Am 13. August leitete das rumänische Staatsunternehmen Nuclearelectrica die kontrollierte Abschaltung des zweiten Reaktorblocks des Kernkraftwerks Cernavodă ein, da der Wasserstand der Donau anhaltend gesunken ist. Infolgedessen verfügt das einzige Kernkraftwerk des Landes vorübergehend über keine in Betrieb befindlichen Reaktoren.
Die offizielle Mitteilung von Nuclearelectrica wurde am 13. August an die Bukarester Börse übermittelt. Das Unternehmen gibt an, dass die Entscheidung aufgrund eines „erheblichen und anhaltenden Rückgangs des Wasserstands in der Donau“ unter Berücksichtigung der Prognosen des Nationalen Instituts für Hydrologie und Wasserwirtschaft Rumäniens (INHGA) getroffen wurde.
Das Verfahren zur kontrollierten Leistungsreduzierung des zweiten Blocks begann am Morgen. Der Direktor des Kernkraftwerks, Romeo Urian, hatte zuvor mitgeteilt, dass die Leistung gegen Mittag auf null sinken solle, woraufhin der Block vom nationalen Stromnetz getrennt werde.
Der erste Block von Cernavodă wurde am 28. Juli aus demselben Grund abgeschaltet. Damals begründete das Unternehmen „Nuclearelectrica“ diese Entscheidung ebenfalls mit dem beispiellos niedrigen Wasserstand der Donau infolge einer schweren Dürre.
Jeder der beiden in Betrieb befindlichen CANDU-Reaktoren hat eine Leistung von etwa 706 MW. Zusammen decken sie unter normalen Betriebsbedingungen etwa 20 % der Stromerzeugung Rumäniens ab.
Die Situation hinsichtlich des Wasserhaushalts bleibt äußerst schwierig. Nach Angaben der INHGA betrug die Durchflussmenge der Donau am Morgen des 13. August an der rumänischen Grenze bei Băziașa lediglich 1.350.000 Kubikmeter pro Sekunde.
Der langjährige Durchschnittswert für August liegt bei etwa 3.900 Kubikmetern pro Sekunde. Somit entspricht der derzeitige Abfluss nur etwa 35 % des üblichen August-Niveaus.
Entscheidend ist, dass die offizielle hydrologische Prognose bislang keine nennenswerte Erholung vorhersagt.
Das bedeutet, dass selbst eine Stabilisierung des Donau-Pegels auf dem derzeitigen Stand noch keine ausreichende Grundlage für eine rasche Wiederinbetriebnahme der Kernkraftwerksblöcke bietet.
Vor der Abschaltung des zweiten Blocks hatten die rumänischen Behörden außergewöhnliche technische Maßnahmen ergriffen, um mehr Wasser in Richtung Cernavodă umzuleiten.
An einer Stelle wurden kontrollierte Sprengarbeiten an einem Felshindernis durchgeführt, das Flussbett vertieft und vier mit Steinen beladene Lastkähne gezielt versenkt, um einen Teil des Wassers aus dem Bala-Arm in das Hauptbett der Donau umzuleiten.
Diese Maßnahmen zeigten vorübergehend Wirkung. Nach dem Versenken der Lastkähne lag der Wasserstand im Bereich von Cernavodă etwa 8 cm über der berechneten Kurve, wodurch der zweite Reaktor noch einige Tage länger in Betrieb gehalten werden konnte.
Langfristig gelang es jedoch nicht, den Wassermangel durch technische Maßnahmen auszugleichen.
Für die Wiederherstellung des Wasserstands in Cernavodă sind nicht so sehr lokale Niederschläge direkt in der Nähe des Kraftwerks entscheidend, sondern vielmehr Regenfälle in einem großen Gebiet des oberen und mittleren Donaubeckens, vor allem in Deutschland, Österreich, der Slowakei, Ungarn und weiter flussabwärts.
Die aktuelle Zehntagesvorhersage zeigt eine erste spürbare Wetteränderung im oberen Teil des Einzugsgebiets am 18. August. In Wien werden für den 17. August Gewitter und für den 21. August Regen vorhergesagt. In Bratislava werden am 17. August Starkregenfälle und am 18. August lokale Gewitter erwartet.
Weiter flussabwärts ist die Lage jedoch weniger günstig. Für Budapest werden bis zum 22. August bislang keine nennenswerten Niederschläge vorhergesagt. Auch in Belgrad wird überwiegend trockenes und heißes Wetter erwartet.
Direkt in Cernavoda ist die Vorhersage bis zum 22. August nahezu vollständig trocken, wobei die Temperatur nach dem 17. August wieder über 30 Grad steigen könnte.
Aus der Kombination von hydrologischen und meteorologischen Vorhersagen geht hervor, dass bis zum 20. August keine wesentliche Verbesserung zu erwarten ist.
Optimistisches Szenario: Am 17. und 18. August kommt es in Österreich und der Slowakei zu starken Niederschlägen, eine neue Front zieht um den 21. August herum auf, woraufhin der Pegel der Donau merklich ansteigen wird. Dann könnten die technischen Voraussetzungen für die Vorbereitung der Wiederinbetriebnahme etwa vom 23. bis 26. August gegeben sein.
Basisszenario: Die Niederschläge fallen moderat aus und verhindern lediglich einen weiteren Rückgang des Wasserstands. Dann ist eine Wiederinbetriebnahme eher in der letzten Augustwoche, etwa vom 26. bis 31. August, wahrscheinlich.
Negatives Szenario: Es kommt nur zu lokalen Regenfällen, während die Hitze im mittleren und unteren Lauf der Donau anhält. Dann könnten beide Blöcke auch Anfang September noch abgeschaltet bleiben.
Um die Ausfälle bei der Stromerzeugung auszugleichen, werden die Behörden mehrere Quellen nutzen.
Das Energieministerium rechnet mit einem Anstieg der Windenergieerzeugung: In den kommenden Tagen wird die durchschnittliche Leistung auf etwa 525 MW geschätzt, in einzelnen Zeiträumen könnte sie bis zu 1,56 GW erreichen.
Zudem wurde das 330-MW-Kohlekraftwerk Rovinari 4 in die Reserve aufgenommen, und das Unternehmen Hidroelectrica soll im Rahmen der verfügbaren Wasserressourcen mindestens etwa 300 MW an zusätzlicher Kapazität bereitstellen. Außerdem hat Rumänien mit dem Strombezug aus der Ukraine begonnen.
Die gesamte grenzüberschreitende Übertragungskapazität des rumänischen Stromnetzes für Importe beträgt etwa 4 GW. Die Behörden erwägen insbesondere Stromlieferungen aus Südeuropa über Bulgarien.
Dabei erhöht die Abschaltung von „Cernavodă“ die Preisrisiken.