Die Ukraine erzielte im Zeitraum Januar bis August 2026 4,46 Mrd. US-Dollar aus dem Export von IT-Dienstleistungen, womit der Technologiesektor rund 12 % der gesamten Waren- und Dienstleistungsexporte des Landes ausmachte, wie aus Daten der Nationalbank der Ukraine hervorgeht, die vom Experten- und Analysezentrum Experts Club ausgewertet wurden.
Somit entfällt etwa jeder achte Dollar der Exporteinnahmen der Ukraine auf IT-Dienstleistungen.
Die Gesamtexporte der Ukraine an Waren und Dienstleistungen beliefen sich in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 auf 35,8 Mrd. US-Dollar und blieben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu unverändert.
Den größten Teil der Deviseneinnahmen macht nach wie vor der Warenexport aus – 24,9 Mrd. US-Dollar oder etwa 70 % des Gesamtvolumens. Der Export von Dienstleistungen belief sich auf 10,9 Mrd. US-Dollar, wovon 4,46 Mrd. US-Dollar auf den IT-Bereich entfielen.
Somit macht der IT-Sektor bei einem Anteil der Dienstleistungen am Gesamtexport des Landes von etwa 30 % allein etwa 12 % der gesamten Exporteinnahmen der Ukraine aus.
Wie Analysten des Experts Club feststellen, verdeutlichen diese Zahlen die besondere Rolle der IT für den ukrainischen Außenhandel. Im Gegensatz zum Warenexport sind technologische Dienstleistungen praktisch unabhängig von der Seelogistik, der Durchlasskapazität der Grenzen und dem physischen Transport der Produkte.
Zudem bleibt die IT-Branche der größte Bestandteil des ukrainischen Dienstleistungsexports. Auf Computerdienstleistungen entfallen etwa 41 % der gesamten Exporteinnahmen des Dienstleistungssektors.
Im Zeitraum Januar bis August belief sich der Dienstleistungsexport der Ukraine auf 10,9 Mrd. US-Dollar und stieg damit im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des Jahres 2025 um etwa 6 %. Der IT-Export stieg um 4 % auf 4,46 Mrd. US-Dollar.
Trotz der Erholung hat der IT-Sektor sein historisches Hoch aus dem Jahr 2022 noch nicht wieder erreicht. Der Export von IT-Dienstleistungen lag in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 weiterhin um etwa 9 % unter dem Wert des entsprechenden Zeitraums im Jahr 2022.
Somit zeigt der ukrainische IT-Export einerseits eine Erholung nach den Rückgängen der vergangenen Jahre und behält andererseits eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Generierung von Deviseneinnahmen des Landes bei.
Datenquelle: Nationalbank der Ukraine. Die Berechnungen zur Exportstruktur basieren auf Daten der NBU, die von Opendatabot veröffentlicht wurden.
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Die Zentralbanken weltweit haben im August 2026 ihre offiziellen Goldreserven um insgesamt 39 Tonnen (netto) aufgestockt, wobei die Volksbank von China der größte Käufer war. Dies geht aus einer Analyse des Experts Club hervor, die auf den am 6. Oktober veröffentlichten Daten des World Gold Council (WGC) basiert.
Nach Angaben des WGC waren im August die wichtigsten Goldkäufer:
China – 20,2 Tonnen
Polen – 7,8 Tonnen
Usbekistan – 7,8 Tonnen
Kasachstan – 7,4 Tonnen
Türkei – 2,9 Tonnen
Tschechien – 1,7 Tonnen
Bolivien – rund 1 Tonne
Ghana – rund 1 Tonne
China hat im 22. Monat in Folge Gold gekauft. Im August stockte die Volksbank von China ihre Goldreserven um etwa 20,2 Tonnen auf – dies war die größte monatliche Aufstockung seit Oktober 2023.
Im Zeitraum Januar bis August hat China rund 80 Tonnen Gold erworben. Die offiziellen Goldreserven des Landes beliefen sich auf etwa 2.387 Tonnen, was rund 9 % der gesamten internationalen Reserven Chinas entspricht.
