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Wissenschaftler haben einen unerwarteten Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Eiscreme und einem geringeren Diabetesrisiko festgestellt

19 Juni , 2026  

Der regelmäßige Verzehr von Speiseeis wurde in einer Reihe groß angelegter Studien überraschenderweise mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Die Wissenschaftler warnen jedoch, dass es sich hierbei um einen statistischen Zusammenhang handelt und nicht um eine nachgewiesene schützende Wirkung des Produkts, berichtet SciTechDaily unter Berufung auf wissenschaftliche Arbeiten zu Milchprodukten und Stoffwechselgesundheit.
Eiscreme wird aufgrund ihres Gehalts an Zucker, gesättigten Fetten und Kalorien normalerweise nicht als Mittel zur Krankheitsprävention angesehen. Dennoch haben Forscher in mehreren groß angelegten Beobachtungsstudien zu Milchprodukten einen unerwarteten Hinweis entdeckt: In bestimmten Gruppen erkrankten Menschen, die häufiger Eiscreme aßen, seltener an Typ-2-Diabetes.
Einer der ersten Hinweise ergab sich aus der „Health Professionals Follow-up Study“, an der mehr als 41.000 Männer teilnahmen. In der veröffentlichten Arbeit lag der Schwerpunkt auf dem Zusammenhang zwischen fettarmen Milchprodukten und dem Diabetesrisiko, doch in den Daten zu einzelnen Produkten zeigte auch Speiseeis eine unerwartete umgekehrte Assoziation mit der Erkrankung.
Später analysierten Wissenschaftler in einer Studie aus dem Jahr 2014, die in „BMC Medicine“ veröffentlicht wurde, drei große US-amerikanische Kohorten: 41.436 Männer aus der „Health Professionals Follow-up Study“, 67.138 Frauen aus der „Nurses’ Health Study“ und 85.884 Frauen aus der „Nurses’ Health Study II“. Über einen Beobachtungszeitraum von fast 4 Millionen Personenjahren wurden 15.156 Fälle von Typ-2-Diabetes erfasst.
Die wichtigste Schlussfolgerung dieser Arbeit fiel konservativer aus: Der Gesamtkonsum von Milchprodukten stand in keinem signifikanten Zusammenhang mit dem Diabetesrisiko, während Joghurt einen konsistenten umgekehrten Zusammenhang zeigte. In einer Metaanalyse von 14 prospektiven Kohorten mit 459.790 Teilnehmern und 35.863 Diabetesfällen wurde eine tägliche Portion Joghurt mit einer Senkung des Diabetesrisikos um etwa 18 % in Verbindung gebracht.
Dabei zeigte bei der Analyse einzelner Milchprodukte auch Speiseeis einen statistisch signifikanten umgekehrten Zusammenhang mit dem Diabetesrisiko.
Die Wissenschaftler betonen, dass solche Daten nicht als Empfehlung interpretiert werden dürfen, Speiseeis zur Diabetesprävention zu essen. Die wahrscheinlichste Erklärung ist eine umgekehrte Kausalität: Menschen mit frühen Anzeichen von Stoffwechselproblemen, Übergewicht oder erhöhtem Cholesterinspiegel könnten auf Anraten ihrer Ärzte den Verzehr von Süßigkeiten, einschließlich Speiseeis, einschränken. Infolgedessen könnten unter denjenigen, die weiterhin Speiseeis essen, relativ mehr gesunde Menschen sein.
Eine weitere mögliche Erklärung sind Fehler in den Ernährungsfragebögen. Beobachtungsstudien basieren oft auf Selbstauskünften, und Menschen geben den Verzehr von Lebensmitteln, die als „ungesund“ gelten, möglicherweise ungenau an. Dies kann den statistischen Zusammenhang zwischen der Ernährung und Krankheiten verzerren.
Einzelne Forscher räumen zudem ein, dass ein Teil des Effekts mit den Eigenschaften von Milchfett und -proteinen, dem im Vergleich zu einigen anderen kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln niedrigeren glykämischen Index von Speiseeis sowie der Struktur des Milchfetts zusammenhängen könnte. Diese Hypothesen liefern jedoch bislang keine Grundlage dafür, Speiseeis als schützendes Lebensmittel anzusehen.
Für die Lebensmittelindustrie und den Markt für Milchprodukte sind solche Studien nicht als Werbung für Speiseeis wichtig, sondern als Erinnerung daran, wie komplex die Bewertung von Lebensmitteln ist. Ein und dasselbe Produkt kann je nach Zusammensetzung, Portionsgröße, Verzehrhäufigkeit, Gesamternährung, Körpergewicht, körperlicher Aktivität und Gesundheitszustand des Menschen unterschiedliche Auswirkungen haben.
Ernährungsexperten empfehlen nach wie vor, den Verzehr von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an zugesetztem Zucker und gesättigten Fetten einzuschränken. Eiscreme kann als Dessert in Maßen weiterhin Teil der Ernährung bleiben, doch die vorliegenden Daten belegen nicht, dass ihr Verzehr das Risiko für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.
Somit bleibt die wissenschaftliche Frage rund um Eiscreme weiterhin ungeklärt.

 

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