Die rumänische Marine hat im Militärhafen von Konstanza am Schwarzen Meer mit dem Test des neuen Drohnenabwehrsystems „Black Talon“ begonnen. Das im Rahmen einer langjährigen Zusammenarbeit mit der US-Marine entwickelte System soll bis Ende Oktober 2026 in den operativen Einsatz gehen.
„Black Talon“ dient der Erkennung, Ortung und Verfolgung von Drohnen in der Nähe kritischer Hafeninfrastruktur. Nach Angaben des rumänischen Militärs umfasst das System ein leistungsstarkes 3D-Radar, elektrooptische Ausrüstung sowie passive Detektoren zur Erkennung elektromagnetischer Strahlung. Das System bietet einen Rundumüberblick von 360 Grad und kann gezielt auf erkannte Ziele einwirken.
Der Erfassungsradius für Bedrohungen beträgt etwa 10 km. Eine der wichtigsten Abwehrmaßnahmen ist die elektronische Störung – „Black Talon“ ist in der Lage, die Kommunikationsverbindung zwischen dem Drohnenfluggerät und seinem Bediener zu unterbrechen, wodurch die Bedrohung neutralisiert werden kann, ohne dass das Fluggerät physisch zerstört werden muss.
Derzeit werden rumänische Soldaten im Umgang mit der neuen Ausrüstung geschult. Nach Konstanza sollen auch die Militärhäfen Mangalia, Tulcea und Brăila mit ähnlichen Systemen ausgestattet werden. Drei weitere Systeme sollen von der amerikanischen Seite bereitgestellt werden. Auf diese Weise wird der Schutz die rumänischen Militärhäfen sowohl am Schwarzen Meer als auch an der Donau, insbesondere in der Nähe der ukrainischen Grenze, abdecken.
Parallel dazu bereitet die rumänische Marine das Sentinel-System auf den Einsatz vor, um Bedrohungen vom Meer und aus dem Wasser heraus zu überwachen. Dieses System wird Sonare einsetzen, die in der Lage sind, unbemannte Unterwasserfahrzeuge, Kampftaucher und Mini-U-Boote zu erkennen. Nach Angaben von Vertretern der Marine können „Black Talon“ und „Sentinel“ integriert werden und so ein umfassendes Überwachungssystem für den Luft-, Oberflächen- und Unterwasserraum rund um die Militärhäfen bilden.
Der Kommandant des Militärhafens Konstanza, Flottillen-Konteradmiral Ciprian Mandaki, teilte am 16. September mit, dass das Programm bereits seit mehreren Jahren gemeinsam mit der US-Marine umgesetzt wird und nun in die Phase des praktischen Einsatzes übergegangen ist. „Black Talon“ soll in erster Linie kritische militärische Infrastruktur vor Drohnen aus der Luft schützen.
Die Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen in Konstanza erfolgt nach einem schwerwiegenden Vorfall am 5. Juni 2026, als im zivilen Teil des Hafens, in der Nähe des Kais Nr. 78, eine maritime Drohne entdeckt wurde. Gegen 10:30 Uhr sprengte sich das Gerät selbst in die Luft. Es gab keine Verletzten, da das Gebiet zu diesem Zeitpunkt bereits von den rumänischen Sicherheitsdiensten, der Küstenwache und dem Militär abgesperrt worden war. Das rumänische Verteidigungsministerium teilte offiziell mit, dass das Fluggerät nicht der rumänischen Armee gehörte und von einem Typ war, der im Krieg in der Ukraine eingesetzt wird. Die Ermittlungen zu dem Vorfall wurden an die Staatsanwaltschaft übergeben.
Nach diesem Vorfall wies die rumänische Führung an, die Maßnahmen zum Schutz der Hafeninfrastruktur zu beschleunigen. Das Programm „Black Talon“ selbst war jedoch bereits früher ins Leben gerufen worden und wurde im Rahmen der Zusammenarbeit Rumäniens mit den USA im Bereich der maritimen Sicherheit weiterentwickelt.
Für die Ukraine ist die Verstärkung der Sicherheit der rumänischen Häfen von besonderer Bedeutung, da Konstanza und die Donauhäfen nahe an der ukrainischen Grenze liegen und eine wichtige Rolle in der Transportinfrastruktur der Region am Schwarzen Meer und an der Donau spielen.