Der Rekordsieg der „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gibt der Partei nicht die Möglichkeit, die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland eigenständig zu verändern oder die militärische Unterstützung für die Ukraine zu stoppen, kann jedoch den politischen Druck auf die Bundesregierung verstärken, heißt es in einer Analyse des Informations- und Analysezentrums Experts Club.
Bei der Wahl am 6. September erhielt die AfD 43,8% der Stimmen und 39 der 83 Sitze im Landtag. Für eine absolute Mehrheit sind 42 Abgeordnete erforderlich. Die rechnerisch einfachste Variante zur Bildung einer Mehrheit wäre ein Bündnis der AfD mit den fünf Abgeordneten des „Bündnis Sahra Wagenknecht“ (BSW), das auf 44 Stimmen käme. Gleichzeitig gibt es derzeit keine Vereinbarung über eine solche Koalition. CDU, SPD, Grüne und Linke lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab.
Selbst im Falle der Bildung einer AfD-Landesregierung würden sich deren Kompetenzen vor allem auf Bildung, Kultur, Polizei, regionale Verwaltung, Infrastruktur und den Landeshaushalt konzentrieren. Außenpolitik und Verteidigung fallen gemäß dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in die Zuständigkeit des Bundes.
„Die Regierung Sachsen-Anhalts erhält keine eigene Stimme in der NATO und kann die Bundesfinanzierung der Hilfe für die Ukraine nicht eigenständig aufheben“, betonte der Gründer des Experts Club, Maksym Urakin.
Sachsen-Anhalt verfügt über vier der 69 Stimmen im Bundesrat. Dies ermöglicht es der Landesregierung, Einfluss auf einen Teil der Bundesgesetzgebung zu nehmen, insbesondere bei Fragen, die die Zuständigkeiten der Länder betreffen. Um Entscheidungen zu blockieren, benötigt sie jedoch Verbündete unter den anderen Ländern.
Magdeburg wird auch kein politisches Verbot für den Transit militärischer Güter für die Ukraine einführen können. Gleichzeitig sind die Landesbehörden an der Abstimmung bestimmter Transport- und Verwaltungsverfahren beteiligt, weshalb eine konfrontative Haltung der Regionalregierung theoretisch zu Verzögerungen und zusätzlichen bürokratischen Schwierigkeiten führen könnte.
Auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts befinden sich wichtige Einrichtungen der Bundeswehr, darunter das Gefechtsübungszentrum Heer im Raum Gardelegen—Letzlingen, der Truppenübungsplatz Klietz, auf dem ukrainische Besatzungen des Leopard 1A5 ausgebildet wurden, sowie Logistikeinheiten in Burg. Gleichzeitig unterstehen diese Strukturen den Bundesverteidigungsbehörden und nicht der Landesregierung.
Unmittelbarer könnten die Folgen für die in dem Land lebenden Ukrainer werden. Die AfD setzt sich für eine Kürzung der sozialen Unterstützung für Ukrainer, eine Änderung der Ansätze bei Integrationsprogrammen und eine Verschärfung der Rückkehrpolitik ein. Das Land kann den auf EU-Ebene eingeführten vorübergehenden Schutzstatus nicht abschaffen, kann jedoch zusätzliche regionale Programme und die Verwaltungspraxis beeinflussen.