Deutschland hat 5 Pick-ups und 5 Transporter für Gleisarbeiter, Fernmelde- und Energiefachkräfte übergeben, um die beschädigte Infrastruktur und den Zugverkehr nach den russischen Angriffen auf die Eisenbahn so schnell wie möglich wiederherzustellen – das teilt das Ministerium für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr der Ukraine auf seinem Telegram-Kanal mit.
„Nach jedem Angriff müssen Reparaturteams so schnell wie möglich zum Einsatzort fahren, um die Infrastruktur und den Zugverkehr wiederherzustellen. Dafür braucht es Menschen, Ausrüstung und natürlich Transportmittel.
Wir danken den Eisenbahnern für ihren Einsatz rund um die Uhr. Und wir danken Deutschland für die beständige Unterstützung und praktische Hilfe. Für uns ist es wichtig, dass diese Unterstützung fortgesetzt und verstärkt wird“, erklärte der stellvertretende Minister Wolodymyr Schemaev.
Die Ausrüstung wurde vom Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Ukraine, Boris Ruge, übergeben.
Wie Experts.news berichtet, können ausländische Fachkräfte, die in Deutschland ein Studium oder eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, nach zwei Jahren qualifizierter Berufstätigkeit im Land eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten.
Die geltende Fassung von § 18c des Aufenthaltsgesetzes sieht eine verkürzte Frist für diejenigen vor, die eine Berufsausbildung oder ein Studium an einer Hochschule direkt in Deutschland erfolgreich abgeschlossen haben. Für diese Fachkräfte beträgt die erforderliche Aufenthaltsdauer mit einer Arbeitserlaubnis für qualifizierte Tätigkeiten zwei Jahre, und die erforderliche Beitragszeit zur Rentenversicherung beträgt 24 Monate.
Gleichzeitig weist das offizielle deutsche Portal für ausländische Fachkräfte „Make it in Germany“ darauf hin, dass diese Sonderregelung nicht völlig neu ist: Sie galt bereits im Rahmen einer Sonderregelung für Absolventen deutscher Hochschulen und berufsbildender Einrichtungen und wurde nach der Reform des Zuwanderungsrechts beibehalten. Für andere qualifizierte Arbeitskräfte beträgt die Standardfrist bis zum Erhalt eines unbefristeten Aufenthaltsstatus drei Jahre statt fünf.
Um den zweijährigen Weg zur Daueraufenthaltserlaubnis in Anspruch nehmen zu können, muss der Ausländer mindestens zwei Jahre lang eine Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft, Forscher oder Inhaber einer EU-Blue-Card gemäß den entsprechenden Gesetzesbestimmungen besitzen. Außerdem muss er in einer Position arbeiten, die den Bedingungen der Aufenthaltserlaubnis entspricht, mindestens 24 Monate lang Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt haben, über Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 verfügen, Grundkenntnisse des deutschen Rechts- und Sozialsystems besitzen und über ausreichende Wohnfläche verfügen.
Für Inhaber einer EU-Blue-Card gelten gesonderte, noch schnellere Regelungen. Eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis kann nach 27 Monaten qualifizierter Beschäftigung erteilt werden, bei Deutschkenntnissen auf Niveau B1 bereits nach 21 Monaten.
Deutschland hat in den letzten Jahren vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels die Anwerbung und Bindung ausländischer Fachkräfte schrittweise vereinfacht. Insbesondere hat die Reform des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes die Einreisemöglichkeiten für qualifizierte Arbeitskräfte erweitert, die „Opportunity Card“ für die Arbeitssuche eingeführt und eine Reihe von Verfahren für Inhaber einer Blue Card und deren Familienangehörige vereinfacht.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren Ende 2025 im Zentralen Ausländerregister 14,07 Millionen Staatsangehörige anderer Staaten erfasst, die in Deutschland lebten. Etwa 5 Millionen von ihnen waren Staatsangehörige von EU-Ländern, weitere rund 4,6 Millionen hatten die Staatsangehörigkeit anderer europäischer Staaten.