Trotz Chinas Führungsposition im August bleibt Polen seit Anfang 2026 der größte Goldkäufer. Die polnische Nationalbank erwarb im August rund 7,8 Tonnen und seit Jahresbeginn bereits 98 Tonnen. Die Goldreserven Polens stiegen auf etwa 648 Tonnen und näherten sich damit dem erklärten Ziel von 700 Tonnen.
Usbekistan hat seine Reserven um etwa 7,8 Tonnen erhöht. Seit Jahresbeginn hat das Land rund 50 Tonnen Gold erworben, und das Gesamtvolumen der Goldreserven erreichte etwa 439 Tonnen. Etwa 90 % der Reserven Usbekistans entfallen auf Gold.
Kasachstan hat im August rund 7,4 Tonnen Gold erworben und damit das Kaufvolumen seit Jahresbeginn auf etwa 36 Tonnen erhöht. Die Goldreserven des Landes beliefen sich auf rund 377 Tonnen, was 79 % der internationalen Reserven entspricht.
Die Türkei kehrte nach drei Monaten der Verkäufe zu Nettoankäufen zurück und erwarb rund 2,9 Tonnen. Dabei bleibt das Land seit Anfang 2026 ein großer Nettoverkäufer – der Gesamtabbau der Reserven beträgt rund 82 Tonnen, wobei der Großteil der Verkäufe auf das erste Quartal entfiel.
Die Tschechische Nationalbank erwarb rund 1,7 Tonnen und setzte damit ihre Serie von Netto-Goldkäufen auf 42 Monate in Folge fort. Seit Jahresbeginn hat die Tschechische Republik rund 14 Tonnen hinzugewonnen und ihre Reserven damit auf 86 Tonnen erhöht.
Insgesamt meldeten die Zentralbanken weltweit für den Zeitraum Januar bis August 2026 Nettokäufe von etwa 170 Tonnen Gold.
Der World Gold Council stellt fest, dass die Zusammensetzung der größten Käufer relativ stabil bleibt. Dies deutet darauf hin, dass die Zentralbanken Gold in erster Linie im Rahmen einer langfristigen Reservenpolitik kaufen, während monatliche Schwankungen mit dem Zeitplan der Programmumsetzung, der Marktsituation und dem Liquiditätsbedarf einzelner Länder zusammenhängen.
Zum Vergleich: Im Juli kauften die Zentralbanken weltweit netto 23 Tonnen Gold. Somit stieg das Volumen der Nettokäufe im August um etwa 70 % gegenüber dem Vormonat.
Offizielle Quelle: World Gold Council, Central Bank Gold Statistics, veröffentlicht am 6. Oktober 2026.
Der Nobelpreis für Physik 2026 wurde dem belgisch-amerikanischen Physiker Francis Halzen für seinen entscheidenden Beitrag zur Schaffung des Neutrino-Observatoriums IceCube und die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs verliehen, teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag mit.
„Für entscheidende Beiträge zum Neutrino-Observatorium IceCube und die Entdeckung hochenergetischer Neutrinos astrophysikalischen Ursprungs“, heißt es in der offiziellen Formulierung des Nobelkomitees.
Halzens Arbeiten eröffneten faktisch eine neue Möglichkeit, das Universum zu erforschen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Teleskopen, die elektromagnetische Strahlung registrieren, ermöglicht IceCube die Beobachtung kosmischer Prozesse mithilfe von Neutrinos — extrem leichten, elektrisch neutralen Elementarteilchen, die nur äußerst selten mit Materie wechselwirken.
Neutrinos können Planeten, Sterne und andere Objekte praktisch ohne Wechselwirkung mit ihnen durchqueren. Sie besitzen außerdem keine elektrische Ladung, weshalb Magnetfelder die Richtung ihrer Bewegung nicht verändern. Dadurch können hochenergetische Neutrinos Informationen direkt von den Quellen der stärksten Prozesse im Universum zur Erde bringen und Wissenschaftlern helfen festzustellen, wo kosmische Strahlung mit ultrahohen Energien entsteht.
