die Staatsbürgerschaft beantragen zu können. Nun könnte sich dieser Zeitraum für einen Teil der Antragsteller auf acht oder zehn Jahre verlängern.
Die Initiative vereint Investoren verschiedener Nationalitäten, wobei US-Bürger besonders stark vertreten sind. Die Teilnehmer der Gruppe beabsichtigen, zunächst die rechtlichen Möglichkeiten innerhalb Portugals auszuschöpfen und dann, falls erforderlich, Optionen für ein Vorgehen auf europäischer Ebene zu prüfen.
Der Hauptkritikpunkt der Investoren betrifft die rückwirkende Wirkung der Reform. Viele Inhaber eines Golden Visa lebten bereits seit mehreren Jahren in Portugal, hatten in Fonds, Unternehmen oder Immobilien investiert und planten, die Staatsbürgerschaft nach den alten Fristen zu beantragen. In einem der in der portugiesischen Presse angeführten Beispiele stand ein Investor weniger als zwei Monate vor Ablauf der Fünfjahresfrist, als die Regeln geändert wurden.
Das portugiesische Golden-Visa-Programm war lange Zeit eines der beliebtesten Aufenthaltsprogramme für Investoren in der EU. Es ermöglichte Ausländern, bei Erfüllung der Investitionsbedingungen und bei minimaler physischer Anwesenheit im Land eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten und nach Ablauf der festgelegten Aufenthaltsdauer die Staatsbürgerschaft zu beantragen. In den letzten Jahren haben die portugiesischen Behörden jedoch ihre Migrations- und Investitionspolitik konsequent verschärft.
Für den Immobilienmarkt und die Investitionsmigration ist dieser Rechtsstreit von großer Bedeutung. Sollten die Gerichte anerkennen, dass die neuen Fristen nicht auf bereits bestehende Investoren angewendet werden dürfen, würde dies einen Teil des Vertrauens in das Programm erhalten. Sollte hingegen der Staat obsiegen, könnte Portugal einen Reputationsverlust bei Investoren erleiden, die seine Regeln bisher als stabil und vorhersehbar empfanden.
Die Änderungen könnten sich auch auf andere EU-Länder auswirken, in denen Programme für Aufenthaltsgenehmigungen und Staatsbürgerschaft zunehmend Gegenstand politischer Debatten sind. Vor dem Hintergrund steigender Immobilienpreise, Migrationsdruck und Kritik an den „Golden Visas“ streben die Regierungen eine Verschärfung der Bedingungen an, doch die Investoren fordern den Schutz bereits erworbener Rechte.