Die größte Einzelgruppe ausländischer Staatsangehöriger bildeten weiterhin die türkischen Staatsangehörigen mit 1,520 Millionen Personen. An zweiter Stelle standen die ukrainischen Staatsangehörigen mit 1,410 Millionen, gefolgt von den syrischen Staatsangehörigen mit 936.000, den rumänischen mit 904.000, den polnischen mit 840.000 und den italienischen mit 629.000. In Deutschland lebten zudem rund 450.000 Bürger aus Afghanistan, 422.000 Bürger aus Bulgarien, 413.000 Bürger aus Kroatien und über 311.000 Bürger aus Indien.
Dabei stieg die Zahl der ukrainischen Staatsbürger im Jahr 2025 um etwa 76.000 Personen, was einen der größten Zuwächse unter den einzelnen Nationalitäten darstellte. Die Zahl der indischen Staatsangehörigen stieg um 34.000. Gleichzeitig sank die Zahl der syrischen Staatsangehörigen um 39.000, die der polnischen und türkischen jeweils um etwa 25.000 sowie die der russischen um 18.000.
Betrachtet man nicht die Staatsangehörigkeit, sondern das Geburtsland, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Im Jahr 2025 lebten in Deutschland 16,4 Millionen Menschen, die selbst in das Land eingewandert waren. Die größten Gruppen stammten aus Polen und der Türkei – jeweils etwa 1,5 Millionen Menschen –, aus der Ukraine – 1,3 Millionen – sowie aus Russland und Syrien – jeweils etwa 1 Million.
Auf diese fünf Länder entfielen rund 39 % aller in Deutschland lebenden Einwanderer. Insgesamt hatten rund 21,8 Millionen Einwohner des Landes eigene Migrationserfahrungen oder waren direkte Nachkommen von Einwanderern.
Damit sind Ukrainer heute nach den türkischen Staatsangehörigen die zweitgrößte Gruppe ausländischer Staatsbürger in Deutschland und eine der drei größten Einwanderergruppen nach Herkunftsland.
Deutschland bleibt nach Einschätzung des Pestel-Instituts ein Land mit einer der niedrigsten Wohneigentumsquoten in Europa. Im Jahr 2025 lebten nur 43,5% der privaten Haushalte des Landes in einer eigenen Wohnung oder einem eigenen Haus. Dies ist der niedrigste Wert seit etwa zwei Jahrzehnten.
Wie die Website rebuild.news berichtet, ist Wohneigentum in Deutschland heute eher die Ausnahme als das übliche Wohnmodell: Die Mehrheit der Haushalte mietet weiterhin Immobilien.
Die offizielle Statistik Deutschlands bestätigt diese Besonderheit des Marktes. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Destatis und von Eurostat lebten 2025 52,8% der Bevölkerung Deutschlands in Mietwohnungen. Dies ist der höchste Mieteranteil unter allen Ländern der Europäischen Union. Zum Vergleich: In Frankreich lag er bei 38,6%, in Spanien bei 26,4%, in Polen bei 12,8% und in der Slowakei bei lediglich 6,2%.
Die Zahlen des Pestel-Instituts und von Destatis unterscheiden sich aufgrund der Methodik etwas. Pestel bewertet den Anteil der Haushalte, die im eigenen Wohnraum leben, während die von Destatis angeführten Eurostat-Daten auf Bevölkerungsebene berechnet werden. Das deutsche Statistische Bundesamt selbst veröffentlicht für eine andere Stichprobe von Haushalten ebenfalls eine Wohneigentumsquote von 41,9%.
Die Studie des Pestel-Instituts zeigt, dass das Problem unter jungen Deutschen besonders deutlich ist. Fast drei Viertel der Einwohner im Alter von 25 bis 45 Jahren wohnen zur Miete. Als Hauptgründe nennen die Forscher den Anstieg der Baukosten, der Hypothekenzinsen und die unzureichende Erschwinglichkeit des Wohnungskaufs für Familien mit mittleren Einkommen.
Seit dem Jahr 2000 sind die Kosten für den Bau von Mehrfamilienhäusern in Deutschland der Studie zufolge um etwa 160% gestiegen, während die Verbraucherpreise deutlich langsamer zunahmen. Selbst Familien mit zwei durchschnittlichen Einkommen haben in vielen Regionen Schwierigkeiten beim Erwerb von Wohneigentum.
