Wie der Serbische Ökonom berichtet, könnte das Unternehmen von Jared Kushner von Serbien eine Entschädigung in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro wegen Nichteinhaltung der Vertragsbedingungen für das Bauprojekt eines Hotel- und Wohnkomplexes an der Stelle des ehemaligen Generalstabs im Zentrum von Belgrad fordern, erklärte die stellvertretende Vorsitzende der oppositionellen Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, Marinica Tepić.
Ihren Angaben zufolge sah der Vertrag zwischen dem serbischen Staat und Kushners Unternehmen Verpflichtungen seitens Serbiens vor, die die Vorbereitung des Baugeländes für das Projekt betrafen, doch diese wurden nicht erfüllt. Tepić behauptet, dass Kushners Unternehmen aus diesem Grund eine Entschädigung in Höhe von 50 Millionen Euro fordern könnte.
Bislang handelt es sich dabei lediglich um eine Erklärung der Oppositionspolitikerin und nicht um eine öffentlich bestätigte Klage oder eine offizielle Forderung seitens des Unternehmens Kushner.
Das Projekt betraf das Gelände des ehemaligen Generalstabs in Belgrad, das bei den NATO-Bombardements 1999 beschädigt wurde. Der Komplex hatte lange Zeit den Status eines Kulturerbes, doch 2024 hob die serbische Regierung diesen Schutzstatus auf, was den Weg für das Bauprojekt ebnete.
Medienberichten zufolge erklärte sich die serbische Seite bereit, das Grundstück an ein mit Kushner verbundenes Unternehmen für 99 Jahre zu verpachten. Das Projekt sah den Bau eines Hotels, von Wohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen an einem der markantesten Standorte Belgrads vor.
Die Initiative stieß auf heftigen Widerstand seitens der serbischen Opposition, von Architekten und Aktivisten. Für viele Einwohner Belgrads ist das Gebäude des Generalstabs nicht nur ein zerstörtes Objekt im Stadtzentrum, sondern ein Symbol für die NATO-Bombardements von 1999 und ein Ort der Erinnerung an die jüngste Geschichte Serbiens. Die Gegner des Projekts forderten, den Denkmal- und Kulturschutzstatus des Komplexes zu erhalten und ihn nicht in Gewerbeimmobilien umzuwandeln.
Die Situation verschärfte sich nach Ermittlungen zu den Dokumenten, auf deren Grundlage dem Komplex der Status als Kulturdenkmal entzogen wurde. Serbische Staatsanwälte hatten zuvor Anklage gegen amtierende und ehemalige Beamte wegen möglicher Fälschung von Dokumenten erhoben, die zur Aufhebung des Denkmalschutzstatus des Generalstabs verwendet worden waren. Daraufhin berichteten westliche Medien, dass Kushner das Projekt vor dem Hintergrund der Proteste und rechtlichen Probleme rund um das Gelände aufgegeben habe.
Jared Kushner ist ein US-amerikanischer Unternehmer, Gründer der Investmentgesellschaft Affinity Partners, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump und ehemaliger leitender Berater im Weißen Haus während Trumps erster Amtszeit.
Der serbische Präsident Aleksandar Vučić kritisierte das Scheitern des Projekts scharf und erklärte, das Land habe eine große Investition verloren.
Ihm zufolge ging es um Investitionen in Höhe von mindestens 750 Millionen Euro und Tausende von Arbeitsplätzen. Vučić versprach, persönlich Strafanzeige gegen diejenigen zu erstatten, die seiner Aussage nach an der „Kampagne“ zur Zerschlagung des Projekts beteiligt waren.
Für Serbien wird die mögliche Forderung nach Entschädigung zu einer neuen Phase in dieser politisch heiklen Angelegenheit. Einerseits stellten die Behörden das Projekt als Großinvestition dar, die einen der markantesten Standorte im Zentrum von Belgrad wiederbeleben könnte. Andererseits sind die Gegner des Projekts der Ansicht, dass der Staat ein symbolisch wichtiges Objekt nicht an einen privaten ausländischen Investor für ein Hotel und eine gewerbliche Bebauung hätte abtreten dürfen.
Die entscheidende Frage lautet nun, ob das Unternehmen Kushner eine offizielle Forderung an Serbien stellen wird und auf welcher Grundlage. Eine offizielle Mitteilung des Unternehmens Kushner über die Einreichung einer Klage oder die Forderung von 50 Millionen Euro ist bislang in öffentlichen Quellen nicht veröffentlicht worden.