Halzen schlug vor, das transparente Eis der Antarktis zur Registrierung solcher Teilchen zu nutzen. Dieses Konzept führte schließlich zur Errichtung des IceCube-Observatoriums am Südpol.
IceCube ist ein gigantischer Detektor mit einem Volumen von etwa 1 Kubikkilometer. Im antarktischen Eis sind mehr als 5.000 lichtempfindliche Sensoren installiert. Wenn ein Neutrino in seltenen Fällen mit einem Atomkern wechselwirkt, erzeugen die dabei entstehenden Sekundärteilchen eine charakteristische Strahlung, die von den Sensoren registriert wird. Anhand der Richtung und der Eigenschaften eines solchen Signals können Wissenschaftler Informationen über das aus dem Weltraum eingetroffene Neutrino gewinnen.
Die Idee, antarktisches Eis für die Suche nach kosmischen Neutrinos zu verwenden, schlug Halzen bereits 1988 vor. Der Bau von IceCube wurde 2011 abgeschlossen, und bereits 2013 meldete das Observatorium den ersten Nachweis hochenergetischer Neutrinos, die von außerhalb des Sonnensystems gekommen waren.
2017 registrierte IceCube ein hochenergetisches Neutrino, das mit dem aktiven Kern einer fernen Galaxie in Verbindung gebracht werden konnte. 2022 erhielt das Observatorium Hinweise auf hochenergetische Neutrinostrahlung einer aktiven Galaxie in etwa 47 Millionen Lichtjahren Entfernung von der Erde und 2023 — aus unserer Galaxie, der Milchstraße.
Solche Beobachtungen wurden zu einem wichtigen Bestandteil der sogenannten Multi-Messenger-Astronomie, bei der ein und derselbe kosmische Prozess gleichzeitig anhand elektromagnetischer Strahlung, Neutrinos, kosmischer Strahlung und Gravitationswellen untersucht wird.
Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften weist darauf hin, dass die Daten von IceCube die Untersuchung der Bedingungen für die Entstehung hochenergetischer Neutrinos ermöglichen und in Zukunft zur Entdeckung bislang unbekannter kosmischer Phänomene führen könnten.
Halzen wurde 1944 im belgischen Tienen geboren. Er ist Professor für Physik an der University of Wisconsin–Madison und leitender Wissenschaftler des IceCube-Projekts. An der Universität arbeitet er seit 1972.
Die Höhe des Nobelpreises für Physik beträgt 2026 12 Millionen schwedische Kronen oder rund 1,2 Millionen US-Dollar. Da Halzen der einzige Preisträger in dieser Kategorie ist, erhält er die gesamte Preissumme.
Der Nobelpreis für Physik wird von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften für die bedeutendsten Entdeckungen und Errungenschaften auf dem Gebiet der Physik verliehen. Der Preis wurde gemäß dem Testament des schwedischen Erfinders und Unternehmers Alfred Nobel gestiftet. Die ersten Nobelpreise wurden 1901 verliehen.
Gemäß Nobels Testament werden die Auszeichnungen für Leistungen in Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur sowie für Tätigkeiten zur Förderung des Friedens verliehen. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften zum Gedenken an Alfred Nobel wurde später von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.
Die Preisträger erhalten eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld. Die Verleihung der Nobelpreise findet traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, statt. Die Preise für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaft werden in Stockholm verliehen, der Friedensnobelpreis in Oslo.
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Der Einzelhandel bleibt der beliebteste Bereich für die Gründung kleiner Unternehmen in der Ukraine – in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden in diesem Sektor 60.300 neue Einzelunternehmer registriert, wie Daten von Opendatabot auf Basis des Einheitlichen Staatsregisters und eine Datenanalyse des Analysezentrums Experts Club zeigen.
Auf den Einzelhandel entfallen mehr als ein Viertel aller neuen Unternehmer, die seit Jahresbeginn in der Ukraine registriert wurden. Insgesamt wurden von Januar bis September 222.300 Einzelunternehmer gegründet.