Gleichzeitig wird die Situation durch ein unzureichendes Angebot an neuen Wohnungen erschwert. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 206,6 Tsd. Wohneinheiten fertiggestellt – 18% weniger als ein Jahr zuvor und damit der niedrigste Wert seit 2012.
Der hohe Mieteranteil ist seit Langem ein Merkmal des deutschen Immobilienmarktmodells. Ein entwickelter Markt für langfristige Vermietung, ein starker Mieterschutz und ein historisch relativ geringer Anteil von Wohneigentümern unterscheiden Deutschland von den meisten Ländern Mittel- und Osteuropas, in denen die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung über Wohneigentum verfügt.
Dabei steigen auch die Mieten bei neuen Verträgen schnell. Nach Angaben der Europäischen Kommission stiegen die Neuvertragsmieten in Deutschland in den Jahren 2013-2024 um rund 50,8%, in den sieben größten Städten sogar um 76,3%.
Zehntausende Beschäftigte der deutschen Automobilindustrie nehmen an Protestaktionen teil und fordern von den Behörden und der Unternehmensleitung, Arbeitsplätze zu erhalten, wie „The Guardian“ am Montag berichtet.
An den Protesten beteiligen sich Mitarbeiter von Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und einer Reihe weiterer Unternehmen.
Zuvor hatte Volkswagen Pläne angekündigt, in den nächsten drei Jahren 100.000 Arbeitsplätze abzubauen. Auch BMW und Mercedes bauen Personal ab.
Die Protestierenden fordern von den Behörden Unterstützung für die Branche, insbesondere durch Subventionen.
„The Guardian“ weist darauf hin, dass die Krise der deutschen Automobilindustrie unter anderem mit der Entwicklung der chinesischen Elektroautoindustrie zusammenhängt, deren Fahrzeuge günstiger sind und oft über fortschrittlichere Funktionen verfügen als ihre deutschen Pendants.
Die Regionalwahlen in Deutschland am 20. September haben eine Schwächung der Positionen der traditionellen Parteien und eine weitere Fragmentierung der deutschen Wählerschaft gezeigt: Die Alternative für Deutschland (AfD) gewann in Mecklenburg-Vorpommern, während in Berlin die Linke den ersten Platz belegte, heißt es in einer Analyse des Analysezentrums Experts Club.
In Mecklenburg-Vorpommern erhielt die AfD 38,2 % der Stimmen gegenüber 16,7 % bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2021. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands erhielt 35,5 %, die Linke 6,5 % und die Grünen 5,7 %. Die Christlich Demokratische Union von Bundeskanzler Friedrich Merz erhielt 4,9 % und scheiterte damit erstmals in ihrer Geschichte bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde.
Bei der vorangegangenen Wahl in diesem Bundesland hatte die CDU 13,3 % erreicht und damit mehr als 8 Prozentpunkte an Unterstützung verloren. Nach der vorläufigen Sitzverteilung erhält die AfD 32 Sitze, die SPD 29 sowie die Linke und die Grünen jeweils fünf. Da die anderen parlamentarischen Kräfte eine Koalition mit der AfD ausschließen, bestimmt das Wahlergebnis allein nicht die Zusammensetzung der künftigen Landesregierung.
In Berlin zeigten die Ergebnisse eine andere politische Konstellation. Die Linke erhielt 25,7 % der Stimmen gegenüber 12,2 % bei der vorherigen Wahl. Die CDU belegte mit 18,8 % den zweiten Platz, die AfD erhielt 16,3 %, die Grünen 14,3 % und die SPD 12,1 %. Die amtierende Koalition aus CDU und Sozialdemokraten verlor ihre parlamentarische Mehrheit.
Experts Club weist darauf hin, dass die Ergebnisse vom 20. September einen Trend fortsetzten, der sich bereits zu Beginn des Monats gezeigt hatte. Am 6. September belegte die AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 % den ersten Platz, während die CDU 17,2 % erhielt. Im Jahr 2021 hatte die CDU in diesem Bundesland 37,1 % und die AfD 20,8 % erreicht.
Nach Einschätzung von Experts Club sollten die Ergebnisse der Septemberwahlen daher nicht ausschließlich als Bewegung der deutschen Wählerschaft in eine einzige ideologische Richtung verstanden werden. In zwei ostdeutschen Bundesländern erhielt die AfD die größte Unterstützung, während sich in Berlin die Linke deutlich verstärkte. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der Wähler der traditionellen Parteien je nach Region und Struktur der lokalen Probleme zu unterschiedlichen alternativen politischen Kräften wechselt.
