Wie „Serbischer Ökonom“ berichtet, hat sich das südkoreanische Konsortium unter der Führung der Incheon International Airport Corporation aus dem Verfahren zur Vergabe einer 30-jährigen Konzession für den Betrieb der internationalen Flughäfen von Podgorica und Tivat zurückgezogen.
Die montenegrinische Regierung teilte am 18. Juli mit, dass sie ein offizielles Schreiben erhalten habe, in dem das Konsortium seine weitere Teilnahme am Verfahren ablehnte. Die Gründe für die Entscheidung der südkoreanischen Seite wurden bislang nicht bekannt gegeben. Die Regierung erklärte, sie habe nicht die Absicht, vollständig auf die Einbindung eines privaten Betreibers zu verzichten, werde jedoch keine Bedingungen akzeptieren, die den staatlichen Interessen zuwiderlaufen könnten.
Incheon galt als Gewinner der Ausschreibung. Im April 2026 hatte die montenegrinische Regierung beschlossen, den Abschluss eines Konzessionsvertrags mit dem südkoreanischen Konsortium voranzutreiben. Das Angebot sah eine einmalige Zahlung an den Staat in Höhe von 100 Millionen Euro, eine jährliche Abführung von 35 % der Bruttoeinnahmen der Flughäfen sowie rund 300 Millionen Euro an obligatorischen Investitionen über einen Zeitraum von 30 Jahren vor. Der finanzielle Gesamtnutzen für den Staat wurde auf über 1 Milliarde Euro geschätzt.
Das Investitionsprogramm sollte den Ausbau der Terminals, die Modernisierung der Start-, Lande- und Vorfeldinfrastruktur, die Einführung neuer Systeme für die Passagierabfertigung sowie die Erhöhung der Durchsatzkapazität der Flughäfen umfassen. Dabei wurde der Vertragsentwurf wegen des Fehlens einer detaillierten Aufteilung der 300 Millionen Euro Investitionen auf die einzelnen Phasen sowie wegen der Abhängigkeit eines Teils der Arbeiten von der Klärung von Eigentumsfragen durch den Staat kritisiert.
Die Absage von Incheon birgt für Montenegro mehrere Risiken. Das größte davon ist eine weitere Verzögerung bei der Modernisierung der Flughäfen, die für den Tourismus von strategischer Bedeutung sind. Ein Anstieg des Passagieraufkommens ohne den Ausbau der Terminals und Flugsteige könnte zu längeren Warteschlangen, einer Überlastung der Infrastruktur und saisonalen Engpässen führen, insbesondere in Tivat.
Das Land läuft zudem Gefahr, die geplante einmalige Zahlung in Höhe von 100 Millionen Euro nicht zu erhalten und die Mobilisierung von 300 Millionen Euro an privaten Investitionen zu verzögern. Eine erneute Ausschreibung oder Verhandlungen mit einem anderen Bieter könnten viel Zeit in Anspruch nehmen, und die neuen finanziellen Konditionen könnten sich als weniger vorteilhaft erweisen.
Ein weiterer negativer Faktor ist die Unsicherheit hinsichtlich des Rufs des Landes. Ein Rückzug des ausgewählten Investors bereits nach der Entscheidung der Regierung könnte bei anderen internationalen Betreibern Fragen hinsichtlich der Ausschreibungsbedingungen, der Rechtssicherheit und der Geschwindigkeit der Genehmigung großer Infrastrukturprojekte in Montenegro aufwerfen.
Im Juni 2025 erklärte der serbische Finanzminister Sinisa Mali, dass Belgrad an der Verwaltung der Flughäfen von Podgorica und Tivat interessiert sei und bereit sei, erhebliche Investitionen anzubieten. Die montenegrinischen Behörden teilten damals jedoch mit, dass im Rahmen des laufenden Ausschreibungsverfahrens kein offizielles Angebot aus Serbien eingegangen sei.