An zweiter Stelle der beliebtesten Branchen stand die Computerprogrammierung – 16.700 neue Einzelunternehmer. Nahezu das gleiche Ergebnis verzeichnete der Großhandel – 16,6 Tausend
Im Bildungsbereich wurden rund 10,7 Tausend neue Unternehmer registriert. Ebenso viele Einzelunternehmer nahmen ihre Tätigkeit im Bereich der Verpflegung mit Speisen und Getränken auf, zu dem insbesondere verschiedene Formate der Gastronomie gehören.
Die beliebtesten Geschäftsbereiche führen jedoch gleichzeitig auch die Liste der Schließungen an.
Im Einzelhandel stellten in den ersten neun Monaten 49.400 Einzelunternehmer ihre Tätigkeit ein. Somit belief sich der Nettozuwachs an Unternehmern in der Branche trotz der hohen Zahl an Schließungen auf rund 10.900.
Anders sieht es in der Computerprogrammierung aus. Bei 16.700 Neuregistrierungen stellten 17.100 Einzelunternehmer ihre Tätigkeit ein. Auf der Grundlage der von Opendatabot veröffentlichten absoluten Zahlen überstieg die Zahl der Schließungen im IT-Segment somit die Zahl der Neugründungen um etwa 400.
Im Großhandel bleibt die Lage positiv: Bei 16.600 neuen Einzelunternehmern schlossen 11.700 ihre Tätigkeit, was einem Nettozuwachs von etwa 4.900 Unternehmern entspricht.
Im Bereich der Gastronomie wurden etwa 10.700 neue Einzelunternehmer registriert bei 7.900 Schließungen – die positive Differenz beträgt etwa 2.800.
Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 in der Ukraine 222.288 Einzelunternehmen gegründet und 155.645 geschlossen. Die Zahl der neuen Unternehmer überstieg die Zahl derjenigen, die ihre Tätigkeit einstellten, um 66.643.
Quelle: Opendatabot – „In diesem Jahr wurden 66.000 Einzelunternehmen mehr gegründet als geschlossen“.
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In Eurasien entsteht ein neues System von Transportwegen, das die Verbindungen zwischen China, Zentral- und Südasien, den Golfstaaten und Europa erweitern soll. Zu den wichtigsten Projekten zählen der transafghanische CASA-Korridor, der Mittlere Korridor über das Kaspische Meer, die Eisenbahn China–Kirgisistan–Usbekistan, der irakische Development Road sowie der Wirtschaftskorridor IMEC, berichtet das Informations- und Analysezentrum Experts Club.
Ende September 2026 vereinbarten Kasachstan, Usbekistan und die Vereinigten Arabischen Emirate, eine Eisenbahnverbindung von Kasachstan über Usbekistan und Afghanistan nach Pakistan mit Zugang zu den Häfen Karachi und Gwadar zu prüfen. Das vorläufige Potenzial von CASA wird auf bis zu 10 Mio. Tonnen Fracht geschätzt, das Projekt befindet sich jedoch noch in der technisch-wirtschaftlichen Prüfungsphase.
Der Mittlere Korridor ist bereits über Kasachstan, das Kaspische Meer, Aserbaidschan und Georgien in Betrieb. Nach Schätzungen der Weltbank könnten Infrastrukturinvestitionen in Verbindung mit Reformen das Handelsvolumen entlang der Route bis 2040 auf das Vierfache steigern und die Lieferzeiten gegenüber 2023 um etwa zwei Drittel verkürzen. Der Investitionsbedarf für Kern- und Begleitinfrastruktur wird auf mehr als 55 Mrd. US-Dollar geschätzt.
Die Eisenbahn China–Kirgisistan–Usbekistan soll die östliche Anbindung Zentralasiens verbessern. Der irakische Development Road soll den Hafen Grand Al-Faw mit der Türkei und dem europäischen Verkehrsnetz verbinden, während IMEC maritime und schienengebundene Verbindungen zwischen Indien, den Golfstaaten und Europa schaffen soll.
Für die Ukraine eröffnet die Neuordnung der eurasischen Logistik zusätzliche Möglichkeiten für den Zugang zu Zentralasien und China über das Schwarze Meer, den Kaukasus und das Kaspische Meer. Der ukrainische Regierungsplan für 2026 sieht Gespräche über die Einbindung ukrainischer Häfen in die Transkaspische Route vor.
