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Wissenschaftler vermuten, dass ein längerer Umgang mit KI das Verhalten von Menschen vereinheitlichen könnte

5 September , 2026  

Wie Experts.news berichtet, kann die regelmäßige Interaktion mit künstlicher Intelligenz und sozialen Robotern nach und nach Einfluss darauf nehmen, wie Menschen kommunizieren, sich selbst wahrnehmen und ihr Verhalten gestalten. Dies geht aus einer Studie von Wissenschaftlern aus Großbritannien, Dänemark und Schweden hervor, die am 19. August 2026 in der Fachzeitschrift „AI & Society“ veröffentlicht wurde.

Die Autoren der Studie von der University of Birmingham, der Aarhus University und der Linnaeus University haben den Begriff „robotoid humanness“ – „robotoide Menschlichkeit“ – geprägt. Unter diesem Begriff verstehen die Forscher einen möglichen Prozess, bei dem ein Mensch im Zuge wiederholter Interaktionen mit KI beginnt, sein eigenes Verhalten an die Logik der Maschine anzupassen – also vorhersehbarer, standardisierter und für die algorithmische Verarbeitung besser geeignet zu werden.

Besonders deutlich könnte sich dieser Effekt potenziell im Dienstleistungssektor zeigen, wo KI bereits im Handel, im Hotelgewerbe, im Tourismus und im Gesundheitswesen eingesetzt wird. Moderne digitale Assistenten und Roboter imitieren die menschliche Sprache und emotionale Signale und personalisieren ihre Antworten, um Vertrauen zu schaffen und die Interaktion mit dem Kunden zu erleichtern.

Die Forscher vermuten, dass dieser Prozess in beide Richtungen verlaufen könnte. Maschinen werden den Menschen immer ähnlicher, aber auch der Mensch könnte unbewusst Kommunikationsmerkmale aus dem Umgang mit Maschinen übernehmen.

„Der Verbraucher handelt, der Roboter antwortet, und im Laufe wiederholter Interaktionen eignet sich der Mensch dieses Kommunikationsmodell mit der Zeit an“, erklärt eine der Autorinnen der Studie, Selchen Öztürkcan von der Linnaeus-Universität. Ihrer Aussage nach kann die natürliche Neigung des Menschen, das Verhalten seines Gesprächspartners nachzuahmen, dazu führen, dass Nutzer beginnen, die kommunikativen Merkmale der KI zu reproduzieren.

Die Autoren beschreiben einen dreistufigen Mechanismus. Zunächst beginnt der Mensch, die Interaktion mit der KI als soziale Interaktion wahrzunehmen. Dann erstellt der Algorithmus ein vereinfachtes digitales Modell des Nutzers und gibt es ihm in Form personalisierter Antworten zurück. In der Folge kann der Nutzer seine Selbstdarstellung und sein Verhalten schrittweise an jene Formen anpassen, die das System leichter erkennt und fördert.

Als eines der Risiken nennen die Wissenschaftler die Entstehung einer Art Rückkopplung, bei der der Algorithmus ständig die ihm bereits bekannten Eigenschaften des Nutzers bestätigt. Im Gegensatz zur Kommunikation mit Menschen, bei der der Gesprächspartner unerwartet widersprechen, etwas falsch verstehen oder eine ganz andere Sichtweise vorschlagen kann, sind algorithmische Systeme in der Regel auf Konsistenz, Benutzerfreundlichkeit und Personalisierung ausgerichtet. Dies kann potenziell die Bestätigung bestehender Ansichten verstärken und die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten einschränken.

Gleichzeitig betonen die Autoren eine wichtige Einschränkung ihrer Arbeit: Es handelt sich um eine theoretische Studie und nicht um ein Experiment mit Nutzern. Die Wissenschaftler haben bislang nicht nachgewiesen, dass eine längere Interaktion mit ChatGPT, Robotern oder anderen Systemen der künstlichen Intelligenz Menschen tatsächlich „roboterhafter“ macht. Das vorgeschlagene Konzept muss in weiteren empirischen Studien überprüft werden.

Der wissenschaftliche Artikel „Robotoid humanness: when selfhood becomes machine-legible“ wurde am 19. August 2026 in der Zeitschrift „AI & Society“ veröffentlicht. Der Beitrag von ScienceAlert, der auf die Studie aufmerksam machte, erschien am 31. August.

Wissenschaftlicher Artikel in „AI & Society“

Beitrag von ScienceAlert vom 31. August 2026

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