Der Markt für kurzfristige Ferienvermietungen in Spanien erlebt den stärksten Rückgang der letzten Jahre: Die Zahl der auf digitalen Plattformen angebotenen Unterkünfte sank im Mai 2026 im Jahresvergleich um 10,7 %, wie das spanische Statistikinstitut (INE).
Nach Angaben des INE sind innerhalb eines Jahres 40.836 Tausend touristische Unterkünfte vom Markt verschwunden. Dies war der zweitstärkste Rückgang des Angebots seit Beginn der statistischen Erfassung durch die Behörde.
Trotz des Rückgangs im Jahresvergleich hat sich der Markt zu Beginn der Hochsaison im Sommer im Vergleich zum November 2025 teilweise erholt: Das Angebot stieg um 3,4 % bzw. um 11.237 Tausend Unterkünfte. Im Mai gab es in Spanien 341.001 Tausend aktive touristische Beherbergungsbetriebe, die insgesamt 1,71 Millionen Schlafplätze bereitstellten. Im Durchschnitt entfielen auf einen Betrieb etwa fünf Schlafplätze.
Der Rückgang des Angebots betraf alle wichtigen Tourismusregionen des Landes. Der deutlichste Rückgang wurde in der Autonomen Gemeinschaft Valencia verzeichnet, wo der Markt innerhalb eines Jahres fast 12.000 Objekte verlor und der Gesamtbestand an aktiven Angeboten auf 51.268 Tausend schrumpfte. Dies führte dazu, dass die Region den zweiten Platz beim Angebotsvolumen an Katalonien abgeben musste.
Andalusien behielt trotz eines Rückgangs um 5.527 Tausend Objekte seinen Status als größter Markt für Ferienunterkünfte in Spanien bei – mit 90.649 Tausend Wohnungen und Villen. Katalonien verlor 5.546 Tausend Objekte, blieb aber mit 51,3 Tausend aktiven Angeboten unter den Spitzenreitern.
Auch auf den Inselmärkten war ein Rückgang zu verzeichnen. Auf den Kanarischen Inseln sank die Zahl der Objekte um 2.33 auf 48.356, auf den Balearen um 3.057 auf 21.304 Angebote.
Auf Provinzebene bleiben die touristischen Küstenregionen die größten Märkte. An der Spitze steht Málaga mit 45.176 Objekten, gefolgt von Alicante mit 32.148 und Las Palmas mit 26.998.
Betrachtet man einzelne Gemeinden, so weist Madrid mit 10.836 Tausend Objekten die größte Konzentration an Ferienunterkünften auf. Es folgen die Stadt Málaga mit 8.288 Tausend, Barcelona mit 8.231 Tausend, Marbella mit 6.987 Tausend und Sevilla mit 6.937 Tausend Unterkünften.
Analysten führen den Rückgang des Angebots auf strengere kommunale Vorschriften, den Entzug von Lizenzen und den zunehmenden politischen Druck auf den Sektor der Kurzzeitvermietung zurück. In Spanien verschärft sich seit einigen Jahren der Konflikt zwischen der Tourismusbranche, den Immobilienbesitzern und den Einheimischen, die mit einem Mangel an erschwinglichen Langzeitmietwohnungen und steigenden Preisen in Großstädten und Urlaubsregionen konfrontiert sind.
Für den Immobilienmarkt bedeutet dies einen Phasenwechsel. Die touristische Vermietung bleibt ein ertragreiches Segment, wird jedoch für Investoren zunehmend stärker reguliert und risikobehaftet. Waren früher eine hohe Auslastung und der Touristenstrom die entscheidenden Faktoren, so gewinnen nun die Lizenz, kommunale Beschränkungen, der rechtliche Status der Immobilie und die Widerstandsfähigkeit des Standorts gegenüber möglichen Verboten zunehmend an Bedeutung.
Für Immobilienkäufer in Spanien ist dies ein wichtiges Signal: Eine Immobilie, die früher als Instrument für die Kurzzeitvermietung angesehen wurde, kann bei einer Änderung der lokalen Vorschriften einen Teil ihrer Investitionsattraktivität einbüßen. Dies gilt insbesondere für überhitzte Tourismusgebiete, in denen die Behörden die Kurzzeitvermietung am stärksten einschränken.
Gleichzeitig könnte der Rückgang des Angebots an Ferienwohnungen den Markt für Hotels und Aparthotels stützen und dazu beitragen, dass ein Teil der Wohnungen wieder in die Langzeitvermietung zurückgeführt wird. Eine schnelle Lösung des Problems der Wohnraumverfügbarkeit ist damit jedoch kaum zu erwarten: Die Nachfrage nach Wohnraum in Großstädten und Tourismusregionen bleibt hoch, während das neue Angebot begrenzt ist.