Nach Angaben von Infratest dimap konnte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern rund 66.000 Bürger mobilisieren, die zuvor nicht gewählt hatten, sowie rund 48.000 ehemalige SPD-Wähler und etwa 32.000 ehemalige CDU-Anhänger für sich gewinnen.
Gleichzeitig wird das Ergebnis der SPD in diesem Bundesland in hohem Maße mit der persönlichen Unterstützung für Ministerpräsidentin Manuela Schwesig in Verbindung gebracht. Fast die Hälfte der nach der Wahl befragten sozialdemokratischen Wähler erklärte, dass sie die Partei ohne sie nicht unterstützt hätte. Dies zeigt die Bedeutung der persönlichen Popularität von Landespolitikern selbst dann, wenn ihre Parteien auf Bundesebene schwächer dastehen.
Ein gesondertes Problem für die CDU war die Wahrnehmung ihrer wirtschaftspolitischen Kompetenz durch die Wähler. Nur 13 % der Befragten in Mecklenburg-Vorpommern nannten die CDU als die politische Kraft, die wirtschaftliche Probleme am besten lösen könne. 89 % der Befragten stimmten zudem der Aussage zu, die Partei habe vor der Bundestagswahl viel versprochen, aber wenig umgesetzt. Diese Ergebnisse beziehen sich auf ein konkretes Bundesland und können nicht automatisch auf ganz Deutschland übertragen werden.
In Berlin war die Wohnungsfrage einer der zentralen Faktoren des Wahlkampfs. Die Linke legte den Schwerpunkt auf die Höhe der Mieten, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die Regulierung der Tätigkeit großer Immobilieneigentümer. Gleichzeitig blieben Migration und Sicherheit für AfD-Wähler wichtige Themen.
„Diese Wahlen zeigen keine lineare Bewegung der deutschen Gesellschaft in eine einzige ideologische Richtung, sondern eine Fragmentierung der Wählerschaft. In Mecklenburg-Vorpommern konzentriert sich der Protest um die AfD, während in Berlin die Linke zum wichtigsten Empfänger der Proteststimmen und der Stimmen junger städtischer Wähler wurde. Der gemeinsame Nenner ist also nicht die Ideologie, sondern die nachlassende Fähigkeit der traditionellen Parteien, unterschiedliche Wählergruppen innerhalb des bisherigen Modells der politischen Mitte zu halten“, sagte der Soziologe und Mitbegründer des Forschungsunternehmens Active Group, Oleksandr Poznii.
Seinen Worten zufolge ist die Mobilisierung von Bürgern, die zuvor nicht an Wahlen teilgenommen hatten, besonders aufschlussreich. Dies könnte nicht nur auf eine Umverteilung der bereits bestehenden Wählerschaft, sondern auch auf eine Erweiterung der Basis einzelner politischer Kräfte hindeuten.
Poznii wies zudem auf das sinkende Vertrauen eines Teils der Wähler in die traditionell der CDU zugeschriebene wirtschaftspolitische Kompetenz hin. Seiner Ansicht nach werden die kommenden Monate für die Parteien der politischen Mitte vor allem mit der Notwendigkeit verbunden sein, das Vertrauen verschiedener Wählergruppen wiederherzustellen, und nicht nur mit Personaldebatten.
Auch die Entwicklung auf Bundesebene zeigt Veränderungen bei der Unterstützung der Parteien. Im September-ARD-DeutschlandTrend, den Infratest dimap vom 31. August bis 2. September unter 1.319 Wahlberechtigten durchführte, unterstützten 27 % der Befragten die AfD, 21 % die CDU/CSU, 15 % die Grünen, 13 % die SPD und 12 % die Linke.
Dabei verändern Landtagswahlen weder unmittelbar die Zusammensetzung der Bundesregierung noch die Außenpolitik Berlins. Sie beeinflussen jedoch die innenpolitische Debatte über Wirtschaft, Haushaltsausgaben, Energie, Migration und andere Fragen.
