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Ukrainische Winzer entwickeln bereits lokale Rebsorten als Grundlage für eine neue Weinidentität

29 Juni , 2026  

Die Entwicklung lokaler Rebsorten in der Ukraine geht bereits von der Ebene der Fachdiskussion in die Praxis über und wird zu einem der Schwerpunkte bei der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der ukrainischen Weinproduktion, der Etablierung regionaler Marken und der Vermarktung von Produkten mit hoher Wertschöpfung auf dem Inlands- und Auslandsmarkt.

Dies war Thema des nationalen Runden Tisches „Lokale Rebsorten: Erbe, Nachhaltigkeit und Entwicklung ländlicher Gebiete“, der vom Verband „UKRSADVINPROM“ anlässlich seines 10-jährigen Bestehens organisiert wurde.

Die Teilnehmer der Veranstaltung stellten fest, dass lokale Rebsorten für ukrainische Erzeuger bereits nicht mehr nur eine landwirtschaftliche Ressource darstellen, sondern auch ein Element des kulturellen Erbes, der regionalen Identität und der zukünftigen Exportausrichtung des ukrainischen Weinbaus sind. Gerade um solche Sorten herum entsteht eine neue Identität des ukrainischen Weins – mit eigener Geschichte, Herkunft, Geschmack und Wiedererkennbarkeit.

Der Vorsitzende des Verbandes „UKRSADVINPROM“, Wolodymyr Pechko, betonte, dass der ukrainische Weinbau bereits über eine eigene Grundlage für seine Entwicklung verfüge, die mit der Popularisierung einheimischer Sorten verbunden sei. Seinen Worten zufolge könnten vor allem die Sorten „Odesskyj Schornij“ und „Sucholimanskyj“ als Flaggschiff- und Botschafter-Sorten des ukrainischen Weins gelten, da sie die ukrainische Züchtung, die Authentizität und die Weinidentität des Landes widerspiegeln.

Besondere Aufmerksamkeit wurde der Erstellung eines Rebstockregisters und der Durchführung einer vollständigen Bestandsaufnahme der Rebflächen nach EU-Standards gewidmet. Diese Arbeit soll die praktische Grundlage für die weitere Integration der Ukraine in das europäische System zur Förderung des Weinbaus und der Weinherstellung bilden sowie für die mögliche Inanspruchnahme von EU-Finanzinstrumenten nach dem Beitritt des Landes zur Europäischen Union.

Pechko teilte außerdem mit, dass derzeit in der Ukraine rund 10.000 Hektar mit Rebflächen bepflanzt sind. Seinen Worten zufolge erfordert der Rückgang der Rebflächen zusätzliche Aufmerksamkeit seitens des Staates und der Branche, da ohne die Erhaltung und den Ausbau der Rohstoffbasis ein stabiles Wachstum der Weinproduktion nicht gewährleistet werden kann.

Für den ukrainischen Weinmarkt wird das Interesse des Einzelhandels und des HoReCa-Sektors an lokalen Erzeugern bereits zu einem wichtigen Faktor. Olena Gordon, Vertreterin des Verbandes „Ukraine Food Retail Alliance“ (UFRA), dem die führenden ukrainischen Lebensmitteleinzelhandelsketten ATB-Market, Silpo, VARUS, NOVUS und KOLO angehören, wies darauf hin, dass der Zugang lokaler Produzenten zu den Handelsketten nur möglich ist, wenn sie die Standards erfüllen und bereit sind, ihre Produktion zu skalieren.

Dieser Faktor ist besonders wichtig für Craft-Weingüter, die bereits ein starkes lokales Produkt herstellen und über eine eigene Geschichte verfügen, jedoch mit den Anforderungen der Handelsketten hinsichtlich Lieferstabilität, Qualität, Sicherheit, Dokumentation und Rückverfolgbarkeit der Produktion konfrontiert sind.

Vertreter des Gastronomie- und Hotelsektors wiesen ihrerseits darauf hin, dass das Interesse der ukrainischen Verbraucher an einheimischen Weinen bereits zunimmt. Das Potenzial für die Vermarktung ukrainischer Weine besteht sowohl im Inland als auch im Ausland, doch zur Stärkung der Marktposition ist eine systematische Werbung erforderlich – die Teilnahme an internationalen Messen, professionelle Präsentationen, Verkostungen und „Blindverkostungen“, die es ermöglichen, die Qualität der Produkte objektiv unter Beweis zu stellen.

Der Weintourismus entwickelt sich bereits zu einem eigenständigen Marketinginstrument. Festivals, Verkostungen und die Entwicklung von Weinstraßen tragen dazu bei, eine emotionale Bindung zwischen Erzeuger und Verbraucher aufzubauen, ukrainischen Wein einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten für ländliche Gebiete zu schaffen.

Nach Ansicht der Teilnehmer erfordert die handwerkliche Weinherstellung einen eigenen Ansatz in Bezug auf Regulierung und Entwicklung, da sie nicht nach denselben Kriterien bewertet werden kann wie die industrielle Massenproduktion. Für das Wachstum des Sektors sind die Schaffung einer Kultur des Konsums ukrainischen Weins, die Unterstützung lokaler Produzenten und die Entwicklung des Binnenmarktes wichtig, der als Grundlage für den späteren Export dienen kann.

Mykola Patyka, Vizepräsident der Nationalen Akademie für Agrarwissenschaften der Ukraine, hob die Rolle der Wissenschaft bei der Erhaltung und Entwicklung des genetischen Potenzials ukrainischer Rebsorten hervor. Wissenschaftliche Begleitung, Züchtung, Untersuchungen zur Anpassungsfähigkeit der Sorten und die Arbeit mit genetischen Ressourcen sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass lokale Sorten nicht nur Teil des kulturellen Erbes, sondern auch ein wettbewerbsfähiges Produkt auf dem modernen Markt werden.

Die Entwicklung lokaler Rebsorten schafft bereits die Voraussetzungen für die Entstehung neuer regionaler Marken, geografischer Angaben, die Stärkung ländlicher Gebiete und die Steigerung der Bekanntheit ukrainischer Produkte auf internationalen Märkten. Für die Branche bedeutet dies den Übergang von der allgemeinen Idee der Popularisierung ukrainischen Weins zu einem konkreteren Modell – mit eigenen Sorten, Herkunft, Geschichte, Qualitätsstandards und Vertriebskanälen.

Der Branchenverband „UKRSADVINPROM“ ist ein Branchenverband, der in den Bereichen Obstbau, Weinbau und Weinherstellung tätig ist. Die Organisation vereint Marktteilnehmer, beteiligt sich an Branchendiskussionen, vertritt die Interessen ukrainischer Hersteller und fördert die Entwicklung von Produkten mit hoher Wertschöpfung. Im Jahr 2026 feierte der Verband sein 10-jähriges Bestehen.

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