Wie der Serbische Ökonom berichtet, wurde am 29. August im serbischen Šabac im Rahmen eines gemeinsamen Projekts der chinesischen Unternehmen Minth Group und AGIBOT offiziell die Serienproduktion humanoider Roboter aufgenommen. Die serbische Entwicklungsagentur (RAS) bezeichnet diesen Standort als Europas ersten Standort für die Massenproduktion humanoider Roboter. Die erste Projektphase wird auf 20 Millionen Euro geschätzt.
Die Produktion wurde am bestehenden Standort von Minth Metal Parts Majur in Šabac aufgenommen. Der erste dort montierte Roboter erhielt seine Seriennummer direkt während der Eröffnungsfeier, an der der serbische Präsident Aleksandar Vučić, der Gründer der Minth Group, Qing Zhonghua, sowie Vertreter von AGIBOT, der serbischen Regierung, der Stadt Šabac und der Serbischen Entwicklungsagentur teilnahmen.
„Heute hat Serbien einen Schritt in die Zukunft gemacht und gezeigt, dass es in der Lage ist, mit einer Geschwindigkeit voranzukommen, die für viele weiter entwickelte Länder Europas unerreichbar ist“, erklärte Vučić bei der Eröffnung des Werks.
Nach Angaben des Präsidenten rechnet das Unternehmen in der ersten Phase mit einer Jahresproduktion von über 5.000 Robotern, wobei zunächst etwa 200 Mitarbeiter direkt in diesem neuen Geschäftsbereich tätig sein werden. Langfristig soll das Projekt von der Montage zu einer tiefergehenden Lokalisierung der Produktion übergehen. Vučić betonte, dass er es für grundsätzlich wichtig halte, dass die Roboter die Kennzeichnung „Made in Serbia“ tragen.
Die nächste Phase des Projekts ist deutlich umfangreicher. Minth beabsichtigt, in Indija einen Robotics Industrial Park mit einem geplanten Gesamtinvestitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro zu errichten. Dort soll die Produktion von Robotern, unbemannten Systemen, Akkus und anderen Hightech-Komponenten zusammengeführt werden. Nach der Umsetzung des Projekts könnte die angekündigte Produktionskapazität 20.000 humanoide Roboter und Roboterhunde pro Jahr erreichen, die sowohl für den europäischen als auch für den weltweiten Markt bestimmt sind.
Das Projekt ist vor allem deshalb interessant, weil die Technologie nicht von einem kleinen, experimentell ausgerichteten Unternehmen nach Serbien kommt. Technologiepartner von Minth ist das 2023 gegründete Unternehmen AGIBOT Innovation aus Shanghai, das sich auf „embodied AI“ spezialisiert hat – die Kombination von künstlicher Intelligenz mit Robotern, die in der Lage sind, ihre Umgebung wahrzunehmen, Entscheidungen zu treffen und physische Aufgaben auszuführen.
Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Smart Analytics Global beliefen sich die weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter im ersten Halbjahr 2026 auf rund 19.100 Einheiten, was einem Anstieg von 272 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. AGIBOT lieferte rund 8,4 Tausend Roboter aus und eroberte damit 44 % des Weltmarktes, womit das Unternehmen Unitree Robotics mit einem Marktanteil von 31 % hinter sich ließ. Damit ist der Technologiepartner des serbischen Projekts derzeit gemessen am Liefervolumen der weltweit größte Anbieter humanoider Roboter.
AGIBOT verfügt bereits über eine eigene Produktionsstätte in Shanghai. Die ersten 1.000 Universalroboter brachte das Unternehmen Anfang 2025 auf den Markt, und bis Mitte 2026 erreichte das Gesamtproduktionsvolumen laut Angaben der RAS 15.000 Einheiten.
Der zweite Projektpartner – die Minth Group – ist deutlich älter und größer. Das Unternehmen wurde in den 1990er Jahren von Qin Junhua gegründet und gehört heute zu den weltweit führenden Herstellern von Automobilkomponenten. Minth ist an der Hongkonger Börse unter dem Tickersymbol 0425.HK notiert und hat sich auf Karosserieteile, Außenkomponenten für Fahrzeuge, Aluminiumteile und Batteriegehäuse spezialisiert.
Nach Angaben des Konzerns selbst zählte er Ende 2025 27.400 Mitarbeiter sowie rund 80 Werke und Niederlassungen in 15 Ländern auf vier Kontinenten.
Ein weiterer Bestandteil des sich bildenden Clusters soll die Batterieindustrie werden. Vučić erklärte, dass mit dem Unternehmen Reliance die ersten Vereinbarungen über ein Batteriewerk in Inji im Wert von rund 100,5 Millionen Euro geschlossen werden sollen. Dieses Projekt soll mit dem künftigen Park für Robotik und unbemannte Systeme verbunden sein.
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