Die vorläufigen Ergebnisse der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wurden in der Nacht zum 21. September veröffentlicht. Die endgültigen Ergebnisse sollen nach der Prüfung der Wahlprotokolle bestätigt werden.
Das Material wurde auf Grundlage der Studie des Analysezentrums Experts Club „AfD gewinnt in Mecklenburg, die Linke in Berlin: Regionalwahlen erhöhen den Druck auf Deutschlands traditionelle Parteien“ erstellt, die am 21. September 2026 veröffentlicht wurde. Studie von Experts Club auf Experts.news
Wie Fixygen berichtet, hat das deutsche Finanzministerium einen Entwurf für eine Reform der Besteuerung von Krypto-Vermögenswerten ausgearbeitet, der ab 2027 einen Steuersatz von 25 % auf Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin, Ethereum und anderer Kryptowährungen vorsieht, unabhängig von der Haltedauer des Vermögenswerts.
Der entsprechende Referenzentwurf befindet sich derzeit in einer frühen Abstimmungsphase innerhalb der Bundesregierung, berichtete das Handelsblatt am 9. September unter Berufung auf ein der Zeitung vorliegendes Dokument. Derzeit ist Deutschland nach wie vor einer der attraktivsten großen europäischen Standorte für langfristige Privatanleger in Kryptowährungen. Nach den geltenden Vorschriften unterliegen Gewinne aus dem Verkauf von Krypto-Vermögenswerten, die länger als ein Jahr im Besitz waren, in der Regel nicht der Einkommensteuer. Wird ein Vermögenswert innerhalb von 12 Monaten nach dem Kauf veräußert, gelten die Gewinne als private Veräußerung von Vermögen und werden mit dem individuellen Steuersatz des Steuerpflichtigen besteuert. Diese Regelung wurde durch offizielle Erläuterungen des Bundesfinanzministeriums vom 6. März 2025 bestätigt.
Das neue Modell soll diesen Ansatz grundlegend ändern. Es wird vorgeschlagen, Krypto-Vermögenswerte aus der Kategorie der privaten Vermögensverkäufe in die Kategorie der Kapitalerträge zu überführen und analog zu Gewinnen aus Aktiengeschäften zu besteuern. Der Basissatz der Abgeltungssteuer soll 25 % betragen. Unter Berücksichtigung des Solidaritätszuschlags kann die tatsächliche Belastung bis zu 26,375 % erreichen, wobei eine eventuelle Kirchensteuer noch nicht berücksichtigt ist.
Die vorgeschlagenen Regelungen sollen nur für Kryptowährungen gelten, die nach dem 31. Dezember 2026 erworben wurden. Für Bitcoin, Ethereum und andere zuvor erworbene Vermögenswerte soll die derzeitige steuerliche Behandlung beibehalten werden.
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die neuen Regelungen am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Dabei ist die Einführung des automatischen Steuerabzugs durch deutsche Kryptowährungsdienstleister erst ab dem 1. Januar 2028 geplant, um den Plattformen Zeit für die Umstellung ihrer Abrechnungssysteme zu geben.
Das Finanzministerium rechnet damit, dass die Änderung der Vorschriften dem Haushalt im Jahr 2028 zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von rund 160 Mio. Euro einbringen wird. In den folgenden Jahren soll dieser Betrag steigen und nach Berechnungen des Ministeriums im Jahr 2030 rund 350 Mio. Euro erreichen.
Die Reform beseitigt faktisch den wichtigsten Steuervorteil des langfristigen Besitzes von Kryptowährungen in Deutschland. Für Anleger wird es nicht mehr ausreichen, Bitcoin oder Ethereum länger als ein Jahr zu halten, um die beim Verkauf erzielten Gewinne vollständig von der Steuer zu befreien.
Eine endgültige Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Der Entwurf des Finanzministeriums befindet sich in einer frühen Phase der interministeriellen Abstimmung; anschließend muss das Dokument noch von der Bundesregierung, dem Bundestag und dem Bundesrat geprüft werden.
Unabhängig davon verstärkt Deutschland bereits die steuerliche Transparenz bei Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten. Im November 2025 billigte der Bundestag die Umsetzung der europäischen DAC8-Richtlinie, die Krypto-Dienstleister verpflichtet, den Steuerbehörden Informationen über bestimmte Transaktionen ihrer Kunden zu übermitteln.