„Für die Ukraine ist es wichtig, diese Neuordnung nicht nur von außen zu beobachten, sondern die physische und tarifliche Einbindung ihrer Häfen und Eisenbahnen in die neuen Routen zu erreichen“, erklärte Experts-Club-Gründer Maksym Urakin.
Menschen, die regelmäßig mehr Kaffee trinken, können einen geringeren Anteil an Gesamt- und Viszeralfett und gleichzeitig eine größere Muskelmasse haben, wie die Ergebnisse einer neuen finnischen Studie zeigen. Bei Männern war ein höherer Kaffeekonsum außerdem mit Besonderheiten des Testosteronspiegels sowie günstigeren Werten des Glukose- und Insulinstoffwechsels verbunden.
Die Studie wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift European Journal of Nutrition veröffentlicht. Die Wissenschaftler nutzten Daten des groß angelegten Projekts Northern Finland Birth Cohort 1966, dessen Teilnehmer seit ihrer Geburt beobachtet werden. In die Analyse wurden 2.264 Personen im Alter von 46 Jahren einbezogen.
Die Teilnehmer wurden nach ihrem üblichen Kaffeekonsum eingeteilt. 70 Personen tranken praktisch keinen Kaffee, 296 tranken ein bis zwei Tassen täglich, 822 drei bis vier Tassen und weitere 1.076 Teilnehmer fünf oder mehr Tassen pro Tag.
Die Forscher stellten ein interessantes Muster fest: Der Body-Mass-Index unterschied sich zwischen den Gruppen nicht wesentlich, die Körperzusammensetzung jedoch schon.
Teilnehmer, die mehr Kaffee konsumierten, hatten im Durchschnitt einen geringeren Körperfettanteil, eine geringere Gesamtfettmasse und eine kleinere Fläche an Viszeralfett. Gleichzeitig war ihre Skelettmuskelmasse höher. Unterschiede in der Körperzusammensetzung wurden sowohl bei Männern als auch bei Frauen beobachtet.
„Diese Studie ist vor allem deshalb interessant, weil sie die Grenzen des üblichen BMI-Indikators zeigt. Zwei Menschen können praktisch denselben Body-Mass-Index haben, aber ein völlig unterschiedliches Verhältnis von Fett- und Muskelgewebe. In der finnischen Stichprobe war gerade die Körperzusammensetzung und nicht der BMI mit dem Ausmaß des Kaffeekonsums verbunden“, erklärt Swjatoslaw Morosow-Leonow, Doktor der biologischen Wissenschaften und Leiter eines Bereichs des Analysezentrums Experts Club.
Gesondert untersuchten die Wissenschaftler hormonelle Werte. Bei Männern war jede zusätzliche Tasse Kaffee pro Tag statistisch mit einem Anstieg des Gesamttestosterons um etwa 0,29 nmol/l und des bioverfügbaren Testosterons um etwa 0,08 nmol/l verbunden. Auch der Spiegel des Sexualhormon-bindenden Globulins — SHBG — stieg an. Diese Zusammenhänge blieben auch nach statistischer Anpassung an BMI, Bildung, Rauchen, körperliche Aktivität und Alkoholkonsum bestehen.
Die hormonellen Ergebnisse erwiesen sich jedoch als wesentlich komplexer, als die Formulierung „Kaffee erhöht Testosteron“ vermuten lässt.
Gleichzeitig mit einem höheren Gesamt- und bioverfügbaren Testosteron war ein höherer Kaffeekonsum bei Männern mit einem niedrigeren freien Testosteron und einem niedrigeren freien Androgenindex verbunden. Bei Frauen fanden die Forscher keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Kaffeemenge und dem Gesamt- oder bioverfügbaren Testosteron. Gleichzeitig wurden auch bei ihnen höhere SHBG-Werte und niedrigere Werte freier Androgene beobachtet.
