Wie der Serbische Ökonom berichtet, könnte der ungarische Immobilienmarkt nach mehreren Jahren geringer Aktivität ausländischer Käufer in eine Phase des wiederauflebenden Interesses seitens ausländischen Kapitals eintreten.
Experten zufolge blieb der ungarische Markt lange Zeit hinter seinem Potenzial zurück: Nach vier Jahren der Stagnation haben ausländische Investoren weitgehend den inländischen Käufern Platz gemacht. Nun erwarten Analysten, dass eine Kombination aus politischen Veränderungen, möglichen Reformen und der aufgestauten Nachfrage Ungarn wieder in den Fokus internationaler Investoren rücken könnte.
Ein weiterer Faktor sind die Erwartungen hinsichtlich einer Verbesserung des Investitionsklimas und einer möglichen Freigabe europäischer Finanzmittel. Property Forum stellt fest, dass Marktteilnehmer über einen „Neustart“ des ungarischen Immobilienmarktes nach den Wahlen im April 2026 diskutieren, wobei makroökonomische Stabilität, Regulierung und die Bereitschaft institutioneller Investoren, ins Land zurückzukehren, weiterhin zentrale Themen sind.
Dabei hat der Markt bereits eine Phase deutlicher Preissteigerungen durchlaufen. Nach Angaben des Global Property Guide unter Berufung auf den Wohnimmobilienpreisindex der Ungarischen Nationalbank verteuerten sich Wohnimmobilien in Ungarn im dritten Quartal 2025 um 21,29 % im Jahresvergleich bzw. um 16,29 % real, was auf einen starken Preisanstieg hindeutet, noch bevor die ausländische Nachfrage wieder voll zurückkehrt.
Im Jahr 2026 erscheint der Markt ausgewogener. Nach Angaben von Duna House, die von International Investment zitiert werden, werden etwa 78 % der Transaktionen unter dem ursprünglichen Angebotspreis abgeschlossen, was auf eine Stärkung der Verhandlungsposition der Käufer und einen Übergang des Marktes von einer Überhitzung zu einer ruhigeren Phase hindeutet.
Budapest bleibt das Hauptinteressezentrum. Die Hauptstadt vereint eine hohe Mietnachfrage, eine gut ausgebaute Infrastruktur, Touristenströme und den Status als Geschäftszentrum des Landes. Gerade in Budapest diskutieren die Behörden jedoch auch über Beschränkungen für Kurzzeitvermietungen: Zuvor hatte einer der zentralen Stadtbezirke für ein Verbot von Kurzzeitvermietungen ab 2026 gestimmt, was das Investitionsmodell für einen Teil der Käufer verändern könnte.
Für ausländische Investoren bietet Ungarn weiterhin einige Vorteile: Die Preise sind niedriger als in den meisten Hauptstädten Westeuropas, der Markt gehört zur EU, und die Abwertung des Forint könnte den Kauf für Käufer mit Kapital in Euro oder Dollar attraktiver machen. Gleichzeitig bleiben die Risiken beträchtlich: Mietregulierung, die hohe Inflation der letzten Jahre, politische Unsicherheit sowie die Abhängigkeit des Marktes von staatlicher Unterstützung und Kreditbedingungen.
Die Rückkehr ausländischen Kapitals könnte die Preise stützen, insbesondere in Budapest und anderen liquiden Lagen. Für einheimische Käufer könnte dies jedoch das Problem der Wohnraumerschwinglichkeit verschärfen, das in Ungarn bereits zu einem wichtigen sozialen Thema geworden ist. Die Regierung hat zuvor Programme zur Förderung des Erwerbs von Erstwohnungen aufgelegt, darunter subventionierte Kredite zu 3 % mit einer Laufzeit von bis zu 25 Jahren, um jungen Käufern den Einstieg in den Markt zu erleichtern.
Somit geht der ungarische Immobilienmarkt mit einer zwiespältigen Lage ins Jahr 2026: Die Preise sind bereits deutlich gestiegen, die Nachfrage ist zurückhaltender geworden, doch die Erwartung politischer und wirtschaftlicher Veränderungen könnte ausländische Investoren wieder anziehen. Für den Markt bedeutet dies eine wahrscheinliche Belebung der Transaktionen, für Käufer hingegen die Notwendigkeit, Lage, Mietmodell und regulatorische Risiken genauer zu prüfen.