„Daher wäre es falsch, aus der Studie den Schluss zu ziehen, dass fünf Tassen Kaffee pro Tag bei Männern den Testosteronspiegel erhöhen. Das hormonelle Bild ist deutlich komplexer: Das Gesamttestosteron stieg, während das freie Testosteron gleichzeitig sank. Die Autoren selbst sprechen von einem spezifischen hormonellen Profil und nicht von einer nachgewiesenen stimulierenden Wirkung des Kaffees“, betonte Morosow-Leonow.
Ein weiteres interessantes Ergebnis betrifft den Stoffwechsel.
Bei Männern mit höherem Kaffeekonsum stellten die Forscher ein günstigeres Profil der Glukose- und Insulinwerte fest. Bei Angehörigen beider Geschlechter korrelierte der Kaffeekonsum zudem umgekehrt mit der Blutkonzentration verzweigtkettiger Aminosäuren — BCAA.
Erhöhte BCAA-Konzentrationen wurden in mehreren früheren Studien mit Insulinresistenz und einem erhöhten Risiko für Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht. Die Autoren der finnischen Arbeit sind der Ansicht, dass die festgestellten Veränderungen dazu beitragen könnten, den in anderen Studien beobachteten Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Stoffwechselgesundheit besser zu verstehen.
Gleichzeitig warnen die Wissenschaftler ausdrücklich davor, dass die Ergebnisse keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweisen.
Es handelte sich um eine Querschnittsstudie: Kaffeekonsum, Körperzusammensetzung, Hormone und Stoffwechselwerte wurden im Wesentlichen im selben Zeitraum erfasst. Daher lässt sich nicht feststellen, ob Kaffee zu den festgestellten Unterschieden geführt hat oder ob Menschen mit einem bestimmten Lebensstil und Stoffwechselprofil einfach häufiger Kaffee tranken.
Darüber hinaus gaben die Teilnehmer die konsumierte Kaffeemenge selbst an, und die Gruppe der Personen, die überhaupt keinen Kaffee tranken, war klein — nur 70 von 2.264 Personen. Die finnische Bevölkerung ist zudem relativ homogen, weshalb die Ergebnisse nicht automatisch auf die Bevölkerung anderer Länder übertragen werden können.
„Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie Ernährungsstudien gelesen werden sollten. Ein Zusammenhang zwischen einem Produkt und einem bestimmten Gesundheitsindikator bedeutet noch nicht, dass das Produkt die Ursache dieses Effekts ist. Für praktische Empfehlungen sind prospektive Studien und vor allem randomisierte kontrollierte Studien erforderlich“, meint der Vertreter von Experts Club Morosow-Leonow.
Die Autoren der Arbeit empfehlen ebenfalls nicht, aufgrund der erzielten Ergebnisse den Kaffeekonsum zu erhöhen. Sie weisen auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hin, einschließlich Interventionsstudien am Menschen, mit denen festgestellt werden kann, ob ein kausaler Zusammenhang besteht und welche biologisch aktiven Bestandteile des Kaffees für die beobachteten Zusammenhänge verantwortlich sein könnten.
Kaffee enthält mehr als tausend verschiedene Verbindungen, weshalb der potenzielle Wirkmechanismus bislang unklar bleibt. Die Forscher betrachten hormonelle und metabolische Veränderungen als eine der möglichen Richtungen für weitere Untersuchungen des Einflusses von Kaffee auf die Gesundheit.
„Das interessanteste Ergebnis der Arbeit besteht nicht in der Aussage ‚je mehr Kaffee, desto besser‘. Die Studie zeigt einen wesentlich komplexeren Zusammenhang zwischen der gewohnten Ernährung, der Körperzusammensetzung, Hormonen und dem Stoffwechsel. Gerade die Überprüfung dieser Mechanismen in langfristigen und kontrollierten Studien sollte der nächste Schritt sein“, fasste Swjatoslaw Morosow-Leonow zusammen.
Die Studie Associations of habitual coffee intake with testosterone and cardiometabolic markers: the Northern Finland Birth Cohort 1966 study. In die Analyse wurden 2.264 Teilnehmer der Northern Finland Birth Cohort 1966 einbezogen. Die Autoren erklärten, dass kein Interessenkonflikt besteht.